Rede mit mir SCM Verlag BuchcoverÜber den kräftigen Bedeutungszuwachs der internen Unternehmenskommunikation in den vergangenen Jahren kann es keinen Streit geben. Er ist offenkundig. Gut, dass Dieter Georg Herbst, erfolgreicher Hochschullehrer und Berater, Autor viel zitierter Bücher über Unternehmenskommunikation, seinem erstmals 1999 erschienenen Buch über interne Public Relations eine komplette Überarbeitung gewidmet hat.

Inzwischen liegt die 2. überarbeitete, deutlich erweiterte Auflage von "Rede mit mir" vor. Herbst nimmt seit langem international verschiedene Professuren und Lehraufträge wahr. Im vorliegenden Werk hat er seine breite Erfahrung über die Veränderungen in der internen Unternehmenskommunikation in Wissenschaft und Praxis während der letzten 15 Jahre eingebracht.

Der Titel des Buches ist Programm. Rede mit mir, das ist heute tatsächlich die klare Erwartungshaltung der Mitarbeiter in Unternehmen. Rede mehr mit mir als bisher, könnte man es noch deutlicher formulieren. Und noch etwas steckt in diesem Titel: Miteinander reden ist mehr als das Liefern von Informationen. Jedenfalls sollte es mehr sein als reine, klassische Top Down-Information von Managern und Führungskräften.

Sehr deutlich wird weiterhin: selbst die umfassende Vermittlung von Wissen ist noch lange nicht gelungene Kommunikation. Ein mehr an Rationalität, ein größeres Volumen an vermitteltem Wissen führt noch nicht zu Meinungen und Haltungen. Es ist oftmals eben nicht ein gemeinsam geteiltes Verständnis einer komplexen Sache - und allzu oft folgt ja aus Bekanntheit, aus Wissen eben nicht die notwendige Handlung beziehungsweise das gewünschte Verhalten. Alle diese notwendigen Differenzierungen gelingen Herbst glänzend.

Wer heute eine angemessene und erfolgreiche Mitarbeiterkommunikation sicherstellen will, der muss vor allem den deutlichen inneren Wandel der Unternehmenskommunikation sehen, verstehen und anwenden. Das berührt die Ebene der Werte und Prinzipien, den allmählichen Wandel, ja vielfach die Ablösung von oftmals starren, auf Autorität und Hierarchie beruhenden Unternehmenskulturen.

Der Trend geht zur Prozesskommunikation, zum Dialog, zur Gestaltung von Kommunikationsbeziehungen, zur tieferen Erklärung, zur Argumentation, zu echten Beteiligungsformaten für die Mitarbeiter, eben auch in den Formen und Formaten der Mitarbeiterkommunikation.

Den Wandel dieses klassischen Verständnisses zu den Erfordernissen der Moderne verdeutlicht Herbst in den ersten neun der insgesamt 23 Kapitel des 346 Seiten starken Paperbacks. Dies schließt hier die Thematisierung von Kommunikationszielen, der unterschiedlichen Perspektiven und Rollen der Beteiligten (Manager, Führungskräfte, Mitarbeiter), der Wirkungen auf und in den diversen multisensuellen (!) Kommunikationskanälen ein.

Kapitel 10 und 11 schließen möglichen Learnings einer modern ansetzenden Mitarbeiterkommunikation aus den Erkenntnissen der Neurokommunikation beziehungsweise des Neuromarketings an.

Im Mittelteil der Buches bleibt Herbst dann eher in den klassischen und formalen Bahnen der etablierten Wissensbestände, wenn er in den Kapiteln 12 bis 15 die Konzeption und Planung, die Strukturen und Verantwortlichen der internen Kommunikation, die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen interner und externer Kommunikation, die ganz konkreten Instrumente auf der persönlichen Ebene, im Bereich Print und in der digitalen Kommunikation beschreibt. Wie viel sich hier binnen kurzer Zeit verändert hat, kann man beispielsweise besonders stark im Abschnitt über die elektronische/digitale Kommunikation ganz konkret nachlesen (u.a. Business-TV, Video- und Telefonkonferenzen, modernes Intranet).

Diese Aspekte werden im Folgekapitel durch einen längeren, exzellenten Gastbeitrag von Lars Dörfel verstärkt. Der Geschäftsführer der School for Communication (SCM) und Social Media-Experte, Fachmann für digitale interne Kommunikation, hat (gemeinsam mit Carsten Rossi) einen wirklich brillanten Überblick über die gegenwärtige Entwicklung zum Enterprise 2.0 sowie den hieraus resultierenden Entwicklungen von Social Software und Herausbildungen von Social Intranets beigetragen.

Der Hauptautor des Buches schließt überzeugend an, denn auch er geht in den Kapitel 17 bis 21 auf weitere moderne Trends ein im Storytelling, in der Bildkommunikation, in internen Change-Prozessen, weltweite Mitarbeiterkommunikation ein. Gastbeiträge von Praktikern runden die Publikation.

Fazit: ein Praxis-orientiertes Lehrbuch, das Studierenden diverser Fachrichtungen ebenso weiterhelfen kann wie Managern mit Verantwortung für interne Kommunikation.

Titel: Rede mit mir. Warum interne Kommunikation für Mitarbeitende so wichtig ist und wie sie funktionieren kann; Autor: Dieter Georg Herbst; Verlag: SCM, Berlin; 2. überarbeitete und erweiterte Auflage 2014, Preis: 29,90 Euro; ISBN 978-3-940543-41-7

Kiefer Markus Prof FOM kleinÜber den Autor der Rezension: Markus Kiefer (59, Foto) ist Professor an der FOM - Hochschule für Oekonomie und Management. Dort lehrt er BWL, mit dem Schwerpunkt der Unternehmens- und Wirtschaftskommunikation. Darüber hinaus arbeitet er in Seminaren, Vortragsveranstaltungen und Workshops für Weiterbildungs-Akademien der Wirtschaft. Er berät Unternehmen in Fragen der Kommunikationsstrategie, der PR, Mitarbeiterkommunikation, Social Media und Krisenkommunikation.


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