PRJ Banner Akbar I

Es sind sensible Zeiten während dieser Corona-Pandemie. Und es passiert wenig auf den Straßen und doch so viel drinnen. Viele Menschen zeigen zum Beispiel erstmals einen Teil ihres trauten Heims, praktisch kleinere bis größere Homestorys als Film oder Fotos. Unserem Sprach-Optimisten Murtaza Akbar (Foto) sind dabei zahlreiche Homeoffice-Bilder in den vergangenen Tagen auf den verschiedensten Kanälen über den Weg gelaufen. Diese Vertrautheit und Flexibilität stimmen ihn optimistisch in diesen Tagen und Wochen, in denen er digitale Modernität auf der einen Seite und Sehnsucht nach Oldschool anmutenden Dingen auf der anderen Seite wahrnimmt. Ein Spagat, der ihn trotz der Krise zuversichtlich macht.

Von Murtaza Akbar, Neu-Isenburg

„Es ist gerade etwas spooky“, habe ich von einem Jugendlichen gehört, der an unserer Agentur vorbeilief, während mein Fenster offenstand. Oh ja, gespenstisch still ist es auf manchen Straßen. Haben diese surrealen, unwirklichen Tage und Wochen auch etwas Gutes? Als Sprach-Optimist möchte ich natürlich vor allem jetzt meinem Namen besondere Ehre machen. Uff, das ist eine Aufgabe. Von globaler Krise bis Apokalypse ist ja bei Corona die Rede. Was soll daran gut sein? Unsere grundlegenden Werte werden uns (hoffentlich) wieder bewusster: Familie, Gesundheit, Freiheit und idealerweise auch Dankbarkeit und Rücksicht. Nicht bei allen. Jeder von uns kennt auch diejenigen, die den Abstand nicht wahren oder Toilettenpapier, Mehl und Nudeln horten, als gäbe es kein Morgen (warum eigentlich so viel Mehl?).

Von Solidarität ist jetzt die Rede. Mensch, das Wort ist Oldschool und doch so wunderbar, wenn es in die Tat umgesetzt wird. Mich erinnert es an Polen, Lech Wałęsa und Solidarność. Davon habe ich als Kind in der Tagesschau gehört. Sie sehen, ich habe schon ein paar Jahre Erfahrung. Und wie Solidarität erlebt auch die Tagesschau aktuell eine Renaissance mit bis zu 20 Millionen Zuschauer bei der 20.00 Uhr-Ausgabe. Wie Thomas Gottschalk zu seinen besten „Wetten, dass …“-Zeiten. Was wären manche froh um solch eine Ablenkung dieser Tage. Wobei das Wetten, dass…-Sofa dann schon 20 Meter breit sein müsste, damit alle Gäste mit gebührendem Abstand drauf sitzen dürften. Auch nicht wirklich gemütlich.

Aber immer noch besser als die aktuellen Videoschalten im Fernsehen. Oder TV-Titel wie Quarantäne-WG. Himmel! Wobei die Anbieter Zoom Video und Microsoft Teams ja gerade durch die Decke gehen. Ich gebe zu, fürs Homeoffice ist das klasse. Dort arbeitet auch unser Agenturteam, während wir zu zweit in der Agentur die Stellung halten, mit Abstand zueinander, hat auch was. Wobei wir in unserer Agentur ja eh alle über so viele Kanäle vernetzt sind. Ist auch ein bisschen spooky, aber wir machen ja Unternehmens- und Onlinekommunikation, da gehört das dazu. Ganz nebenbei: Gibt es für Homeoffice oder Homeschooling eigentlich deutsche Begriffe? Okay, Heimbüro klingt zugegebenermaßen recht bescheiden.

Apropos Homeoffice, ich bin schon traurig, dass in der kommenden Zeit meine Keynotes (ein wunderschöner Anglizismus für Vorträge) verschoben werden müssen. Gesundheit und #WirBleibenZuhause gehen natürlich vor. Dabei liebe ich den Live-Charakter so sehr. Jetzt ist deshalb Kreativität gefragt. Ja, ja, leicht gesagt. Aber ich habe mir was Tolles einfallen lassen. Nein, keine weitere Videoschalte. Wird noch nicht verraten. Seien Sie gespannt! Noch wichtiger: Wissen Sie, was ich als wirklich große Chance sehe? Dass wir jetzt (und vielleicht auch künftig) wertschätzender und rücksichtsvoller miteinander kommunizieren!

Stellen Sie sich vor: Sie schreiben eine E-Mail und sie wird beantwortet, sogar persönlich, individuell und „zeitnah“ (ich weiß, ein Modewort). Auf einmal sind viele von uns aufmerksamer (oder wachsamer?), wenn es um die Wortwahl, Aussagen und Schwingungen in Gesprächen, Telefonaten oder Videokonferenzen geht. Und wir hoffen alle auf verbindliche und konkrete Antworten. Müssen wir dafür nicht bei uns selbst anfangen? Und sind wir in Krisenzeiten verlässlicher?

Verbindlich und konkret zu sein, bedeutet einiges an Arbeit, Energie und Entscheidungsfreude. Das ist Wertschätzung par excellence. Hoppala, statt Anglizismen geht’s jetzt sogar ins Französische (wobei einen französischen Begriff hatte ich in dieser Kolumne schon zuvor). Insofern: Excuse moi! Meine abschließende Bitte: Lassen Sie die Werte Solidarität und Wertschätzung voller Kraft wiederaufleben – in Worten und Taten. Wir alle werden es brauchen. Bleiben Sie wohlauf! 

Über den Autor: Murtaza Akbar ist Geschäftsführer von Wortwahl – Agentur für Unternehmens- und Onlinekommunikation in Neu-Isenburg. Der gebürtige Frankfurter mit pakistanischen Wurzeln ist zudem Dozent an der Hochschule Darmstadt im Studiengang Onlinekommunikation sowie Speaker, Trainer und Coach zum Thema Sprache und (Kunden-)Kommunikation. Zu erreichen ist Murtaza Akbar per E-Mail beziehungsweise via TwitterInstagram und Facebook.


Wir haben die Kommentarfunktion wegen zu vieler Spam-Kommentare abgeschaltet. Sie können uns aber trotzdem Ihre Meinung zu diesem Artikel als Leserbrief direkt zusenden. Falls Sie wünschen, dass wir Ihren Leserbrief als Kommentar dem Artikel hinzufügen, vermerken Sie dies bitte in der Mail an uns.
leserbrief@pr-journal.de