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Es gibt zwei, drei Dinge, bei denen Sie eine hundertprozentige Zustimmung erhalten werden. Garantiert, behauptet zumindest unser Sprach-Optimist Murtaza Akbar (Foto). Stellen Sie in einem gut gefüllten – coronakonformen – Saal oder einer Videokonferenz mit jeweils 50 Menschen die Frage: Wer möchte, dass mit ihm oder ihr respektvoll und wertschätzend umgegangen wird? Sie erhalten 100 Prozent Zustimmung, natürlich, auch wenn sich der ein oder andere zieren wird, die Hand zum Melden zu heben. Und es gibt noch eine andere Frage, die laut unserem Sprach-Optimisten ebenfalls alle mit „Ja“ beantworten. Um was es sich dabei genau handelt, erzählt er gerne in seiner neuen Kolumne und hat für Sie dafür auch einen kommunikativen, sehr leicht umsetzbaren Vorsatz für 2022 parat.

Von Murtaza Akbar, Neu-Isenburg

Vorsätze fürs neue Jahr sind ja so ne Sache. Lassen Sie mich einen Vorschlag machen, den Sie mögen werden und der auch gar nicht so viel von Ihnen abverlangt. Was halten Sie davon, in diesem für uns alle hoffentlich gesünderen Jahr 2022 authentisch zu sein? So richtig voll authentisch! Was Sie dafür als erstes machen müssen: Fünf Sätze hintereinander laut (vor Zeugen) aufsagen und in jedem davon kommt das Wort Authentizität vor, ohne stoppen oder verhaspeln natürlich. Probieren Sie es bitte mal aus.

Geschafft? Okay, dann können wir gerne weitermachen. Wir wollen ja schließlich alle immer authentisch sein. Oder haben Sie mal jemanden sagen hören, „Nee, ich will nicht authentisch rüberkommen“ oder „Ich will jetzt mal unauthentisch sein“. Immer dieses authentisch. Sie meinen, das wäre ein Buzzword? Nein, nein, ganz sicher nicht. Da müssen Sie sich irren. Deshalb spielen wir jetzt mal eine Szene durch, eine Präsentation. Und stellen Sie sich vor, Corona wäre nur eine einfache Biermarke, also stünden Sie bei der Präsentation jetzt in einem schicken Konferenzraum vor zehn Menschen, alles Kunden von Ihnen, die um einen ovalen Tisch vor Ihnen sitzen. Wäre doch schön, so live und persönlich, und dann sind alle sogar gespannt auf Sie und Ihre Präsentation. Stark.

Und jetzt sind Sie mal so richtig authentisch. Nein, keine Inszenierung, alles soll authentisch sein, wie oben als Vorsatz ausgegeben. Sie kommen in Ihrer Lieblingsjogginghose, setzen sich erstmal gemütlich hin in diesem stylischen Konferenzraum, trinken einen Kaffee und schwätzen nur mit denjenigen, die Ihnen hier gefallen. Wäre komisch, aber spannend. Dann sagen Sie voll authentisch: „Okay, dann wollen wir mal, Ihr wartet ja bestimmt darauf, dass hier was Grandioses präsentiert wird. Da will ich mich nicht lumpen lassen, ich will Euch ja was verkaufen!“ Auch komisch? Ach was, das ist authentisch. Den Herrn, der nach fünf Minuten auf sein Handy tippt, fahren Sie an, was er sich den da überhaupt erlauben würde? Eine andere will einfach rausgehen (wahrscheinlich auf die Toilette): „Sie bleiben mal schön hier, bis ich fertig bin, so lange kann das sicher warten.“ Authentisch halt.

Okay, übertrieben meinen Sie? Könnte sein. Dann will ich Ihnen mal eine wahre Anekdote aus meinem Leben als Auftritts- und Präsentationstrainer schildern. Sie ist schon zigmal vorgekommen und startet in der Regel, bevor ich überhaupt anfange, jemanden zu coachen (oh, darf man das Wort „Coach“ oder „coachen“ noch verwenden oder ist es vollends verbrannt, gibt ja so viele davon, gerade bei diesem LinkedIn). Zurück zu, nennen wir sie Carina. Wir beide sitzen hinten in einem Saal, in dem Carina gleich einen kurzen Vortrag vor gut 50 Menschen halten wird. Sie ist aufgeregt, natürlich, ganz normal. Wenn ich vor einem Vortrag nicht mehr aufgeregt wäre, könnte ich aufhören, dann wird er nicht gut, ist zumindest bei mir so.

Carinas Vortrag beginnt erst in einer halben Stunde und wir unterhalten uns ganz normal, machen Späße, haben eine gute Zeit. Dann will sich Carina konzentrieren, denn in fünf Minuten ist sie dran. Und dann passiert es. Es ist unvorstellbar, aber es passiert nahezu jedem, sicher auch Ihnen schon mal. Carina geht zur Bühne, es müssen so 15 Meter sein, sie geht Schritt für Schritt und verändert sich dabei, ohne dass es irgendjemand bemerkt (wahrscheinlich nicht mal sie selbst) – und dann steht sie auf der Bühne und legt los: Sie spricht auf einmal förmlich, in teilweise sperrigen, komplizierten Sätzen, sie lacht kaum mehr, sie guckt ernster, nervöser, sie hält sich am Pult fest, sie, ja wo ist sie? Die Carina von eben? Weg, irgendwo verschwunden. Meistens erscheint sie wieder, sobald sie von der Bühne abtritt. Dann ist sie wieder authentisch. Was Bühnen aus einem machen. Krass. Und auf wie vielen Bühnen sind Sie so im Leben unterwegs?

Der Autor: Murtaza Akbar ist Geschäftsführer von Wortwahl – Agentur für Unternehmens- und Onlinekommunikation in Neu-Isenburg. Der gebürtige Frankfurter mit pakistanischen Wurzeln ist zudem Dozent an der Hochschule Darmstadt im Studiengang Onlinekommunikation sowie Speaker, Trainer und Coach zum Thema Sprache und (Kunden-)Kommunikation – hier geht’s zu seiner Speaker-Broschüre. Zu erreichen ist Murtaza Akbar per E-Mail beziehungsweise via TwitterInstagram und Facebook.


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