Wie erwachsen tragische Helden? In der Welt, an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Politik, vielleicht dadurch, dass man denjenigen vertraut, die man für die „Richtigen“ hält, die sich aber nachher als die „Falschen“ herausstellen. Betrachten wiEnders Tom CEO Airbusr den Fall von Tom Enders (Foto), dem CEO der Airbus-Gruppe. Er sitzt aktuell in der Kommunikationsfalle. Denn glaubt man den letzten „Spiegel“-Berichterstattungen, soll im Auftrag der Amerikaner schwerpunktmäßig gegen französische Behörden und Unternehmen wie EADS/Airbus spioniert worden sein. Für Enders heißt das: Damit man von jemand verraten werden kann, muss man diesem vertrauen. Enders vertraute auf den transatlantischen Dialog und die Unterstützung aus Berlin. Die Affäre um den BND wird somit auch eine Affäre um Tom Enders, der sich plötzlich von falschen Freunden umzingelt sehen muss. Auf seine weitere Zukunft darf man gespannt sein. Aber lesen Sie nachfolgend, wie Enders überhaupt zum tragischen Helden werden konnte.

Für wirklich interessante Tragödien braucht es zuerst mal einen Helden. Helden sind Personen mit besonders herausragenden Fähigkeiten oder Eigenschaften, aber noch mehr die Menschen, die zum richtigen Zeitpunkt nicht nur wissen, was es zu tun gilt, sondern dies auch in die Tat umsetzen. Helden sind Menschen, die bereit sind, über sich selbst hinaus zu wachsen. Ein solcher Mensch ist Tom Enders, der CEO der Airbus-Gruppe.

Airbus ist eine Erfolgsgeschichte
Erfolgsgeschichten werden von denen geschrieben, die bereit sind, sich trotz der Realität, die keinen Erfolg verspricht, auf Erfolg zu setzen, und alles dafür zu geben. Das Abenteuer Airbus beginnt hoffnungslos. Zum Zeitpunkt der Gründung kontrollieren die amerikanischen Gegner Boeing und McDonnell Douglas zusammen mehr als 98 Prozent der zivilen Luftfahrt. Ein deutsch-französischer Zwerg und zwei amerikanische Giganten. Heute sind die Karten neu gemischt. Boeing ist immer noch Marktführer. McDonnell Douglas ist vom Markt verschwunden. Airbus ist inzwischen der härteste Mitbewerber und eine Erfolgsstory.

Ein Mann mit Überzeugungen
Enders ist ein Mann, der seine Überzeugungen lebt, und auch nach diesen handelt. So verließ er 2011 wieder die CSU, da er weder die deutsche Haltung im Libyen-Konflikt noch die überraschende Atom-Wende von Kanzlerin Merkel mittragen wollte. Für den transatlantischen Dialog warb er von 2005 bis 2009 als Vorsitzender der Atlantik-Brücke e.V. und als Teilnehmer der Bilderberg-Konferenz (1984, 2005, 2009-2014). Für deutsch-französisches Vertrauen und Zusammenarbeit wirbt er innerhalb der Airbus-Gruppe.

Erfolg und Verrat als Zutaten für eine Tragödie
Damit Geschichten zur Tragödie werden können, braucht es nicht nur den Erfolg auf der einen, sondern auch Verrat und Tragik auf anderen Seite. Diese Situation ist jetzt eingetreten mit den letzten Enthüllungen zum BND, sowohl was sein Unternehmen angeht, als auch ihn selbst. Damit man von jemand verraten werden kann, muss man diesem vertrauen. Enders vertraute auf den transatlantischen Dialog und die Unterstützung aus Berlin. Die Affäre um den BND wird somit auch eine Affäre um Tom Enders, der sich plötzlich von falschen Freunden umzingelt sehen muss, sich in der Kommunikationsfalle sieht. Auf seine weitere Zukunft darf man gespannt sein. Aber auch auf eine offizielle Reaktion der Atlantik-Brücke.

Der amerikanischen Seite kann und darf man keinen Vorwurf machen, wenn sie ihre Interessen verteidigt. Das ist legitim, auch für das oft gescholtene Amerika! Schlimmer aber wäre es, wenn die Helfershelfer dazu wirklich auf deutscher Seite sitzen würden.

Die Affäre um Eduard Snowden war eine gute Gelegenheit, ein für alle Mal reinen Tisch zu machen. Das hat die große Koalition sträflich unterlassen. Das Werfen weiterer Nebelkerzen wird die Sache nicht mehr verdecken können. Dieser politische Kunstgriff wurde schon 2013 erfolglos versucht.

Wissentliche Täuschung der Öffentlichkeit?
Zurück zu unserem gescholtenen Auslandsnachrichtendienst: Der BND nimmt eine wichtige Aufgabe war, ein ungelenktes Verhalten seinerseits ist in einem Rechtsstaat wie dem unseren weder glaubwürdig noch vorstellbar. Es gibt somit nur zwei Varianten: entweder haben die Regierung (Exekutive) und das Parlamentarische Kontrollgremium (Legislative) den Dienst geführt und kontrolliert oder sind beide ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen? In beiden Fällen aber sitzen die Verantwortlichen weder in den USA, noch in Pullach, sondern in der Regierung und im Bundestag. Eine unschöne dritte Variante drängt sich durch die Hintertür der möglichen Überlegungen hinein: dass beide Organe, Regierung und PKG, möglicherweise wissentlich den Bundestag und die Öffentlichkeit getäuscht haben. Das wollen wir nicht hoffen!

Die Berlin-Politik muss nun mit schonungsloser Transparenz und ohne Rücksicht auf personelle Konsequenzen die Fragen aufarbeiten, denen man sich noch vor zwei Jahren nicht stellen wollte. Auf jeden Fall ist zu befürchten, dass es sich bei dem bisher Bekanntgewordenen nur um die Spitze des Eisberges handelt. Das Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit der Bundesrepublik und die Verlässlichkeit als Partner sind erschüttert.

Über den Autor: Bernd Oliver Bühler ist geschäftsführender Gesellschafter der Janus Consulting GmbH und Geschäftsführer der Tridens International HR-Solutions GmbH, beide ansässig in Gschwend. An der Universität Poitiers hat er Wirtschaftswissenschaften studiert, zudem ist er Absolvent der Ecole de Guerre Economique, der Schule für Wirtschaftkrieg in Paris.


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