PRJ Banner Akbar I

Unser Sprach-Optimist Murtaza Akbar (Foto) sagt Ciao, Tschüss oder auf Wiedersehen. Ganz wie Sie wollen oder Ihr wollt (auch ums Duzen und Siezen geht es übrigens in seiner heutigen finalen Folge). Denn nach dreieinhalb Jahren und 40 optimistischen Kolumnen im „PR-Journal“ geht er in wunderbarem besten Einvernehmen, auch wenn wir nichts dagegen gehabt hätten, ihn noch gerne länger bei uns im „PR-Journal“ zu haben. Das heißt, er macht einen auf Jürgen Klopp, dem man Gutes nachruft, wenn er geht. Und vielleicht sehen wir ihn ja wieder, hier bei uns als Gast oder sogar mal im Buchhandel, denn so viel sprachliche Unterhaltung gehört doch gebündelt und gedruckt, oder? Zum Abschluss geht er für Sie und Euch nochmal seine ganzen geliebten Sprachthemen durch – mit einem Augenzwinkern natürlich (wie auch sonst? ;-).

Von Murtaza Akbar, Neu-Isenburg

Hach, liebe Leserinnen und Leser dieses so einzigartigen „PR-Journals“, das jeden Dienstagmorgen bei Ihnen im Mailfach branchenkompetent auftaucht und das Sie (oder darf ich Du sagen?) sicher immer gerne anklicken, um reinzuschauen. Was haben Sie, äh Du, darin alles über die Sprache gelesen, hoffentlich viel Optimistisches. Apropos (sagt das eigentlich noch jemand), alle denken – oder sagen wir die meisten (bin ja kein Freund von absoluten Aussagen) –, dass das Gendern das komplizierteste Thema der Sprache sei. Nun ja.

Stimmt nicht, nein, das mit Abstand komplexeste Thema der hiesigen Sprache ist das Duzen und Siezen. Denn das wird nie (hier treffe ich gerne eine absolute Aussage) aufzulösen sein. NIE! Beispiele dazu kann ich Ihnen oder Dir Dutzende, ach was Hunderte, liefern. Nur mal eines: Viele kennen doch diesen Hashtag #gerneperdu (ist das einfach lieb und nett oder doch schon übergriffig?). Den hat mal eine Teilnehmerin eines Workshops zum Start ganz locker ans Flipchart geschrieben. Und alle stimmten dem Hashtag und Duzen (mehr oder weniger) zu, wollte ja keiner der Spielverderber sein in der durchaus größeren Runde. Ergebnis: Es war den ganzen Tag förmlich zu spüren und zu hören, wie schwer es gerade den (auch älteren) Führungskräften fiel, das umzusetzen. War irgendwie sperrig und unlocker die Sache, dabei sollte es doch das Gegenteil sein dank #gerneperdu, oder?

Aber Sprache ist ja noch vielfältiger. Über Empathie und Wertschätzung habe ich nun wirklich oft genug geschwärmt. Und mich über den Mangel davon empört. Das wird sich auch nicht gendern, sorry, ändern. Genauso wenig, dass ich sehr gut mit Anglizismen leben kann, in Maßen natürlich, so wie alles Überdrüssige zu viel ist. Klar. Aber über Anglizismen regen sich immer noch so viele auf. Fast wie beim Gendern. Herrlich. Ob da was fancy oder catchy ist, wir uns committen oder besser was challengen sollen, Hauptsache Storytelling ist dabei, Digga! Ach, da wären wir schon beim nächsten schönen Thema: (Jugend)Slang. Geil (das sagen nur noch Ü35 hab ich gehört). Also, dann eher doch Bruda, Schwesta, Alder oder Oke (statt Okay). Meine Empfehlung: Schauen Sie sich einfach die Serie „Hype“ von Cosmo in der ARD-Mediathek an. Ich liebe alles daran (sagt man doch jetzt so): die Serie, den Slang und die guten jungen Schauspieler.

Genau. Ja, genau! Das sagen alle (na ja, fast alle jungen) Menschen im Alter zwischen 18 und 38 ständig und immer und überall statt „ähm“. „Genau“ ist das Füllwort dieser Generationen schlechthin. Warum? Ja, wenn mir das mal einer oder eine erklären könnte. Obwohl, „keine Ahnung“ wird auch gerne genommen wie natürlich „quasi“ der absolute Klassiker „sozusagen“.

Da bin ich schon bei meinem nächsten Lieblingsthema: Floskeln. Am Ende des Tages läuft es doch immer auf eine Floskel hinaus. Ja, das können Sie mir glauben. Sie sind doch auch sehr wortgewandt, das sehe ich Dir ja an (wir waren ja schon beim Du, oder?). Deshalb lass uns auf Augenhöhe diskutieren. Nachdem wir die Ärmel hochgekrempelt haben natürlich. Da bin ich ganz bei Ihnen, ja ich sieze Dich wieder, weil diese Floskel klingt mit dem Siezen erst so richtig durch. Du willst mehr davon? Na, dann gerne in eine meiner Floskel-Kolumnen reinschauen oder einfach der Floskelwolke auf Twitter folgen. Da sitzen alle in einem (Floskel)Boot.

Hoppala, mir gehen gerade gut und gerne langsam aber sicher die Zeilen aus. Deshalb hier nochmal der beste aller Sprachtipps, bevor es zu spät ist: Schau Dir einfach Interviews mit Mr. Kanzler der Herzen Robert Habeck an. Keiner spricht gerade in diesen so schweren Kriegszeiten klarer und entwaffnender als der grüne Wirtschafts- und Energieminister. Aber das Hoch um ihn ist nicht ohne, denn Hypes sind gefährlich, danach folgt oft ein tiefes Tal. Das sind die klassischen Kurven. Damit Du Bescheid weißt, wenn Habecks Stern (zwischenzeitlich) sinkt. Hier hast Du es zuerst gelesen!

Und jetzt bleibt mir nur noch eines zu sagen: Hat Spaß gemacht mit Ihnen und Dir. Bleiben Sie und Du der wertschätzenden Sprache treu, er ist so schön unser Wortschatz. Ein Traum. Ja, so isses. Macht es gut Leute!

Der Autor Murtaza Akbar ist Geschäftsführer von Wortwahl – Agentur für Unternehmens- und Onlinekommunikation in Neu-Isenburg. Der gebürtige Frankfurter mit pakistanischen Wurzeln ist zudem Dozent an der Hochschule Darmstadt im Studiengang Onlinekommunikation sowie Speaker, Trainer und Coach zum Thema Sprache und (Kunden-)Kommunikation – hier geht’s zu seiner Speaker-Broschüre. Zu erreichen ist Murtaza Akbar per E-Mail beziehungsweise via TwitterInstagram und Facebook.


Wir haben die Kommentarfunktion wegen zu vieler Spam-Kommentare abgeschaltet. Sie können uns aber trotzdem Ihre Meinung zu diesem Artikel als Leserbrief direkt zusenden. Falls Sie wünschen, dass wir Ihren Leserbrief als Kommentar dem Artikel hinzufügen, vermerken Sie dies bitte in der Mail an uns.
leserbrief@pr-journal.de


Werbung

Heute NEU im PR-Journal