Carsten Könneker: "Wissenschaft kommunizieren. Ein Handbuch mit vielen praktischen Beispielen" Verlag: Wiley-VCH Verlag GmbH, 1. Auflage, April 2012, 219 Seiten. Preis: 24,90 Euro. ISBN: 978-3-527-32895-6.
Rezension von Simone Heinrich, Absolventin und Mitarbeiterin von PR Plus, Heidelberg www.prplus.de

„Wissenschaft kommunizieren“ ist ein Buch, in dem der Autor seine eigenen Empfehlungen zu Stil, Form und Verständlichkeit von Texten gleich vorbildlich selbst umsetzt: Es ist sehr gut strukturiert, Könneker bringt das Wesentliche seines Themas klar auf den Punkt und veranschaulicht anschließend mit einer ganzen Reihe kommentierter negativer wie positiver Beispiele.

Im Mittelpunkt steht der Text. Wie kann ein Wissenschaftler, ein Öffentlichkeitsarbeiter oder ein Journalist einen Text mit wissenschaftlichem Inhalt so gestalten, dass er seine Zielgruppe erreicht? Dass er überhaupt wahrgenommen, gelesen und auch verstanden wird?

Das Buch ist nicht konzeptionell ausgerichtet, die Frage lautet also nicht, welche Instrumente für die jeweiligen Ziele und Zielgruppen die geeignetste Auswahl darstellen oder welche kreativen Maßnahmen vorstellbar sind, um Wissenschaft zu kommunizieren. Somit geht es in diesem Titel auch nicht um die gesamte Bandbreite der „Wissenschaftskommunikation“ im Sinne der Public Relations, aber so lautet ja auch nicht der Titel. „Wissenschaft kommunizieren“ versteht sich vielmehr als Handbuch, in dem die verschiedenen Instrumente vor allem der schriftlichen Kommunikation vorgestellt werden. Aber auch Interviews und Vorträge werden als Möglichkeiten gezeigt, wenn Wissenschaftler Ihre Forschungsergebnisse an den Mann oder die Frau bringen wollen. In diesem Werk geht es also nicht um Dialog oder Beziehungsaufbau, sondern um den Transport von Information.

Dennoch geht der Autor sehr strategisch vor und schickt seinen Praxisempfehlungen wesentliche theoretische Überlegungen voraus. Auf diesen basieren dann seine folgenden Kapitel sehr anschaulich: Zunächst sollte sich jeder, der wissenschaftliche Inhalte transportieren möchte, der medialen Form bewusst sein, für die sein Text verfasst ist, ebenso der Zielgruppe dieses Mediums und der intendierten Wirkung und schließlich seiner Kernaussage, hier sehr plastisch „Küchenzuruf“ genannt. Erst dann geht es los mit der eigentlichen Textarbeit.

Im Zentrum des Buchs steht der klassische Fließtext für Printmedien, wie z.B. Fachzeitschriften oder auch populärwissenschaftliche Magazine. Angefangen von der Überschrift bis hin zur optimalen Bildunterschrift und einzelnen sprachlichen Formen gibt Könneker detaillierte Tipps und zeigt die Dos and Don‘ts dieses Handwerks.

In einem dritten Teil werden etwas weniger ausführlich spezielle mediale Formen wie Kommentare, Rezensionen oder Interviews behandelt und schließlich auch Blogs, Netzwerke und Websites beleuchtet. Aber es geht nicht nur um den guten Stil und die die passende sprachliche Formulierung. Immer wieder schiebt der Autor auch ganz allgemeine Hinweise zwischen, die den Erfolg der jeweiligen Kommunikation bedingen. In farblich hinterlegten Boxen gibt er beispielsweise Tipps an Öffentlichkeitsarbeiter, wie Journalisten richtig zu bedienen sind oder Informationen zum Urhebernachweis bei der Verwendung von Bildern und immer wieder Beispiele und Übungen.

In 10 abschließenden Thesen zur Zukunft der Wissenschaftskommunikation wird unter anderem deutlich, dass diese Aufgabe bald zum Berufsbild eines Wissenschaftlers gehören und sie zunehmend sogar karriererelevant sein wird. Für Öffentlichkeitsarbeiter bedeutet dies, dass sie eine wichtige Funktion in der Beratung und dem Coaching kommunizierender Wissenschaftler einnehmen werden, Journalisten werden dagegen künftig noch stärker gefordert sein, unabhängig zu recherchieren und zu berichten.

Fazit: Könneker wird den drei in Aufgaben und Zielen sehr verschiedenen Zielgruppen seines Buchs (Wissenschaftler, PR-Schaffende und Journalisten) gleichermaßen gerecht, gerade indem er ihre Unterschiede herausarbeitet. Er bietet allen drei wegweisende Grundsatzüberlegungen für die eigene Arbeit und wertvolle Praxistipps. Den meisten Nutzen werden aber sicher Wissenschaftler ziehen, die ihre eigenen Forschungsergebnisse z.B. einem Laienpublikum zugänglich machen wollen. Vor allem Forscher in Naturwissenschaft und Technik werden in ihrem Ausbildungsweg sprachlich kaum geschult, und hierauf liegt der Fokus des Titels.

Die Rezensentin
Simone Heinrich, MSc ist Absolventin des PR Plus Fernstudiums Public Relations und seit 2007 auch Mitarbeiterin von PR Plus in Heidelberg. 2010 schloss sie dort das Master Upgrade zum Communications Master of Science an und schrieb ihre Master Thesis zum Thema "Integrierte interne Unternehmenskommunikation“. Zuvor studierte sie Literaturwissenschaft, Mediävistik und Philosophie an der Universität Karlsruhe und arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Karlsruhe.


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