Visualisieren leicht gemacht BuchcoverWohl jeder, der in Agenturen, Unternehmen oder in Konzernen arbeitet, kennt diese Tage. Ein Meeting jagt das nächste, eine Beamer-Präsentationen reiht sich an die nächste. Das ein oder andere gefällige Chart mag ja hin und wieder dabei sein. Im Kopf bleiben aber unsortierte Textfriedhöfe auf den meisten Folien, dabei hin und wieder angereichert von Fotos freundlich dreinblickender Menschen oder von opulenten, vor Zahlenmaterial strotzenden Schaubildern. Was bleibt wirklich hängen von solchen Foliensätzen?

Die richtige Art der Präsentation ist eine der vornehmsten Aufgaben für jede Führungskraft. Warum sind aber dennoch die meisten Auftritte dieser Art in unserer von Power Point-Folien überladenen Geschäftswelt so verwechselbar?

Wie lässt es sich anders, besser machen?

Ein Grundansatz wäre zu akzeptieren, dass eine ausgewogene Präsentation von Inhalten nicht allein von Texten lebt. Visualisierung heißt die Zauberformel. Es gibt verschiedene Elemente, die eine visuelle Kommunikation tragen könnten. Mindestens vier Elemente wären zu nennen, aus denen eine reichhaltige Präsentation komponiert werden könnte: Text – Bild – Formen – Farben.

Menschen denken in Bildern. Bilder lösen Emotionen aus. Bilder lassen sich schneller erfassen und leichter verstehen als Texte. So lässt sich leichter lernen. Warum aber setzen dann so viele Alltagspräsentationen ausschließlich auf überladene Textfolien: Als ob es alle Präsentatoren immer nur mit einem Lerntyp zu tun hätten – heraus kommt im Ergebnis allzu oft ein Vortrag gestützt vom Glauben, die Gruppe vor dem Präsentator bestünde ausschließlich aus Menschen, die ihre visuelle Ansprache auf das Lesen von Texten reduziert sehen möchten, die vor ihnen in rascher Folge auf einer Leinwand eingeblendet werden.

Schon vor einigen Jahren veröffentlichte das „Wall Street Journal“ Umfrageergebnisse, denen zufolge weit über 80 der befragten Geschäftsleute die allermeisten (Power Point) Präsentationen in ihrem Berufsalltag als mehr oder weniger unerträglich einstuften.

Wer es einmal anders versuchen möchte, der sollte zu dem Buch „Visualisieren leicht gemacht“ von Brigitte Seibold greifen. Die Gabal-Autorin ist Dozentin, Trainerin und Moderatorin. Sie berät Organisationen aller Art inklusive großer Unternehmen in wichtigen Prozessen. In ihrer Begleitung der Institutionen bringt sie stets das Potenzial der Visualisierung ein.

Vereinfacht gesagt, mit diesem Buch Seibolds erfährt man zunächst, warum man so präsentieren sollte und übt zugleich ganz praktisch, wie man es macht. Vom richtigen Gestalten einer Flipchart über visualisierte Moderationsformen bis hin zu einer Power-Point-Folie, die Text, Bild und Formen gekonnt mischt. Man kann mit diesem Buch ganz handfest arbeiten und üben. Man kann mit dem Buch sogar ganz schnell wieder das lernen, was man seit dem Schulunterricht – leider! – mehr oder weniger vernachlässigt bis ganz vergessen hat: ganz einfaches, eindrucksvolles und leicht verständliches Zeichnen.

Zuerst einfache Figuren, dann Gesichter, Körper, Hände, dann Menschen in Bewegung bis hin zu (komplexen) Situationen, Formen (z.B. ganz verschiedenartige Pfeile etc.) bis hin zum räumlichen und schattenhaften Zeichnen mit Überschneidungen der verschiedenen Bild-Ebenen: Wer sich darauf einlässt, wird schnell erfahren: Das kann sogar richtig Spaß machen!

Die Theorie kommt nicht zu kurz, sie wird aber mit Recht knapp gehalten. In den Kapiteln 1 und 2 zeigt Seibold aus wissenschaftlichen Quellen auf, nicht zuletzt aus denen der Neurowissenschaft und der Hirnforschung, warum visualisiertes Lernen so machtvoll sein kann. Die für die eigene Praxis bedeutenderen sind allerdings die Kapitel 3 und 4, in denen mit zahlreichen Vorlagen Anregungen zur (relativ leichten) Nachahmung geliefert werden. Das abschließende Kapitel 5 führt die nötige Grundausstattung an Material für jeden auf, der sich in Zukunft nicht allein auf die Wirkung seiner Text-Charts verlassen möchte. Und wer will das schon, nach der Lektüre eines solch anschaulichen Lernbuches?

Bei aller Anleitung zum Spielerischen, Kreativen, zum Ausprobieren, holt die Verfasserin den Leser jedoch stets wieder auf den roten Faden zurück. Eine Präsentation ist am Ende eben nicht die Meisterschaft des Details. Gekonnte Visualisierung ist immer die Reduktion auf das Wesentliche.

Wie vielfältig man das in seinen Papier- und digitalen Charts umsetzen kann, das erfährt der Leser auf diesen 190 ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Seiten, an deren Ende Brigitte Seibold ein anregendes Ideen-Archiv voller eingängiger Illustrationen aufschließt. 

Titel: Visualisieren leicht gemacht. Talentfrei zeichnen lernen und professionelle Flipcharts erstellen; Autorin: Brigitte Seibold; Verlag: Gabal, Offenbach, 6. Auflage; Umfang: 190 Seiten; Preis: 19,90 Euro; ISBN 9783869363417

Kiefer Markus Prof FOM kleinÜber den Autor der Rezension: Markus Kiefer (59) ist Professor an der FOM - Hochschule für Oekonomie und Management. Dort lehrt er BWL, mit dem Schwerpunkt der Unternehmens- und Wirtschaftskommunikation. Darüber hinaus arbeitet er in Seminaren, Vortragsveranstaltungen und Workshops für Weiterbildungs-Akademien der Wirtschaft. Er berät Unternehmen in Fragen der Kommunikationsstrategie, der PR, Mitarbeiterkommunikation, Social Media und Krisenkommunikation.


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