Social Media Handbuch CoverEine gute Praxis hat oftmals eine gute theoretische Basis. Auch Social Media lassen sich so erfolgreicher anwenden. Beispielsweise nach Lektüre des inzwischen schon fast einschlägigen Social Media-Handbuches aus dem NOMOS Verlag.

Social Media-Plattformen lassen sich leicht in der Online-PR, im digitalen Kommunikationsmanagement und im Online-Marketing nützen. Die Software ist vielfach selbsterklärend, die prominenten Plattformen wie Facebook, Twitter, Xing und andere bieten den angemeldeten Nutzern innerhalb der jeweiligen Systeme klare Leitfäden, Tutorials, gute Erklärvideos. Sie bringen über ihre Suchfunktionen, ihre Q & A's und Support-Fenster schnelle Lösungen für praktische Fragen der Nutzer.

Hinzu kommt inzwischen eine Fülle von leicht zugänglichem Datenmaterial bis ausführlichen, mehr oder weniger wissenschaftlichen Studien über Reichweiten sozialer Medien sowie die inhaltlichen Interessen des Publikums auf diesen Kanälen. Die Buchregale der stationären Händler ebenso wie Amazon bieten Ratgeber seriöser, erfolgreicher Social Media-Berater als Gesamtübersicht zu den populärsten beziehungsweise zu den einzelnen Plattformen.

Wer braucht da noch eine Social Media-Theorie, um erfolgreich mit den neuen Medien zu agieren?

Wer nur einmal nach dem, nun schon in dritter Auflage vorgelegten Social Media-Handbuch gegriffen hat, wird solch eine Frage nicht mehr stellen. Vor allem wird er sich nicht mehr unreflektiert oder gar naiv in die scheinbar leichte Praxis stürzen. Dafür sorgen die Herausgeber mit ihrem in Theorie und Praxis weit angelegten Sammelband, für den sie zahlreiche Social Media-Experten gewonnen haben. Die Herausgeber selbst sind seit Jahren ausgewiesene Kenner der Thematik. Daniel Michelis ist Professor an der Hochschule Anhalt, mit Schwerpunkt Digitale Kommunikation. Thomas Schildhauer ist Professor an der Universität der Künste in Berlin, sein Forschungs- und akademisches Arbeitsfeld ist Electronic Business.

Im ersten Teil des Buches sorgen die beiden Herausgeber für die nötige fachwissenschaftliche Grundlegung. Zunächst entfaltet Michelis ein Social Media-Modell auf drei Ebenen. Was bringen Social Media dem einzelnen User, was bedeuten sie in technologischer Hinsicht, was bringen sie in gesellschaftlich-ökonomischer Perspektive? Entsprechend differenziert arbeitet Michelis den Begriff Social Media heraus.

Hieran schließt Schildhauer an, der einen strategischen Leitfaden entwirft, der an dem POST-Modell von Li/Bernoff ansetzt.

Überhaupt ist das Verdienst beider Autoren, die wichtigsten, einflussreichen amerikanischen Vordenker von Social Media, deren Werke immer noch nicht alle in deutscher Übersetzung vorliegen, auf leichte, komprimierte Weise zugänglich zu machen. Dies geschieht vor allem im zweiten Teil des Buches. überschrieben mit "Theorien, Methoden, Modelle". Die hier beteiligten Autoren fassen solche vor allem amerikanischen Schlüsselwerke sowohl des modernen Internets, von Social Media, der neuen digitalen Ökonomie auf eindrucksvolle Weise zusammen.

Dies sind zum Beispiel, ohne alle im Buch vorgestellten Werke hier vollständig nennen zu wollen, weltweit einflussreiche Schlüssel-Konzepte wie das "Cluetrain-Manifest" (Levine, Locke, Searls, Weinberger), "Weisheit der vielen" (Surowiecki), "Crowdsourcing" (Howe), "Wikinomics" (Tapscott, Williams), "Tipping Point" (Gladwell), "Long tail" (Anderson), "POST-Modell" (Li/Bernoff), "Organisieren ohne Organisationen" (Shirky). Eindrucksvoll wird hier ebenso knapp wie ausreichend entfaltet, wie sehr die moderne Internet-Kommunikation als ehrlicher Dialog, als Austausch gleichberechtigter Partner mit gleicher Stellung und Macht, als Organisation von kreativer und in seinen Innovationspotentialen völlig neuartiger, kooperativer Produktion gedacht und konzipiert worden ist.

Das didaktische Konzept des Buches macht die Arbeit mit ihm teilweise zu einem echten wissenschaftlichen Vergnügen. Dafür sorgt der Wechsel zwischen zumeist klar formulierten Fließtexten und zahlreichen Einschüben wie Infoboxen, Kernsätzen, Visualisierungen von Kommunikationsmodellen, Screenshots von Plattformen, Schaubildern, zumeist umfassenden Literatur- und Quellenverzeichnissen.

Der dritte Teil des insgesamt 388 Seiten starken Paperbacks gilt der Praxis. Hier haben die Herausgeber Praktiker der Unternehmenskommunikation gewonnen, Anwenderberichte, Learnings und Handlungsempfehlungen aus der Deskription konkreter Fälle zu generieren. Die Praxisfelder sind dabei höchst unterschiedlich, sie gehen von Warsteiner über die Berliner Stadtreinigung, von Kultureinrichtungen bis hin zu mittelständischen GmbHs.

Das Buch ist eine großartige Mischung von Theorie, Literaturbericht und Inspiration für praktische Anwendung.

Titel: Social Media Handbuch. Theorien, Methoden, Modelle und Praxis; Herausgeber: Daniel Michelis/Thomas Schildhauer; Verlag: Nomos, Baden-Baden; 3. aktualisierte und erweiterte Auflage 2015; ISBN 978-3-8487-2278-5; Preis: 39,00 Euro

Kiefer Markus Prof FOM kleinÜber den Autor der Rezension: Markus Kiefer (59, Foto) ist Professor an der FOM - Hochschule für Oekonomie und Management. Dort lehrt er BWL, mit dem Schwerpunkt der Unternehmens- und Wirtschaftskommunikation. Darüber hinaus arbeitet er in Seminaren, Vortragsveranstaltungen und Workshops für Weiterbildungs-Akademien der Wirtschaft. Er berät Unternehmen in Fragen der Kommunikationsstrategie, der PR, Mitarbeiterkommunikation, Social Media und Krisenkommunikation.

Im Recito Verlag, Essen, ist am 21. Juni sein neues Buch „Unternehmenskommunikation - Erfolgreiche Kommunikationskonzepte aus Wissenschaft und Praxis“ erschienen. Markus Kiefer richtet sich darin an Praktiker, die über den Tellerrand hinaus denken. Ein Buch für Kommunikatoren der Zukunft.


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