DRPR Logo 2018In Folge der Berichterstattung des „PR-Journals“ über die Rüge, die der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) gegenüber Wikipedia Deutschland ausgesprochen hat, hat sich Wikipedia-Kenner Markus Franz mit einem Leserbrief zu Wort gemeldet. Darin hat er die Entscheidung des DRPR kritisiert und darauf verwiesen, Absenderkennungen seien immer und ewig mit dem Inhalt eines Wikipedia-Artikels verbunden – und dies könne nachträglich nicht mehr geändert werden. Am 23. April nahm der DRPR zu den Einlassungen von Franz Stellung.

DRPR-Stellungnahme zum Leserkommentar von Markus Franz zur Rüge im Fall Wikipedia

Der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) begrüßt die öffentliche Diskussion über die Rüge im Fall Wikipedia. Die Kritik einer nicht hinreichenden Einbeziehung von Wikipedia in den Prozess weist der Rat entschieden zurück. Genau das Gegenteil war der Fall – international wie national. Wobei sich hier bereits der Kern des Problems offenbarte, weil es von der Struktur her nicht einfach ist, wirklich Verantwortliche bei Wikipedia zu finden.

Kern ist die Grundsatzfrage der Transparenz und Absenderkennzeichnung im digitalen Raum. Der Deutsche Kommunikationskodex fordert, dass der Absender von Botschaften klar erkennbar ist. Die Online-Richtlinie konkretisiert diese Forderung weiter: „Es reicht hier nicht, dass der Absender über ein Corporate Design oder eine Nennung im Impressum zu erkennen ist, sondern dieser muss immer auf der ersten Seite ohne weiteres Scrollen auffällig erkennbar sein“. Die Absenderkennzeichnung muss demnach immer im direkten Kontext des Inhalts erfolgen. Genau hier liegt das Problem bei Wikipedia, deren Kontrollmöglichkeiten dies eben nicht gewährleisten können.

Entgegen der im Leserkommentar vertretenen Aussage erfüllt die Zusammenfassungszeile (edit summary) als Bestandteil der Versionsgeschichte von Wikipedia-Artikeln nicht die Vorgaben des Kommunikationskodex und der Online-Richtlinie. Die Versionsgeschichte ist erst über einen Klick auf den entsprechenden Link über dem jeweiligen Eintrag zugänglich. Zudem finden sich in der Versionsgeschichte unzählige Einträge – zu jeder Bearbeitung seit der Erstellung eines Eintrags. Für den normalen Nutzer ist es nicht ohne größeren Aufwand möglich, in der Versionsgeschichte einen Hinweis auf eine möglichweise bezahlte Autorentätigkeit im Auftrag Dritter zu finden. Hinzu kommt, dass ein entsprechender Vermerk nicht zwingend in der Zusammenfassungszeile (edit summary) gemacht werden muss. Laut den Terms of Use zum Thema Paid Contribution ist eine entsprechende Kennzeichnung an einer von drei Stellen (Benutzerseiten (user pages), Diskussionsseiten (talk pages) oder Zusammenfassungszeile (edit summary)) ausreichend.

Der DRPR hat sich in einem langwierigen Verfahren bemüht, eine Änderung der Kennzeichnungspraxis zu erzielen, die laut der Kennzeichnungsregelung (disclosure policies) grundsätzlich möglich wäre und für einige Länder bereits existiert. Dabei wurde mit diversen Ansprechpartnern der Wikimedia Foundation und von Wikipedia selbst – sowohl aus Deutschland und aus den USA – der Dialog gesucht. Mehrfach wurde ausreichend Zeit für interne Diskussionen innerhalb von Wikipedia eingeräumt. Da keine Annäherung gelungen ist, hat der DRPR – wie angekündigt – eine Rüge folgen lassen. Das Community-Prinzip von Wikipedia hat sicher seine eigenen Vorzüge, ist an dieser Stelle aber schlicht nicht mit den Vorgaben des DRPR zur Transparenz bei der Absenderkennzeichnung kompatibel.

Für Anregungen ist der Rat immer dankbar und wir werden bei der Überarbeitung der Online-Richtlinie auch solche Impulse aufgreifen.

Die Stellungnahme des DRPR wurde dem „PR-Journal“ vom Ratsvorsitzenden Professor Lars Rademacher übermittelt.


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