Rezensionen Für alle, für die Texte nicht bloß Content sind Besser Texten mit Kopf und KI: Der Leitfaden für das Neue Schreiben

„Schreib’ doch mal wieder… selbst!“, müsste man in all jenen Kommentarspalten proklamieren, deren Bezugstext vor KI trieft. Wer es mit dem Handwerk, der Kunst des Textens hält, sollte genau das eigentlich unbedingt machen. Ganz lösungsorientiert kann gleich auch noch eine Lektüreempfehlung angehangen werden: „Besser Texten mit Kopf und KI“ von Dominik Ruisinger und Kai Heddergott. Wer braucht den „Leitfaden für das Neue Schreiben“ noch?

Tobias Körner dachte erst, "Besser Texten mit Kopf und KI" von Dominik Ruisinger und Kai Heddergott wäre verkopft, wenig praktisch. Doch dann wurde er von der Praxis-Keule überrascht. (Foto: privat)

Weil Geschichten nicht mehr nur am Lagerfeuer erzählt werden wollten und Steuern über weite Strecken hinweg eingetrieben werden mussten, entwickelten unsere Vorfahren Schriftzeichen. Bis heute prägen altehrwürdige Texte als Stiftungsurkunden von Religionen die ganze Welt. Wer in der Kommunikation oder im Journalismus tätig ist, kennt mindestens eine „Edelfeder“: jemanden, der:die besonders geschickt darin ist, zu schreiben.

Und plötzlich macht Künstliche Intelligenz aus Text eine Commodity. Schon auf einen kurzen Befehl hin spucken KI-Tools Content aus, der irgendwie passt, aber irgendwie auch nicht. Mit den Ergebnissen – stochastisch top, höchstwahrscheinlich aber Flop – werden dann umgehend digitale Räume geflutet, allen voran LinkedIn-Feeds.

Mit dem „Leitfaden für das Neue Schreiben“ der Kommunikationsberater Dominik Ruisinger und Kai Heddergott könnten aus KI-Content endlich bessere Texte werden. Das ist ein großes Versprechen, das das knapp 200 Seiten starke Buch aber aus drei Gründen einlösen kann: Es erklärt verständlich, wie KI funktioniert, gesteuert wird und Texte erstellt, es schult überraschend umfangreich und prägnant zum Text-Handwerk (Wolf Schneider wird erwähnt, natürlich!) und liefert dann ein Framework, mit dem Mensch und Maschine gemeinsam neu-schreiben können.

Acht Kapitel, wobei Einführung und Fazit dazugezählt werden, teilen den Inhalt unter sich auf. Das Buch ist mit Schaubildern gespickt, dazu liefern Gastautor:innen Blicke über den Tellerrand; beide Elemente liefern angenehme Impulse, dienen auf ihre Art dem Lesefluss.

Apropos Lesefluss: Der Rezensent wechselt nun in die Ich-Perspektive. Denn ich habe vor der Lektüre nicht verstanden, warum das behandelte Thema – Texten mit KI – die Buchform im Sinne des Umfangs braucht. Ich müsste doch eher eine Prompting-Schulung machen, um bessere Ergebnisse aus den KI-Tools zu ziehen, als ein Buch zu lesen? Ich vermute, dass auch andere so denken, deswegen schreibe ich ab hier ohne künstlichen Abstand.

Ich dachte, das Buch wäre verkopft, wenig praktisch. Schon nach wenigen Seiten habe ich festgestellt: Das ist kein Theorie-Schinken, das ist eine Praxis-Keule. Dergestalt, dass das Buch es im Laufe der dann doch „nur“ 198 Seiten vermag, Wissen so zu verdichten, dass es direkt anwendbar ist, wobei ich hier inkonsequent bin, insofern, als dass ich diesen Text komplett ohne KI geschrieben habe (wirklich!).

Gerade Kapitel 5 hat mich viel gelehrt: zu den Prinzipien guter Texte, den Kennzeichen guter Sprache und auch dazu, wie Menschen überhaupt lesen und Gelesenes verdauen. Ich habe das Texten einfach nie so grundlegend gelernt, „learning by doing“ war immer das Motto und eine Prise Talent muss wohl auch im Spiel gewesen sein. Während ich beim KI-Teil des Buches also vor allem kopfnickend wiederholt und beispielsweise diverse Prompt-Methoden in ihrer Ausführlichkeit aufgenommen habe, lag hier für mich der eigentliche Schatz.

So konnte ich dem Konzept des Neuen Schreibens ganz anders als gedacht folgen. Nicht mit dem Fokus auf das, was KI einbringt, sondern der Kopf. Das Framework kalkuliert dabei ein, dass Texte immer mehr auch Maschinen schmecken müssen, Stichwort GEO. Gleichzeitig wird betont: Beim (Neu-)Schreiben geht es um Haltung, Erfahrungen und Emotionen. Das kann Mensch besser und, wenn wir ehrlich sind, wollen wir das von der Maschine auch gar nicht vorgegaukelt bekommen.

Bleibt noch die Frage: Für wen ist das Buch geschrieben?

Für alle, für die Texte nicht bloß Content sind.

Für alle, denen es noch an „Problembeschreibungskompetenz“ mangelt.

Für alle, die meinen, dass sie schon wissen, was man mit KI in der Kommunikation alles machen kann.

Für alle, die meinen, sie wüssten schon, was gute Texte besser macht.

Und nicht zuletzt für alle, die sich – wie Ruisinger/Heddergott früh festhalten – fragen: „Was macht den Menschen als Texter aus?“

Titel: Besser Texten mit Kopf und KI: Der Leitfaden für das Neue Schreiben; Dominik Ruisinger/Kai Heddergott, Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart, 2026, 1. Auflage, 198 Seiten, 29,99 Euro, ISBN 978-3-7910-6892-3

Über den Rezensenten: Tobias Körner ist Attention and Operations Enabler bei der PR-Agentur hypr. Dort berät und unterstützt er vornehmlich Personen und Unternehmen der Digitalbranche in Sachen PR, vor allem hinsichtlich CEO-/Executive-Kommunikation als Teil der Corporate Communications.

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