Preiswert wird der Besuch der Cannes Lions wohl nie werden. Aber es bewegt sich etwas. Vor knapp zwei Wochen ging es durch die Fachpresse: Das Cannes Lions International Festival of Creativity soll grundlegend anders aufgestellt werden. Damit reagierte Veranstalter Ascential auf massive Kritik an der bisherigen Organisation der Awards und den Boycott durch große Agenturen. Das PR-Journal wird bei den Cannes Lions im Juni 2018 vor Ort dabei sein und die Bewerbungsphase begleiten. Hier kommt zur Einstimmung ein Überblick zur „größten Reform in der Geschichte des Festivals“.

Das Festival dauert zukünftig fünf (Montag bis Freitag, 18. bis 22. Juni) statt der üblichen acht Tage. Die Kosten für einen Festivalpass werden um 900 Euro gesenkt, der bisherige Preis betrug rund 4.000 Euro.

Das Festival wird neun inhaltliche Bereiche ("Tracks") einführen. Dies sind Reach, Comms, Craft, Experience, Innovation, Impact, Good, Entertainment und Health. PR wird unter “Reach” geführt, zusammen mit Creative Data, Social & Influencer, Direct und Media.

Mehr als 120 der rund 650 Unterkategorien werden entfernt. Der verbleibende Rest ist allerdings noch immer sehr stattlich. Drei Löwen gehen in den Ruhestand: Cyber, Integrated und Promo & Activation. Dafür gibt es fünf Newcomer: Creative eCommerce; Social & Influencer; Industry Craft; Sustainable Development Goals und Brand Experience & Activation.

Ein einzelnes Werk kann nur noch an maximal sechs Kategorien teilnehmen. Vorher gab es keine Begrenzung, was zur Folge hatte, dass eine einzige Arbeit problemlos mehr als ein Dutzend Preise erhalten konnte. Die meistprämierte Arbeit in 2017 ("Meet Graham") gewann 30 Löwen.

Das Punktesystem ändert sich, um den Unterschied zwischen dem Gewinn eines Löwen gegenüber einer Platzierung in der Shortlist zu verdeutlichen. Ein Grand Prix ergibt nunmehr 30 statt 10 Punkte, eine Nominierung in der Shortlist nach wie vor einen Punkt.

Das Festival will mehr junge Leute nach Cannes holen. Jede Agentur, die im Jahr 2017 15 oder mehr Beiträge für das Festival eingereicht hat, erhält einen kostenlosen Young Lions-Delegiertenpass für 2018. Nach Schätzungen von Ascential werden somit weitere 656 junge Menschen an den Lions teilnehmen können.

Lions Entertainment und Lions Innovation werden in das Hauptfestival integriert. Wobei Lions Innovation fünf statt bisher zwei Tage laufen wird. Und: Cannes Lions haben die Digitalisierung entdeckt. Zukünftig wird es Live-Streaming geben, sowohl vor Ort in Cannes als auch im Internet.

Cannes will die Hotelpreise von 2017 für 2018 einfrieren, die damit immer noch sehr stattlich sein dürften. Zudem sollen Festpreis-Menüs (20 und 30 Euro) für Festivalpassinhaber in mehr als 50 Restaurants in der ganzen Stadt angeboten werden. Ein Schnäppchen wird der Besuch der Lions allerdings damit noch lange nicht.

Was sagen deutsche Agenturen und die Fachpresse zur Reform? Die Begeisterung hält sich in Grenzen. Cannes bleibe der „Ballermann der Werbeindustrie“, meint Heimat-Chef Guido Heffels. Die Reformen seien eher kosmetischer Natur. Der Mythos Cannes sei in den letzten Jahren stetig gesunken. „Nicht konsequent genug“ findet Götz Ulmer, Vorstand bei Jung von Matt, die Reformen. Immerhin, gut seien die freien Tickets für Junioren. Stephan Vogel von Ogilvy & Mather hofft darauf, dass „die Hotel-Mafia in Cannes zu Bewusstsein kommt“ und „der Dosenbierpreis an der Croisette unter zehn Euro sinkt“. Ein „Reförmchen“ habe Ascential da vorgenommen, meint Bärbel Unckrich in Horizont. Mit dieser Meinung steht sie nicht allein.


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