Thesenjournalismus statt Recherche StudienCoverThesenjournalismus statt ergebnisoffener Recherche? Diese Frage hat der Bundesverband deutscher Pressesprecher (BdP) aufgeworfen. Haben die veränderten Bedingungen in Journalismus und in den Medien das Rechercheverhalten der Journalisten und deren Umgang mit Pressestellen von Unternehmen und anderen Organisationen verändert? Um das in der gebotenen Tiefe untersuchen zu lassen, hat der BdP im vergangenen Jahr Professorin Claudia Mast und ihre Mitarbeiter vom Fachgebiet für Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim mit der Entwicklung und Durchführung einer entsprechenden Studie beauftragt. Der Studienband wurde jetzt vorgelegt. Eines der Ergebnisse: Über alle Medien hinweg gehört es inzwischen zum journalistischen Standard, thesengeleitet zu recherchieren und Storys zuzuspitzen.

Der erste Teil des Buchs widmet sich der Beschreibung der jüngsten Entwicklungen. Demnach bilde die Zusammenarbeit von Journalisten und Pressesprechern eine Herzkammer der öffentlichen Kommunikation. Allerdings veränderten sich mit dem Medienwandel die Bedingungen dafür. Der Druck auf die Redaktionen, exklusive Informationen zu haben und Nachrichten einen „Dreh“ zu geben, werde größer. Geschwindigkeit und Aufgeregtheit der öffentlichen Kommunikation nehmen der Analyse Masts nach zu.

Kernstück des Buchs ist dann die Bestandsaufnahme in Form einer empirischen Studie, die in Zusammenarbeit mit dem BdP durchgeführt wurde. Anhand von Expertengesprächen mit Kommunikationsverantwortlichen sowie einer Online-Befragung von über 1.000 Pressesprechern aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft wird präsentiert, wie PR-Kommunikatoren die Vorgehensweise der Journalisten bewerten und welche Konsequenzen sie daraus für die Medienarbeit und den Umgang mit Journalisten ziehen.

Thesengeleitete Recherchen und zugespitzte Storys
Die Ergebnisse zeigen klare Trends: Über alle Medien hinweg gehört es inzwischen zum journalistischen Standard, thesengeleitet zu recherchieren und Storys zuzuspitzen. Probleme bereiten den Pressesprechern dabei vor allem Situationen, in denen die Journalisten nicht bereit sind, ihre Ausgangseinschätzungen zu ändern – auch wenn sie in der Recherche neue Informationen bekommen, die die Storyline widerlegen. Zudem fragen Journalisten bei den Pressestellen vermehrt zu organisationsfremden Themen an, das Spektrum der Anfragen weitet sich aus.

Diese Vorgehensweisen der Journalisten haben Auswirkungen auf die Organisation und deren Medienarbeit. Die Medienberichterstattung wird für Unternehmen und Organisationen unübersichtlicher. Die Unsicherheiten und Risiken im Umgang mit Journalisten nehmen zu. Darauf muss sich die Medienarbeit einstellen, um entsprechend reagieren zu können.

Zur Studie gibt es eine begleitende Servicebroschüre mit konkreten Handlungsempfehlungen für PR-Verantwortliche, die via BdP-Website bestellt werden kann.

Titel: Thesenjournalismus statt ergebnisoffener Recherche? - Erfahrungen von Pressesprechern mit Rechercheanfragen von Journalisten; Verlag: Helios Media GmbH, Berlin; Herausgeber: Bundesverband deutscher Pressesprecher e.V., Autoren: Claudia Mast und Klaus Spachmann; ISBN: 978-3-942263-35-1; Preis: 16,00 Euro


Wir haben die Kommentarfunktion wegen zu vieler Spam-Kommentare abgeschaltet. Sie können uns aber trotzdem Ihre Meinung zu diesem Artikel als Leserbrief direkt zusenden. Falls Sie wünschen, dass wir Ihren Leserbrief als Kommentar dem Artikel hinzufügen, vermerken Sie dies bitte in der Mail an uns.
leserbrief@pr-journal.de


Werbung

Heute NEU im PR-Journal