Von links: Phyllis Mania von der Goethe Universität Frankfurt, Franziska Schmid von ETH Zürich, Roland Koch von Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). (Foto: Julia Bergmeister © idw)

Alljährlich kürt der Informationsdienst Wissenschaft e.V. (idw), Bayreuth, aus den rund 20.000 Pressemitteilungen, die in jedem Jahr aus mehr als 1.000 wissenschaftlichen Einrichtungen verbreitet werden, die besten ihrer Art. So auch für das Jahr 2022: Die drei besten Pressemitteilungen des kamen nach dem Urteil der Jury des idw-Preises für Wissenschaftskommunikation von den Pressestellen der ETH Zürich, des Alfred-Wegener-Instituts und der Goethe-Universität Frankfurt.

Der Preis würdigt Pressemitteilungen, die von hoher handwerklicher Professionalität sind, überragenden Nachrichtenwert besitzen und wissenschaftlich relevant sind. Nicht nur die Qualität war in diesem Wettbewerbsjahr hoch, auch die Beteiligung: Eine Rekordzahl von 115 Pressestellen hatte Neuigkeiten aus Wissenschaft und Forschung appetitlich verpackt ins Rennen geschickt. Der idw ist das größte Nachrichtenportal für Wissenschaft und Forschung im deutschsprachigen Raum.

Platz 1 belegt die Pressemitteilung (PM) „Brustkrebs ist nachtaktiv“ der Abteilung Hochschulkommunikation der ETH Zürich. Jurymitglied Magdalena Schaeffer (DFG) lobte:

„Die Siegerpressemitteilung ist mit einer knappen und treffenden Überschrift und Zusammenfassung überschrieben. Der für Laien- wie Fachmedien verständliche Fließtext beantwortet die von der Krebsforschung bisher wenig beachtete Frage: Wann scheiden Tumore Zellen aus, die später Metastasen bilden? Bestechend ist die mit pointierten Zitaten versehene Schilderung, wie Zufallsfunde die Forschenden erst auf die richtige Fährte dieser wissenschaftlich wie diagnostisch wichtigen Erkenntnis brachten. Sie macht die Ergebnisoffenheit und den Prozess von Grundlagenforschung sehr schön deutlich. Abgerundet wird sie durch die Aufzählung der offenen Fragen, die sich aufgrund der neuen Erkenntnisse ergeben. Für die vertiefende Recherche sind eine wissenschaftliche Ansprechperson und die Originalpublikation angegeben. Nur eine Bebilderung hätte man sich für diese ansonsten in jeder Hinsicht vorbildhafte Pressemitteilung gewünscht.“

Die erstplatzierte Pressestelle erhält ein Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro und eine Tafel, die den Erfolg dokumentiert.

Knapp dahinter auf Platz 2 kommt die PM „Weltweit größtes Fischbrutgebiet entdeckt“ der Stabsstelle Kommunikation und Medien, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Jurymitglied Herbert Hackl, Executive Producer für GEO Film, zählt auf, warum er diese PM nominiert hat:

Die Pressemitteilung bilde bei hoher Informationsdichte eine Erzählung, die immer verständlich und nachvollziehbar bleibe. „Es gelingt durch eine klare Gliederung, deren Kapitel durch geschickt gesetzte Bezüge miteinander verbunden sind. Die Sensation der Nachricht präsentiert die Pressemitteilung Neugier erweckend in einer eindeutigen Überschrift. Die wichtigsten Details zur Entdeckung und deren Bedeutung für ein globales ökologisches und politisches Ziel sind in der Zusammenfassung verknüpft.“ Die Montage ausgewählter Zitate lasse die emotionale Spurensuche der Forscher im entscheidenden Moment ihrer Entdeckung miterleben. Dabei bediene der Text grundlegende Drama-Elementarmuster, die Zutat jeder spannenden Geschichte seien. Die PM halte „durch den Mix an Stilmitteln und klarer Struktur die Faszination für das Thema und seine Bedeutung durchgehend spürbar“.
In den 14 Jahren, die es den idw-Preis gibt, war keine andere Pressestelle so oft unter den Preisträgerinnen wie die des AWI: insgesamt viermal. Das Preisgeld für den zweiten Platz beträgt 1.000 Euro.

Platz 3 belegt die PM „Kosmische Schokopralinen: Innerer Aufbau von Neutronensternen enthüllt“ des Büros für PR und Kommunikation, Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Jurymitglied Mike Zeitz („Spektrum der Wissenschaft“): „Es ist eine besondere Kunst, Grundlagenforschung schmackhaft zu machen. Den Auftrag hat die Goethe-Universität wörtlich genommen und eine harte Nuss aus der Kern- und Astrophysik in den Alltagsliebling Schokolade eingebettet. Die Pralinen-Metapher half dabei, komplexe theoretische Erkenntnisse zur Struktur von Neutronensternen zu veranschaulichen und gefiel so nicht nur der Jury, sondern ebenso unterschiedlichsten internationalen Medien. Die mitgelieferte Grafik unterstützte die Vorstellungskraft, selbst wenn Fachfremde vielleicht den zwar gut strukturierten, aber dann doch stellenweise komplizierten Inhalten im Text nicht weit folgen konnten. Da waren längst der Appetit angeregt und Inspiration für eigene Adaptionen geweckt – die obersten Aufgaben jeder Pressemitteilung.“ Das Preisgeld für den dritten Platz beträgt 500 Euro.

Die Preisverleihung fand im Rahmen der Mitgliederversammlung des Informationsdiensts Wissenschaft e. V. (idw) in der Hochschule München statt. Die Laudationes hielt Josef Zens, Vorstandsmitglied des Vereins und zugleich Pressesprecher des Helmholtz-Zentrums Potsdam, Deutsches Geoforschungszentrum (GFZ). Zens dankte der Jury im Namen des idw-Vorstands für das ehrenamtliche Engagement. Die Jury wird jedes Jahr neu zusammengesetzt und hatte diesmal eine Rekordzahl von 115 Einreichungen zu begutachten.

Die Jury 2023

  • Herbert Hackl, Fernsehjournalist, und seit 2022 Executive Producer für GEO Film, eine Redaktion der rtl-Gruppe für Dokumentationen und Reportagen
  • Mike Zeitz, Print-Redakteur bei „Spektrum der Wissenschaft“
  • Magdalena Schaeffer, Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG und idw-Vorstandsmitglied
  • Patrick Bierther, Journalist und im idw-Team für den Preis zuständig

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