Michael Behrent ist Geschäftsführer der Agentur Script Communications.

Replik II auf GPRA-Präsidentin Schulz

Welchen - wirtschaftlichen - Wert haben Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger für PR-Agenturen? Folgt man Christiane Schulz, Präsidentin des Agenturverbandes GPRA und CEO der Kommunikationsagentur Weber Shandwick, keinen besonders hohen. Sie hätten zu wenig Erfahrung, ihre Kenntnisse seien nicht unmittelbar anwendbar und Kunden seien deshalb nicht bereit, für sie zu bezahlen, weshalb ihre Gehälter niedrig sein müssen. Kurzum: Einsteigerinnen und Einsteiger erhalten zurecht niedrige Gehälter, anders als jemand wie sie, die 25 Jahre Erfahrung habe.

Nun kann das eine einzelne Agentur für sich so sehen, aber Christiane Schulz spricht als Präsidentin der Gesellschaft Public Relations Agenturen. Damit erweckt sie den Eindruck, ihre Argumentation wäre Common Sense bei den Agenturen insgesamt. Diesem Eindruck wollen wir entgegentreten: Das Gehalt einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters kausal auf die Höhe des Stundensatzes zurückzuführen, ist absurd. Die Wertschöpfung der Agentur wird nämlich nicht höher, wenn sie möglichst viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit über 25 Jahren Erfahrung einstellt.

Agenturarbeit ist nicht die Addition beraterischer Einzelleistungen. Agentur ist Teamwork. Ja, Kunden schätzen Erfahrungen – vor allem, wenn Beraterinnen und Berater diese nutzen, um vielfältige Talente ins Spiel zu bringen. In Zeiten der digitalen Transformation ist Teamarbeit sogar noch wichtiger – Diversität von Kompetenzen und Erfahrungen am besten über die Agenturgrenzen hinweg zusammenbringen, das ist die Quelle der Wertschöpfung. Dazu gehören heute umso mehr auch das Wissen und die Fähigkeiten der jungen Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger. Der Fokus bei Script liegt darauf, starke Teams zu organisieren. Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger mit unterschiedlichen fachlichen und methodischen Kompetenzen können diese bei uns unmittelbar wirksam nutzen. Und wir nehmen uns gerne auch gegenseitig an die Hand, wenn wir mal nicht weiterwissen.

Wir schätzen den Wertschöpfungsbeitrag einer Berufseinsteigerin und eines Berufseinsteigers daher klar höher ein, als Christiane Schulz in ihrem Kommentar. Und wir machen junge Kolleginnen und Kollegen auch nicht zum Opfer der Einkaufspolitik einiger großer internationaler Konzerne. Dabei können wir natürlich nicht über Wasser laufen: Mit dem Einstiegsgehalt eines studierten Zahnmediziners (laut Gehaltsreport von StepStone durchschnittlich 52.700 Euro) können auch wir nicht mithalten. Deswegen haben wir wohl keinen Zahnarzt in unserem Team.

Dieser Beitrag ist parallel auf der Facebook-Seite von Script Communications veröffentlicht worden.


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