Wie tastet man sich als Start-up an die „Blackbox PR“ heran. Daniel Rottinger gibt in Staffel 2 seiner Kolumne Antworten. (© Emily Morter on Unsplash)

Warum sollen Start-ups überhaupt Medienarbeit machen? Darauf gibt es gleich mehrere Antworten. Eine davon: Instagram & Co. reichen nicht aus, um die Reputations-Power klassischer Medien zu ersetzen. Drei gute Gründe warum „social first, media relations second“ nicht immer zielführend ist, lieferte ich in dieser Kolumne. Und vielleicht haben meine Kolumnen hier im „PR-Journal“ mit Hands-on-Tipps Gründer und Gründerinnen motiviert, sich an die „Blackbox PR“ ranzutasten. Wer erste Überlegungen angestellt oder kürzlich damit begonnen hat, dürfe sich jedoch gefragt haben, warum einige Dinge in der PR so laufen und nicht anders.

Noch mehr Insights, gleicher Autor

Rottinger Daniel Start up Beratung Journalist kleinDiese und ähnliche Unwägbarkeiten beantwortet der gelernte Journalist und Kommunikator Daniel Rottinger (Foto) ab sofort wieder monatlich in Staffel 2 seiner Kolumne. Die Basics zur Medienarbeit für Start-ups sind in Staffel 1 thematisiert worden.

Im September werfen wir zunächst einen Blick darauf, wieso es sich lohnen kann, relevante Journalisten ähnlich gut zu kennen wie seine Kunden.

Mal ehrlich: Wie viele Stunden hast du schon damit zugebracht, die „Customer Journey“ eines Nutzers genau auszuleuchten, während du dem Denken und Tun von Redakteuren kaum Aufmerksamkeit geschenkt hast?

Journalisten wie Kunden analysieren

Gezieltes Agieren als Start-up basiert darauf, den Markt und seine Kunden genau zu verstehen. An User Personas, Touchpoints und Customer Journey kommt kaum ein Gründer vorbei. Das Ziel: Möglichst viel über Verhalten und Bedürfnisse zu lernen, um Produkt und Services optimal zuzuschneiden.

Diese Insights sind auch beim Social-Media-Marketing nützlich. Schließlich kann ich so genau das relevante Info-Häppchen über den Kanal ausspielen, auf dem „meine“ Kunden aktiv sind. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die eigene Botschaft nicht in der Informationsflut auf Social Media untergeht. Sondern sich der vergleichsweise hohe Aufwand lohnt, wenn Posts gut performen und positiv auf Produkt und Start-up abstrahlen.

Und bei klassischen Medien wie TV, Radio sowie Print und Online? Journalisten werden nach wie vor ohne große Vorbereitung mit Botschaften zugemailt, die keine oder kaum Relevanz für sie haben. Da ist es eher unwahrscheinlich, dass ein Redakteur einem „so ins Netz geht“ und die Story bringt. Es könnte sich daher anbieten, Journalisten ähnlich wie die Kunden zunächst besser kennenzulernen und so eine Story an ihn zu kommunizieren, die verfängt.

Online-Redakteur twittert über seinen Job und interessiert sich für Start-ups

Ähnlich wie bei einer Filmproduktion sollte man vor Beginn des Drehs (hier: Erstkontakt mit dem Redakteur) schon ein wenig in die Pre-Production investieren:

  • Worüber schreibt der Journalist sonst?
  • Berichtet er regelmäßig für eine bestimmte Publikation oder als freier Mitarbeiter für mehrere Medien?
  • Beteiligt er sich auf Twitter oder LinkedIn an Debatten?

Umso besser das Verständnis darüber, was ihn interessiert, je leichter lässt sich die Kontaktaufnahme angehen. Erste Anlaufstelle, um mehr über die Person zu erfahren, ist die Webseite des Medienangebots beziehungsweise die Redaktions-Rubrik. Journalisten sind hier oftmals samt Social-Media-Profilen und der zuletzt veröffentlichten Beiträge gelistet.

Ein Beispiel wie man sich die Infos aus einer Kurzrecherche direkt zu Nutze machen kann: Ein Wissenschaftsredakteur, der sich für ein aktuelles Projekt des Start-ups interessieren könnte, hat vor wenigen Tagen bereits in einem umfangreichen Beitrag über eine ähnliche Technologie berichtet. Daraus ergibt sich zweierlei:

  1. Er interessiert sich grundsätzlich für das Themengebiet
  2. Die Ansprache sollte auf jeden Fall Bezug zum bereits veröffentlichten Beitrag nehmen

Beim Durchklicken der Socials finden wir zudem heraus, dass er sich auch für Innovationen von Start-ups interessiert und bereits dem Auftritt eines Mitbewerbers folgt.

Sich auf das Radar dieses Journalisten zu bringen und einen Austausch anzustoßen, kann sich durchaus lohnen.

Fazit:

Rottinger Blackbox September GrafikDass Scheinwerferlicht nicht ausschließlich auf die Kunden richten. Stattdessen: Smarte Kniffe aus der Start-up-Sphäre auf Redakteure anwenden. Mails nach dem “one-size-fits-all”-Muster werden so überflüssig – und durch zielgerichtete Journalisten-Ansprache mit Wumms und Mehrwert ersetzt.

Im Erfolgsfall steht dann am Ende eine redaktionelle Story über das eigene Start-up in einem tollen Umfeld.

Weitere PR-Tipps für Gründerinnen und Gründer gibt es in der nächsten Kolumne am 15. Oktober. Dann erklärt der Autor, wie Journalisten entscheiden, welche Start-up-Themen sie bringen und welche nicht.

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Über den Autor: Daniel Rottinger (31) ist gelernter Redakteur. Er hat PR in Stuttgart studiert und nebenbei in einem Tech-Start-up gearbeitet. Als freiberuflicher PR-Berater unterstützte er zuletzt Start-ups dabei, Stories über ihre Entwicklung und ihre Gründerinnen und Gründer zielgerichtet in die Medien zu bringen. Seit April 2021 kommuniziert er als Marketing Manager für das Start-up charismatischer.de.


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