Die Journalistin Dunja Hayali wurde gefeiert für ihre mutige Keynote.

Der Kommunikationskongress 2018 ist passé. Mut lautete das diesjährige Fokusthema. Es ließ spannende Diskussionen und richtungsweisende Vorträge mit Impulsen für die Branche erwarten. Doch die Erwartungen wurden nur teilweise erfüllt. Etwas wenig Mut zeigte der Bundesverband deutscher Pressesprecher (BdP) selbst. Als Veranstalter ließ die Gelegenheit aus, ein mutiges Statement abzugeben. Kein politischer Appell an die versammelten Kommunikationsfachleute, sich dem stärker werdenden Populismus zu widersetzen, kein Aufruf zur Wahrung der Pressefreiheit – nur ein müdes Lob für Siemens-Chef Joe Kaeser.

Dabei drängten sich die Themen in der letzten Septemberwoche doch förmlich auf. Erst einen Tag vor dem Kommunikationskongress wurde bekannt, dass Österreichs Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) in seinem Land die Kommunikation mit kritischen Medien erheblich einschränken will – mit anderen Worten: die Pressefreiheit beschneiden möchte. Kommuniziert wurde es durch einen Pressesprecher. Noch während der Kongresstage wurde der türkische Staatspräsident Erdogan in Berlin zu seinem Staatsbesuch erwartet, der die Pressefreiheit in seinem Land bereits erheblich beschnitten hat. Erst wenige Tage zuvor wurde in den Medien die Haltung von Siemens-Chef Joe Kaeser und Nomos-Chefin Judith Borowski gegen Rassismus behandelt.

KKongress 2018 Kreitz Regine EroeffnungAuch wenn BdP-Präsidentin Regine Kreitz (Foto) bei der Abendveranstaltung Kaeser und Borowski kurz lobend erwähnte, so war es doch alles andere als ein flammender Appell an die versammelten Kommunikationsfachleute, selbst auch Haltung zu zeigen gegen die Bedrohungen der freiheitlichen Demokratie und für die Segnungen der Pressefreiheit Position zu beziehen. Was ist der Beruf des Pressesprechers noch wert, wenn Medien nicht mehr frei agieren können? Müsste da nicht auch der Selbsterhaltungstrieb einsetzen?

Stattdessen sprach Kreitz langatmig über die DSGVO, das Leistungsschutzrecht und die positiven Seiten von Facebook & Co. Sorgen diese nicht gerade mit dafür, dass der Diskurs sprachlich komplett entgleitet? Gezündet hat das nicht. Und als dann auch noch die als Galarednerin angekündigte Staatsministerin Dorothee Bär (CSU), im Bundeskanzleramt für Digitalisierung zuständig, lediglich ein launiges Grußwort ohne klaren Themenbezug sprach, hatten viele den Eindruck: Chance verpasst. Professor Bernhard Pörksen hatte im vergangenen Jahr noch eine ganz andere Flughöhe.

Dabei wäre es doch so einfach gewesen, die Impulse aus dem Tagesprogramm mit in den Abend zu nehmen. Erst am Nachmittag hatte der Soziologe und Sozialpsychologe Professor Harald Welzer, der auch Mitbegründer und Direktor von Futur Zwei. Stiftung Zukunftsfähigkeit ist, überzeugend dargelegt, dass man in der Demokratie keinen Mut brauche, aber eben eine Haltung. Und dann war es anschließend die Journalistin Dunja Hayali, die in ihrer Keynote flammend dafür appellierte, konsequent gegen Hatespeech vorzugehen und so einen Beitrag für einen offenen gesellschaftlichen Dialog zu leisten. Hayali wurde am Ende mit „Standing Ovations“ bedacht.

Wie hatten die Veranstalter auf ihrer Website zum Kommunikationskongress gefragt: „Welche Verantwortung übernimmt die Kommunikation in Debatten?“ Auf diese Frage hätten sich viele Kongressteilnehmer auch vom BdP und seiner Präsidentin eine mutige Antwort gewünscht. Wie sagte der Chefredakteur der Kommunikationsagentur fischerAppelt: „Zeichen sollen gesetzt werden, doch für die Ausrufezeichen lädt man sich dann lieber Journalisten ein. Arbeitsteilung: Kommunikatoren rufen voller „Mut“ dazu auf, beruflich ständig Neuland zu betreten. Vor wirklichen Mutproben wird gekniffen.“ Schade.

Ein ausführliches Dossier mit einem Rückblick auf den Kommunikationskongress 2018 findet sich auf der Website des "pressesprecher".


Wir haben die Kommentarfunktion wegen zu vieler Spam-Kommentare abgeschaltet. Sie können uns aber trotzdem Ihre Meinung zu diesem Artikel als Leserbrief direkt zusenden. Falls Sie wünschen, dass wir Ihren Leserbrief als Kommentar dem Artikel hinzufügen, vermerken Sie dies bitte in der Mail an uns.
leserbrief@pr-journal.de