GPRA und GWA haben den Pitchblog konzeptionell erneuert.

Pitches und Ausschreibungen bedeuten für Agenturen viel Arbeit: Hunderte Konzept-Seiten, Layouts, Moodboards, Website-Dummies und Budgets für mehrere Jahre einzureichen ist keine Seltenheit. Klare Aufgabenstellung? Pitchhonorar? Realistisches Timing? Häufig Fehlanzeige wie der von der GPRA initiierte Pitchblog seit 2014 zeigt. Eine viel gelobte Idee, doch die öffentliche Wahrnehmung ließ zu wünschen übrig. Das solle sich mit dem heutigen Relaunch ändern, sagt Thorsten Hebes im „PR-Journal“-Interview.

Hebes Thorsten Serviceplan PR u Content GPRADer 55-Jährige Hebes (Foto l.) ist Managing Partner bei Serviceplan Public Relations & Content und im Präsidium der Gesellschaft der PR- und Kommunikationsagenturen in Deutschland (GPRA) für die konzeptionelle Neuausrichtung des Pitchblogs zuständig. Wichtigste Änderung: Mit dem Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA hat sich die GPRA einen starken Partner ins Boot geholt, unter dessen Dach sich fast alle großen Werbeagenturen versammeln. Hebes findet Pitches keineswegs schlecht: „Sie sind eine Leistungsschau.“ Nur müssen Agenturen „fair behandelt werden und Wertschätzung für ihre Arbeit erfahren“, meint er.

Der überarbeitete Pitchblog soll nicht nur diejenigen Ausschreibenden an den Pranger stellen, die Foul spielen, sondern auch zeigen, wie man Pitches und Ausschreibungen als Auftraggeber richtig aufsetzt. Juristisch begleitet wird der Pitchblog wie bisher von der Berliner Kanzlei Irle Moser. Der Medienanwalt Ben Irle bleibt redaktionell verantwortlich für die Webseite.

PR-Journal: Herr Hebes, auf der Webseite des Pitchblogs gab es in den vergangenen Monaten wenig Bewegung. Die Seite war sogar einige Zeit down. Warum?
Thorsten Hebes: Die Webseite wurde Opfer eines Hacker-Angriffs. Die Informationen wurden unleserlich gemacht und zerstört. Deshalb mussten wir den Pitchblog vom Netz nehmen. Wir waren mit der Wirkung nach außen aber sowieso schon länger unzufrieden. Die Wahrnehmung war einfach zu gering. Es wurden immer weniger Cases eingereicht und inhaltlich hatte der Pitch-Blog zuletzt überwiegend die Funktion, Ausschreibende an den Pranger zu stellen: Blame me! Das gefiel uns nicht mehr. Deshalb haben wir jetzt einiges geändert.

Mehr positive Fälle

PR-Journal: Was bedeutet das konkret?
Hebes: Mit dem GWA haben wir einen neuen Partner, der enorme Erfahrung mit Pitches und Ausschreibungen einbringt. Die GWA-Agenturen werden sicherlich spannende Cases einreichen. Auch inhaltlich macht die Kooperation Sinn. Bei Pitches lassen sich die Kommunikationsdisziplinen nicht mehr klar trennen. Wir wollen stärker zu einem Medium werden und Diskussionen anstoßen. Wir werden weiterhin über unkorrekte Pitches informieren, aber Auftraggebern auch im Sinne des journalistischen Rückfragegebots die Möglichkeit geben, Stellung zu beziehen oder sogar Pitch-Unterlagen zu ändern. Zusätzlich wollen wir vermehrt positive Fälle vorstellen und zeigen, wenn Auftraggeber gegenüber uns Agenturen vorbildlich agieren.

PR-Journal: In welcher Form wollen Sie gute Pitches vorstellen? Wie sieht die redaktionelle Umsetzung aus?
Hebes: Es wird beim Pitchblog zwei neue Rubriken geben. Die eine nennt sich „Learn to pitch“. Hier wollen wir zeigen, wie Auftraggeber korrekt pitchen und was es zu beachten gilt. Ihnen Tipps geben, die auch beinhalten können, dass es Alternativen zu Pitches gibt. Chemistry Meetings zum Beispiel, die betonen, dass es bei der Verbindung zwischen Kunde und Agentur um Vertrauen geht. Im Editor’s Blog sollen Pitch-erfahrene Autoren aus Agenturen und Verbänden in Artikeln analytisch über das Thema diskutieren: In welchen Branchen gibt es aktuell die größten Schwachstellen? Was sind die schrägsten Ausschreibungen? Welche Fehler wiederholen sich? Hier würde ich mich freuen, wenn auch mal Kunden über ihre Sicht berichteten. Wir wollen insgesamt mehr auf der redaktionellen Seite anbieten, das Spektrum an Themen erweitern sowie Anleitungen und Erfahrungen austauschen.

Saubere Pitches als Zeichen der Wertschätzung

PR-Journal: Wie groß müssen die Fouls eines Auftraggebers sein, damit Pitch oder Ausschreibung ein Fall für den Pitchblog werden?
Hebes: Es geht darum, diejenigen Pitches anzuprangern, bei denen das Gebot der Fairness grob missachtet wird und es an Wertschätzung für die Arbeit und den Aufwand der Agenturen mangelt. Wir wollen Pitches an sich gar nicht in Frage stellen. Sie sind auch eine Leistungsschau für die Agenturen. Nur sollten Agenturen diese Leistungen auch gerne erbringen können. Die Pitch-Bedingungen müssen transparent sein. Das betrifft Briefings genauso wie Timings und Budgetvorgaben. Die Frage der Copyrights muss geklärt sein.

PR-Journal: Bisher konnten Agenturen Cases einreichen, die die Kanzlei Irle Moser untersucht, bewertet und aufbereitet hat. Inwieweit ändert sich etwas am Ablauf?
Hebes: Ben Irle bleibt als Anwalt redaktionell verantwortlich. Er ist Experte für Ausschreibungen und macht uns anhand der eingereichten Fälle Vorschläge, welche Ausschreibung er tatsächlich für unsauber hält. Klar ist auch: Es ist immer der Verband für die Fälle zuständig, über den sie eingereicht wurden. Die GWA für ihre Fälle; wir als GPRA für unsere. Wir müssen über fachlich Relevantes berichten. Unsere wichtigste Zielgruppe bleiben Agenturen – und daneben die Ausschreibenden.

PR-Journal: Der Pitchblog erfreut sich überschaubarer Bekanntheit. 31 Follower auf Twitter sind auch nicht gerade Nachweis vorbildlicher Kommunikation. Wie wollen Sie die öffentliche Präsenz verbessern?
Hebes: Wir haben uns alle Bereiche des Pitchblogs angeschaut. In drei Jahren haben wir insgesamt 51 Foul-Pitches und einen Good-Pitch redaktionell bearbeitet. Die eingereichten Cases wurden immer weniger. Die geringe Twitter-Präsenz war eine Schwachstelle. Auch die SEO-Optimierung der Webseite war nicht zufriedenstellend. Das haben wir geändert. Wir planen, eine bekannte Person aus der Branche mit einer hohen Reichweite in sozialen Medien als „Twitter-Reporter“ einzubinden. Diese Person unterstützt uns dann ganz offiziell. Die GWA wird ebenfalls für zusätzliche Reichweite sorgen und auch die GPRA-Vertreter sollen sich stärker engagieren. Wir wollen interessant sein und es ist durchaus unser Ziel, Pitches zu einem Thema für eine breitere Öffentlichkeit zu machen.


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