Kommentare Alte Strukturen Was bleibt von der Karriereleiter, wenn KI übernimmt?

Früher galt: Wer in der Kommunikation Karriere machen wollte, begann mit Fleißarbeit. Clippings sammeln, Excel-Tabellen pflegen, erste Pressetexte schreiben. Aufgaben, die viel Zeit kosteten und die halfen, das Handwerk zu lernen. Heute erledigt eine KI dieselbe Arbeit in Minuten. Routine wird zur Nebensache, Wissen zur frei verfügbaren Ressource. Die Karriereleiter, die einmal auf diesen Grundlagen stand, wackelt.

Die Leiter, die wir einmal hinaufgestiegen sind, wird uns wohl nicht mehr lange tragen. (Foto: Debby Hudson)

Was heißt das für die Strukturen, in denen wir arbeiten? Die KI scheint Hierarchien zu schleifen. Junge Kolleg:innen können schneller Ergebnisse liefern, sie treten sichtbarer auf, bringen ihre Ideen leichter ein. Erfahrung allein reicht nicht mehr, um im Vorteil zu sein. Gleichzeitig verändert sich die Rolle der Führung: Wenn es nicht mehr darum geht, alles selbst zu wissen, verschiebt sich der Fokus auf das, was Technologie nicht leisten kann: Orientierung, Vertrauen, Haltung.

Doch ganz so klar ist die Lage nicht. Wo Hierarchien verschwinden, entstehen neue. Denn wer entscheidet eigentlich, welche Tools im Unternehmen genutzt werden dürfen? Wer setzt die Leitplanken für Transparenz und Ethik? Wer bestimmt die Zugänge? Wer die zu veröffentlichenden Ergebnisse?

Macht verschwindet nicht. Sie wandert. Und wir müssen uns fragen, wie wir diesen Wandel gestalten. Denn die Leiter, die wir einmal hinaufgestiegen sind, wird uns wohl nicht mehr lange tragen.

Nachwuchskräfte könnten profitieren, wenn sie die Technik bewusst als Ergänzung nutzen (nicht als Abkürzung). Führungskräfte wiederum könnten zeigen, dass ihre Rolle nicht im Besserwissen liegt, sondern im Möglichmachen. 

Wenn das nicht gelingt, ist KI nur ein weiteres Werkzeug für alte Strukturen.

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