Start-ups müssen den Blick häufiger nach außen richten. (Foto: Patrick Tomasso on Unsplash)

Bis auf ein paar Ausnahmen finanzieren sich Medien über ihre Verkaufserlöse und die mit ihren Inhalten erzielte Reichweite, um als attraktiver Werbeträger die richtigen Zielgruppen adressieren zu können. Möchten Start-ups mit ihren Inhalten und Botschaften eine möglichst große Verbreitung erzielen, lohnt es sich, die Perspektive eines Redakteurs einzunehmen. Dieser ist vor allem den Rezipienten seines Mediums verpflichtet. Je häufiger sein Beitrag voraussichtlich gelesen oder geklickt wird, desto positiver fällt seine Einschätzung zum vorgeschlagenen Thema aus. Der gelernte Journalist und Kommunikator Daniel Rottinger zeigt, wie Gründerinnen und Gründer dies clever bei ihrer Medienarbeit einbeziehen können.

Dieses PR-Problem hat fast jedes Start-up

Was regelmäßig in allen möglichen Unternehmen passiert: Der Blick nach außen geht verloren und man ist mit sich selbst beschäftigt. Meine PR-Empfehlung ist daher, sich umfassend darüber zu informieren was außerhalb des eigenen Unternehmens passiert und wirklich interessiert. Vor allem für Start-ups ist das hoch relevant, da diese oftmals über kaum Ressourcen und Expertise bei der klassischen Medienarbeit verfügen.

Sie beschränken sich daher darauf, dass nach außen zu kommunizieren, was sie gerade beschäftigt oder was ihrer Meinung nach jeder unbedingt erfahren sollte. Das Problem dabei: Redakteure teilen die Einschätzung nicht und lassen die Story links liegen.

Doch wie lässt sich das Muster einfach durchbrechen?

Zunächst sollten wir uns veranschaulichen, wie der eigene PR-Prozess aktuell aufgestellt ist. Im Austausch mit Start-ups höre ich immer wieder Aussagen wie “darüber sollte mal was berichtet werden” oder “mit diesem Thema / Produkt müssen wir in die Medien kommen”. Wenn du dich jetzt wiedererkennst, ist das nicht dramatisch – und eher die Regel statt der Ausnahme. Kurzgefasst lässt es sich so festhalten: “Was intern wichtig ist, muss so auch von den Medien berichtet werden!”.

Der Shift: Den Prozess vom Ziel her denken

Statt am Anfang anzusetzen, also bei Themen, die gerade intern populär sind und als hochrelevant betrachtet werden, lohnt es sich den Spieß umzudrehen: Wer ist meine Zielgruppe? Welche Themen beschäftigen diese aktuell besonders stark? Welche Medien konsumiert meine Zielgruppe vermutlich? Grundsätzlich kann diese Methode sowohl im B2C als auch im B2B angewendet werden.

Hat man sich eine Vorstellung davon gemacht, können von den identifizierten Medien gezielt Themen und Storyideen abgeleitet werden. Natürlich stellt sich dabei die Frage: Was bringt das dann meinem Start-up, außer, dass ich ein spannendes Thema gefunden habe?

Wer schon einmal PR gemacht hat, weiß, dass ein Storyvorschlag zunächst am Journalisten vorbei muss – also diesen überzeugen sollte. Je mehr Überlegungen man anstellt, warum eine Story mit hoher Wahrscheinlichkeit die Zielgruppe, damit auch die Mediennutzer interessiert, desto besser.

Warum das so wichtig ist: Die Frage, die sich der Journalist bei jedem Thema so oder ähnlich stellt, lautet: “Wird das Thema bei den Nutzern auf Interesse stoßen?”. Je eher sich die Frage mit ‘Ja’ beantworten lässt, desto leichter fällt es, darüber etwas zu berichten.

Sofern es auch bei der eigenen Story beim Redakteur “Klick” macht: Ziel erreicht!

Fazit:

Rottinger Blackbox Maerz 2022Das Beispiel zeigt, dass es nützlich sein kann, den Prozess vom Ende zum Anfang durchzudenken. Oder anders gesagt: Den Blick von außen stärker bei der PR-Arbeit einzubetten. Kein Gründer muss deswegen von jetzt auf gleich alles ändern, aber das beschriebene Vorgehen hier und da einfließen zu lassen, halte ich für erfolgversprechend.

In eigener Sache:

Das „PR-Journal“ konnte Daniel Rottinger Ende 2020 als Autor für die Kolumne “PR-Check-in für Start-ups” gewinnen. Mit der heutigen Folge sind 14 Beiträge entstanden. Schwerpunkt war es, Gründern und Gründerinnen Möglichkeiten aufzuzeigen, ihre Start-ups gezielt in die klassischen Medien zu bringen. Aufgrund einer beruflichen Veränderung steht Daniel Rottinger künftig nicht mehr als Kolumnist zur Verfügung. Im April erscheint daher ein vorerst letzter Gastbeitrag von ihm, der seine Serie abschließt. Die „PR-Journal“-Redaktion dankt Daniel Rottinger sehr herzlich für seine Beiträge.

Über den Autor: Daniel Rottinger (32) ist gelernter Redakteur. Er hat PR in Stuttgart studiert und nebenbei in einem Tech-Start-up gearbeitet. Als freiberuflicher PR-Berater unterstützte er zuletzt Start-ups dabei, Stories über ihre Entwicklung und ihre Gründerinnen und Gründer zielgerichtet in die Medien zu bringen. In dem Fachbuch "Wie kommunizieren Start-ups?" von Lydia Prexl teilt er zudem sein Know-how. Seit März 2022 ist Rottinger Mitarbeiter von The People Branding Company, München, und positioniert Business Leader auf LinkedIn.


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