Der Virologe Hendrik Streeck distanziert sich im Interview mit der „Zeit“ von der Begleitkommunikation zu seiner Studie.

"Die wissenschaftliche Arbeit war gut, die Kommunikation dazu schlecht." Diese Aussage tätigte der Bonner Virologe Hendrik Streeck aktuell in einem Interview mit der „Zeit“, das am 1. Dezember in der Online-Ausgabe (paid) erschienen ist. In dem Gespräch mit Martin Machowecz, Ressortleiter Streit der „Zeit“, blickt Streeck sehr kritisch zurück auf die Veröffentlichung seiner Studie und die Begleitkommunikation durch die Agentur Storymachine. Unter Führung von Agenturchef Kai Diekmann sind im Frühjahr 2020 die sogenannten „Heinsberg-Protokolle“ vermarktet worden. In der Folge, so wird Streeck jetzt zitiert, habe er ernsthaft überlegt, hinzuwerfen. In Bezug auf die Kommunikation damals, bestätigt er: „Ich bin da komplett naiv reingerannt.“

Im Fokus der Kritik stand aber im Frühjahr 2020 noch mehr als Streeck die Agentur Storymachine. Die Begleitkommunikation zu den „Heinsberg-Protokollen“ durch die Agentur Storymachine wurde im Juni 2020 vom Deutschen Rat für Public Relations gerügt (siehe dazu den Bericht im "PR-Journal"). Die Begründung lautete damals: Rufschädigung des Berufsstandes durch unprofessionelles Verhalten.

Der DRPR kam damals zu der Einschätzung, dass Storymachine leichtfertig und unprofessionell agiert und so zu einer nachhaltigen Verunsicherung der Öffentlichkeit beigetragen hat. In der ausführlichen Urteilsbegründung führte der Rat zu diesem Punkt damals aus: „Der Rat hatte den Eindruck, dass hier unprofessionell wie leichtfertig agiert worden ist, und in der Öffentlichkeit dadurch zumindest der Eindruck einer manipulativen Darstellung entstanden ist und wissenschaftliche Arbeit primär dazu genutzt wurde, um an der zu erwartenden hohen Aufmerksamkeit zu partizipieren.“

Gegenstand der Rüge war die begleitende Social Media „Dokumentation“ zur Veröffentlichung der Ergebnisse der Studie von Professor Hendrik Streeck in Gangelt durch die Agentur Storymachine. Die kommunikative Aufgabe bei der Veröffentlichung der Studie lag aus Sicht des Rates darin, die Studienergebnisse möglichst neutral zu vermitteln. Doch stattdessen vermittelte das von Storymachine entwickelte und vorab an potenzielle Sponsoren verschickte Dokumentationskonzept den Eindruck, dass es sich hier um eine Maßnahme handelte, bei der ein vorformuliertes Narrativ in der Öffentlichkeit gesetzt werden sollte.


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