Doepfner Mathias BDZV Praesident c Andreas H Bitesnich„Journalisten müssen natürlich Soziale Medien als Informationsquelle und Rechercheinstrument benutzen. Aber die eigene Präsenz von Journalisten in sozialen Medien erscheint mir zunehmend problematisch.“ Mathias Döpfner (Foto), Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger und CEO des Axel-Springer-Medienkonzerns hat sich in einem Interview mit dpa kritisch zur Präsenz von Journalisten in den sozialen Medien geäußert. Er empfehle allergrößte Zurückhaltung, wenn nicht gar vollkommene Enthaltsamkeit.

In einem Neujahrsgruß an die BDZV-Mitglieder sowie einem zeitgleich erschienen Interview mit der deutschen Presseagentur nahm Döpfner zu verschiedenen Themen Stellung. So sieht er die Digitalisierung als Chance für den Journalismus, besser zu werden als er in seiner analogen Form jemals gewesen sei. Auch zur Relotius-Affäre beim „Spiegel“ äußerte sich Döpfner.

„Journalisten haben doch ihr Medium“

Zur Präsenz von Journalisten auf Plattformen wie Twitter oder Facebook gab er zu bedenken, dass kein Nutzer der sozialen Medien zwischen der Privatperson eines Journalisten und seiner Rolle als Redakteur oder Chefredakteur unterscheiden können. „Die Idee, dass der Vertreter einer Medienmarke rein privat twittern oder auf Facebook posten kann, ist absurd. Kein Mensch kann das unterscheiden. Ein Chefredakteur oder Redakteur ist dort keine private Person. Deshalb wird viel zu schnell geschrieben, was am Ende der Marke abträglich ist. Am Ende dienen diese Aktivitäten allenfalls der Person, sehr selten dem von ihr vertretenen Medium“, erklärte er und sagte weiter: „Ich empfehle allergrößte Zurückhaltung, wenn nicht gar vollkommene Enthaltsamkeit. Außerdem haben Journalisten doch eine gute Plattform, um sich auszudrücken. Ihr Medium. Warum sollten sie Ihr wertvollstes Gut - ihre Erkenntnisse und Gedanken, ihre Inhalte - verschenken, um Twitter zu Exklusivnachrichten oder Kurzkommentaren zu verhelfen?“

Konsequenterweise begründete er dann auch, dass er selbst nicht in den sozialen Medien unterwegs sei: „Nein, das kostet zu viel Zeit, produziert zu viel negative Energie und zu wenig Erkenntnis.“

„Journalismus kann dank Digitalisierung besser werden als in seiner analogen Form“

Das Thema Digitalisierung betrachtet der BDZV-Präsident als große Chance. Wörtlich sagte er: „Der Journalismus hat dank der Digitalisierung alle Möglichkeiten, besser zu werden als er in seiner analogen Form jemals war. Ich bin fest davon überzeugt, dass das - nach ein paar Krisen - in ein paar Jahren auch so sein wird.“ Döpfner gab sich zudem selbstkritisch und ergänzte: „Und mit einer Lebenslüge müssen wir aufhören: dass die viel beschworene Zeitungskrise durch technologischen Wandel verursacht ist. Das stimmt nicht, das ist ein Alibi. Der Technologiewandel und die Erschließung neuer Vertriebskanäle bieten wesentlich mehr Chancen für den Journalismus als Risiken. Diese Chancen aber müssen richtig gemanagt werden. Und vor allen Dingen müssen sie inhaltlich richtig gestaltet werden.“

Glaubwürdigkeit der Medien steht auf dem Spiel

Zur Krise beim „Spiegel“ nahm er wie folgt Stellung: „Man sitzt auf dem hohen Ross und beschreibt in schöner, fast literarischer Sprache die Welt, wie sie sein soll. Haltung ist oft wichtiger als Handwerk, Weltanschauung wichtiger als Anschauung. In einem solchen Klima gedeiht Erfindung.“ Auf die Frage, ob die Krise beim „Spiegel“ zu einer Zäsur für die deutschen Medien werde, antwortete Döpfner: „Das Problem, dass einstweilen aus dem ‚Sturmgeschütz der Demokratie‘ ein ‚Luftgewehr der Fantasie‘ geworden ist, das muss der ‚Spiegel‘ lösen. Die Chance besteht, weil er das große Glück hat, dass seit Januar ein Chefredakteur amtiert, der mit dieser Sache nichts zu tun hat, also völlig unbelastet agieren kann. Wenn er das konsequent macht, kann auch der ‚Spiegel‘ sich davon erholen. Wenn nicht, und vor allem wenn die Medienbranche insgesamt zu schnell wegguckt und hier mit zweierlei Maß misst, dann kann das tatsächlich zu einer Zäsur werden. Denn es würde unser höchstes Gut, die Glaubwürdigkeit untergraben. Wie will man denn in Zukunft mit anderen Enthüllungen umgehen - von der Neuen Heimat bis zu ‚Dieselgate‘ - wo doch mit harten moralischen Maßstäben gemessen und schnell nach personellen Konsequenzen gerufen wird. Wer soll das denn noch ernst nehmen? Es steht hier also sehr viel auf dem Spiel.“

Das dpa-Interview findet sich auf der BDVZ-Website in voller Länge.


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