Zum Artikel vom 25. August über die Nominierungen für den BdP-Award 2017 "BdP nominiert neun Finalisten für „Pressestelle des Jahres“ 2017" erreichten uns am 1. September per Leserbrief eine Anfrage Udo Holländer vom Anti-Atom-Bündnis in Berlin und Potsdam sowie ein Leserbrief von Ute Herrmann die wir beide nachstehend dokumentieren. Beide Absender zeigen sich verwundert über die Nominierung des Helmholtz-Zentrums für den BdP-Award 2017.

Brief von Ute Herrmann vom 1. September 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Erstaunen nehme ich Ihre Nominierung des Helmholtz-Zentrums Berlin für Material und Energie HZB für die Auszeichnung „Pressestelle des Jahres“ zur Kenntnis.
Haben Sie damit das HZB auch in seiner Funktion als langjährigen Betreiber des atomaren Forschungsreaktors BER II in Berlin-Wannsee gewürdigt?
Sicher, mittels der „neu justierten Kommunikationsstrategie“ wurde dort auch ein Leitfaden entwickelt, um unbequeme Fragen nun besser ausschalten zu können. Die bemerkenswerte Tatsache, dass das HZB als Betreiber einer atomaren Forschungsanlage nicht unbedingt zur Sicherheitslage in der Stadt beiträgt, wird durch dieses Kommunikationsverhalten verharmlost und vertuscht, eine offene Kommunikation mit der interessierten Bevölkerung verhindert.
Ich meine, mit Verantwortung hat das nichts zu tun. Sollte das tatsächlich mit einem Preis belohnt werden?
Mit freundlichen Grüßen
Ute Herrmann, oeko-ute@web.de

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Brief von Udo Holländer vom Anti-Atom-Bündnis in Berlin und Potsdam vom 1. September 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Erstaunen nehmen wir Ihre Nominierung des Helmholtz-Zentrums Berlin für Material und Energie (HZB) zur Kenntnis. Wir gehen davon aus, dass Sie selbstverständlich die "neu justierte Kommunikationsstrategie" des HZBs auch in seiner Funktion als langjährigen Betreiber des atomaren Forschungsreaktors BER II in Berlin-Wannsee gewürdigt haben….?
Alles hätte durchaus seine Richtigkeit, wenn Sie bei dem zu bewertenden Kommunikationsverhalten die Parameter „Vertuschung" und „Intransparenz“ angelegt hätten. Dann käme als mögliche Auszeichnung allerdings nur eine „Goldenen Zitrone“ infrage. Sie hätten sofort unsere Zustimmung! Wir befürchten allerdings, soviel Humor ist dann doch nicht im Spiel.  
Warum dieser Kommentar?
Jahrzehntelange BI-Arbeit mit dem Ziel, diesen (in einer einfachen Industriehalle untergebrachten) Atomreaktor aus guten Gründen stillzulegen, hat uns Eines gelehrt: obwohl das HZB zu 90% aus bundeseigenen und zu 10% aus landeseigenen Steuergeldern finanziert wird, hat es trotz wiederholt gegenteiliger Behauptungen nie Interesse gezeigt, zu diesem Thema mit der Zivilgesellschaft in einen offenen Diskussionsprozess zu treten. Im Gegenteil: Zum Thema Atomreaktor hat sich das HZB mehrfach dezidiert geweigert, ausserhalb ihrer wissenschaftlichen Community in öffentlichen Foren Stellung zu beziehen. Verharmlosung, Vertuschung gehören sozusagen zum Geschäftsmodell dieser GmbH auf Staatskosten. Selbst der Bundesrechnungshof hatte in seinem Jahresbericht 2011 (S. 292 ff) mehr Transparenz hinsichtlich der konkreten Forschungsvorhaben als auch der konkreten Gelderverwendung angemahnt.
Das HZB präsentiert sich gerne als zukunftsorientierter Forschungsbetrieb mit Hang zu „grüner Nachhaltigkeit“. Der bemerkenswerten Tatsache, dass es in seiner Eigenschaft als Betreiber einer atomaren Forschungsanlage auf Berliner Stadtgebiet nicht unbedingt zur Sicherheit in Berlin, Potsdam und Umgebung beiträgt, möchte das HZB dabei doch eher weniger mediale Aufmerksamkeit zukommen lassen.
Fazit: Mit der Nominierung des HZB/ respektive einer möglichen Preisübergabe an diese Institution erweisen Sie u. E. sich und ihrem ausgelobten Preis einen Bärendienst. Ihnen bleibt zu wünschen, das der „Goldenen Apfel“ dabei nicht an Glaubwürdigkeit  in der geneigten Öffentlichtlichkeit verliert.
Wir empfehlen zur Vertiefung Ihrer Rechercheergebnisse die Lektüre der sehr fundierten Wissenssammlung auf unserer Website.
Apropos Öffentlichkeit: Ihr Angebot, diesen Kommentar Ihrem Artikel beizufügen, nehmen wir gerne an. Das würde wiederum von transparenter und guter Pressearbeit künden.
Mit freundlichen Grüßen
Udo Holländer, udo.hollaender@t-online.de
Anti-Atom-Bündnis in Berlin und Potsdam - Bürgerinitiative Atomreaktor Wannsee dichtmachen


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