Interne Kom im Wandel Huck Sandhu Simone CoverEgal wie man dieses Kommunikationsfeld bezeichnet, also interne Kommunikation, Interne Unternehmenskommunikation, Mitarbeiterkommunikation, internes Kommunikationsmanagement, interne PR – und die Etikettierung ist bereits eine Frage der fachwissenschaftlichen Perspektive! -, niemand hat Zweifel an dessen Stellenwert. Das Buch „Interne Kommunikation im Wandel“ von Herausgeberin Simone Huck-Sandhu bietet eben eine fachwissenschaftliche Orientierung zu den Zukunftsperspektiven der Internen Kommunikation.

In der Unternehmenspraxis großer Einheiten ist die Unternehmenskommunikation schon lange in interne und externe Spezialabteilungen ausdifferenziert. Schon länger wird vielerorts überlegt, wie eine eigenständige Kommunikationsarbeit gegenüber den Mitarbeitern auszusehen hat, wie sie vor allem den zeitgemäßen Prinzipien von Transparenz, Orientierung, Beteiligung gerecht werden kann.

Verschiedene Frames und Trends prägen diese Debatte. In der Unternehmenskommunikation sind dies die immer mehr verschwimmenden Grenzen zwischen einem Innen und Außen der Unternehmenskommunikation. Seit dem Siegeszug der digitalen Kommunikation im Allgemeinen und von Social Media im Besonderen ist das eine immer nachhaltiger angefragte Thematik. Oder aber in der Organisationspsychologie ebenso wie in der BWL-Managementlehre wären dies die seit einigen Jahren stark diskutierte Frage einer Verschiebung weg von transaktionaler Führung hin zu einer stärker transformationalen Mitarbeiterführung. Auch die in jüngster Zeit stark diskutierten Forderungen und Vorstellungen nach bzw. von agileren, krisenfesteren („resilienten“) Unternehmensformationen sind nur im Kontext von intern kommunikativ stark agierenden Unternehmensleitungen wie ebenso kommunikativ sensiblen Belegschaften ernsthaft wissenschaftlich zu bearbeiten.

Hilfe bringt eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme in Form eines aktuellen Sammelbandes wie der hier vorgestellte. Die Publikation geht zurück auf das Netzwerk der Arbeitsgruppe PR und Organisationskommunikation innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK). Die Fachgruppe wird aktuell geleitet von Simone Huck-Sandhu, Professorin für PR an der Hochschule Pforzheim. Die ausgewiesene Spezialistin für Kommunikationsmanagement, Interne Kommunikation und Innovationskommunikation fungiert als Herausgeberin. In ihrem einleitenden Beitrag positioniert sie das Grundthema souverän im Spannungsfeld zwischen Organisationskommunikation und PR-Funktion mit ihren jeweiligen Perspektiven. Sie erläutert den Grundaufbau des Werkes und stellt an den Beginn der vier Abschnitte jeweils einen Katalog von Leitfragen.

Nun kann an dieser Stelle nicht jeder der fünfzehn Beiträge gewürdigt werden. Im ersten Abschnitt seien besonders die Beiträge von Peter Szyska (gemeinsam mit Melanie Malczok) und Ulrike Buchholz erwähnt. Die beiden renommierten Hochschulprofessoren (Organisationskommunikation bzw. Unternehmenskommunikation an der Hochschule Hannover) sorgen für begriffliche Klarheiten, zeigen Forschungs- und Traditionslinien auf, erklären gut die unterschiedlichen Denkansätze, die aus der Sicht interner PR bzw. aus der Perspektive des Kommunikationsmanagements oder aber der Organisationskommunikation bzw.- Psychologie zu der Kommunikation mit, zwischen und über Mitarbeiter(n) und anderen internen Gruppen/Stakeholdern anzuführen sind.

Im zweiten Teil, unter dem Titel „Zwischen Innen und Außen“, werden, vorwiegend durch jüngere bzw. Nachwuchswissenschaftler die Ergebnisse aktueller Fälle, Fallstudien, Studien, Befragungen vorgestellt.

Teil 3 des Sammelbandes ist mit „Zwischen Aktiv und Passiv“ überschrieben. Hervorhebung verdient der Beitrag von Nadine Remus M.A. Die Praktikerin befasst sich mit der Rolle von Emotionen in der internen Kommunikation. Dies ist im Deutschland der – in der Praxis ja oft nüchternen – Unternehmenskultur und Kommunikationskultur gewiss ein wertvoller Denkanstoß.

Im vierten und letzten Abschnitt „Zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ zieht der Beitrag von Juliane Kiesenbauer M.A und Dr. Anne Linke, beide Mitarbeiter am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Universität Leipzig, das Interesse des Lesers an. Denn sie haben die Kompetenzorientierung in den Curricula der deutschsprachigen PR-Studiengänge in den verschiedenen Hochschultypen untersucht. Mit einem ernüchternden Haupt-Ergebnis, denn mehrheitlich tauchte die Interne Kommunikation bei den 46 untersuchten Studiengängen gar nicht als eigenständiges Tool im Sinne einer Vorlesung, eines Seminars etc. auf!

Was in dem Buch nicht diskutiert wird, sind instrumentelle Fragen bzw. das Betrachten einzelner Medien und Kommunikationsmittel. Wer nach fachwissenschaftlicher Orientierung zu den Zukunftsperspektiven der Internen Kommunikation sucht, der wird den 274-Seiten-Band mit Gewinn für sich auswerten können.

Titel: Interne Kommunikation im Wandel. Theoretische Konzepte und empirische Befunde; Herausgeberin: Simone Huck-Sandhu; Verlag: Springer VS, Wiesbaden 2016; ISBN 978-3-658-11021-5; Preis: 39,99 Euro

Kiefer Markus Prof FOM kleinÜber den Autor der Rezension: Markus Kiefer (59, Foto) ist Professor an der FOM - Hochschule für Oekonomie und Management. Dort lehrt er BWL, mit dem Schwerpunkt der Unternehmens- und Wirtschaftskommunikation. Darüber hinaus arbeitet er in Seminaren, Vortragsveranstaltungen und Workshops für Weiterbildungs-Akademien der Wirtschaft. Er berät Unternehmen in Fragen der Kommunikationsstrategie, der PR, Mitarbeiterkommunikation, Social Media und Krisenkommunikation.

Im Recito Verlag, Essen, ist am 21. Juni sein neues Buch „Unternehmenskommunikation - Erfolgreiche Kommunikationskonzepte aus Wissenschaft und Praxis“ erschienen. Markus Kiefer richtet sich darin an Praktiker, die über den Tellerrand hinaus denken. Ein Buch für Kommunikatoren der Zukunft.


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