Netzwerkbibel Tijen Onaran CoverTijen Onaran hat ein Buch geschrieben: „Die Netzwerkbibel – Zehn Gebote für erfolgreiches Networking“. Die 33-Jährige gehört wie Microsoft-Kommunikatorin Magdalena Rogl und Serviceplan-Advisor Frank Behrendt zu den Branchenrepräsentanten, die in reichweitenstarken Medien vorkommen und aus der Szene ausgebrochen sind. Sie sind Kommunikationsinfluencer, die der Branche außerhalb ihres inneren Kerns ein Gesicht verleihen und sie damit größer werden lassen.

Wer ist Tijen Onaran? Sie ist Moderatorin, Digital- und PR-Beraterin, Kolumnistin bei „Handelsblatt“ und „Lead Digital“, Podcast-Moderatorin und Vortragsreisende. Vor allem ist sie überzeugte Netzwerkerin und – man muss es so sagen – sie hat eine Fanbase.

Mit „Global Digital Women“ gründete sie ein überaus reges Netzwerk, das gerade bei jüngeren Kommunikatorinnen und Digital-Expertinnen großen Zuspruch findet und durch intensive Social-Media-Affinität auffällt. Man liked sich, ist ständig unterwegs, besucht Veranstaltungen des Netzwerks und setzt sich dafür ein, dass Arbeit und Leistung von Frauen mehr Wertschätzung erfahren und öffentlich diskutiert werden. Bei „Global Digital Women“ dürften einige der künftigen weiblichen Führungskräfte der Branche vernetzt sein.

Worum geht es in der „Netzwerkbibel“? Es ist eine Anleitung, wie Networking funktioniert, wie man seine eigenen Fähigkeiten verbessern und gewinnbringend einsetzen und vor allem von den digitalen Kommunikationskanälen profitieren kann.

Das Buch ist eine Ermunterung an introvertierte Menschen – das Gegenstück zur Rampensau – Kontakte zu knüpfen. Introvertierte Charakter könnten sich sogar als die gehaltvolleren Gesprächs- und Networking-Partner erweisen, argumentiert Onaran, die immer wieder persönliche Erfahrungen und Anekdoten in das Buch einstreut. Sei es aus dem politischen Umfeld – sie war mal Landtagskandidatin für die FDP und arbeitete für Abgeordnete – als Unternehmerin und eben Netzwerkgründerin.

„Never lunch alone“

Wie bei derartigen Querschnittsratgebern üblich – das Buch adressiert Anfänger genauso wie Führungskräfte und Professionals –, geht es an einigen Stellen recht trivial zu. „Never lunch alone“ ist eine griffige Message, die natürlich nicht bedeutet, dass man sich mittags mit Kumpels in einem Szenerestaurant zu Bier, Wein und Schnitzel verabredet, sondern seine Lunch- und Gesprächspartner strategisch auswählt. Vorbereitung ist alles, lautet eine weitere Botschaft. Wer nicht dazu in der Lage sei, sein Gegenüber von seinen Vorzügen und Fähigkeiten zu überzeugen und die richtigen Fragen zu stellen, dürfte selten an Aufträge oder Jobs kommen. Also vorbereiten bitte!  

Wahllos 1.000+ Xing- oder LinkedIn-Kontakte zu genieren hält Onaran für ein sinnloses Unterfangen: „Zehn qualitativ hochwertige Kontakte, die auch den Hörer abnehmen, wenn du sie anrufen würdest, helfen dir unter Garantie mehr weiter als 1.500 Kontakte, zu denen du keinerlei Verbindung hast.“ PRler, die schon mal den großen Medienverteiler abtelefoniert haben, dürften hier zustimmend nicken. Die gute alte Visitenkarte hat nach Onarans Meinung übrigens nicht ausgedient. Sie muss nur an die richtigen Leute gelangen.

Generell plädiert Onaran dafür, die Chancen von Social Media zu nutzen, um das eigene Networking zu optimieren. Insbesondere den „Introvertierten“ und „Normalos“, wie Onaran sie nennt, würden digitale Kanäle helfen, die eigene Schüchternheit und Kontaktscheue zu überwinden. Überhaupt: Übung macht den Meister! Aber bitte mit Realismus: Besser eine Person pro Event ansprechen als sich vorab vorzunehmen, richtig loszulegen und am Ende den ganzen Laden zu kennen. Gehe regelmäßig in die Hose.

Networking für die digitale Avantgarde

Etwas irritierend: Die Ich-Form verleiht dem Buch zwar einen persönlichen Touch, gibt ihm aber auch den Anstrich einer Charakterstudie mit autobiografischer Note. Beispiel: Gleich am Anfang geht es beispielsweise darum, wie Onaran einen Job kündigte. Dazu um ihre Mutter. Tijen Onaran dürfte vielen in der Digital- und Kommunikationsbranche bekannt sein; vielen anderen aber auch nicht. Wer sie nicht kennt, könnte mit so viel Vertrautheit Schwierigkeiten haben.

Behandelt werden auch einige typische Themen der Kommunikationsbranche: Storytelling, Corporate Influencer und der omnipräsente #SocialCEO. „Warum wir Home-Storys lieben: Einen Blick hinter die Kulissen gewähren“ klingt als Kapitelüberschrift zwar schön. Nur dürften „Bild“, „Bunte“ und „RTL Exklusiv“ selbst bei absoluten Power-Networkern eher selten zu Gast sein.

Kurzum: Das Buch ist nicht für jeden lebensnah – eine Schwäche. Es ist aus Sicht der Kommunikationsbranche geschrieben und nutzt deren Techniken als Argumentationsbasis. Das Sich-Tummeln auf Events, Sich-Treffen in Cafes und Bars, Sich-Adden, Liken und Sharen gepaart mit Socialising spiegelt den Lifestyle der vielreisenden urbanen Boheme wider. Die Realität von Angestellten aus Wolfsburg, Gütersloh oder Wesel, die auch gerne wissen möchten, wie man richtig netzwerkt, bildet es nur bedingt ab.

Lesen lohnt sich trotzdem. Die zehn griffigen Networking-Tipps am Ende des Buches sind für fast jeden Berufstätigen sinnvoll. 

Tijen Onaran: „Die Netzwerkbibel – Zehn Gebote für erfolgreiches Networking“, 236 Seiten, ISBN 978-3-658-23734-9, Springer, Hardcover + eBook, 19,99 Euro.


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