Wir können alles. Außer Hochdeutsch! Kennen Sie, klar. Prämiert, ausgezeichnet, renommiert und überhaupt ist der Slogan, mit dem das Bundesland Baden-Württemberg für sich wirbt. Und ein bisserl arrogant ist der Spruch auch. Findet unser Sprach-Optimist Murtaza Akbar (Foto) ja schön, wenn ein Slogan so gut ankommt. Dialekte sind für ihn sowieso was Schönes. Davon gibt es jede Menge hierzulande. Richtig interessant wird es etwa, wenn sich ein Norddeutscher mit einem Oberbayer unterhält, sofern sie sich verstehen. Für unseren Sprach-Optimisten wird es nämlich schon eng, wenn ein Kollege aus Bayern ihm eine einfache Uhrzeit zuruft. Da muss er schon mal nachfragen. Macht nichts, er liebt die deutsche Sprache dennoch. Und die dürfen wir am 21. Februar 2020 wieder ganz offiziell feiern. Was, Sie kennen den Grund nicht?

Von Murtaza Akbar, Neu-Isenburg

Hätte ich das gewusst! Mensch, schon doof für mich. Ich hätte mich ganz locker flockig mit weit mehr als einer Milliarde Menschen jeweils in ihrer eigenen Muttersprache unterhalten können. Welch‘ wunderbare Vorstellung für einen Sprach-Optimisten. Ich konnte tatsächlich mal fünf Sprachen von sehr gut bis einigermaßen sprechen. Krass, wenn ich daran denke. Heute ist praktisch nur noch Deutsch und Englisch übriggeblieben und ein rudimentäres Urdu. Das sprechen die Menschen in Pakistan. Und auch in Indien, denn das gesprochene Urdu und Hindi gleicht sich sehr. Also Bollywood-Filme im Originalton sind kein Problem für mich. Dafür müsste ich nur mal drei Stunden am Stück Zeit haben und am besten eine Sonnenbrille aufsetzen, um die grellen Farben zu ertragen. Nee, stimmt nicht, habe ich nur geschrieben, um intellektuell zu wirken. In echt finde ich manchen Bollywood-Schinken wundervoll.

Genauso wie die deutsche Sprache. Diesen Monat ist wieder der Internationale Tag der Muttersprache. Ja, sowas gibt’s wirklich, immer am 21. Februar. Sogar ganz offiziell von der Unesco initiiert. Da werde ich sicher wieder vermehrt gefragt, ob ich nicht Angst habe, dass die deutsche Sprache ausstirbt. So’n Quatsch! Sagenhafte 118 Millionen Menschen haben Deutsch als Muttersprache. Klar, Chinesisch führt mit mehr als einer Milliarde Muttersprachler vor Hindi und Englisch. Aber Deutsch ist mit Platz zwölf nach wie vor topp. Deutsch wird hiermit von mir zu einer der Weltsprachen erklärt. Wunderbar, allein wenn ich an den Wortschatz denke.

Nur bei den ganzen Dialekten hierzulande blicke ich nicht durch. Geografisch bin ich übrigens auch nicht die hellste Kerze auf der Torte. Sagt man doch jetzt so, um lässig zu wirken. Dass mit den mangelnden Geografie­kenntnissen gilt bei mir aber nur für Flüsse und Gebirge. Und Bayern. Ein toller Mitarbeiter aus meinem Team kommt aus Bayern. Aschaffenburg, um genau zu sein. Und er hat mir mal das ganze Regionen-Portfolio mit Oberbayern, Niederbayern, Oberfranken, Niederfranken, Schwaben und Oberpfalz erklärt. Das ist einfach zu hoch für mich. Halt, Mittelfranken habe ich noch vergessen. Das ist das Einzige, was ich mir merken kann, liegt nämlich irgendwo in der Mitte von Bayern.

Aber ich wollte ja eigentlich was zu den Dialekten sagen. Und da wird’s in Bayern noch kurioser. Da gibt’s zum Beispiel Nordbairisch oder Mittelbairisch, jeweils mit „i“ geschrieben. Das verwirrt mich vollends. Und auch wenn der klasse Kollege aus Bayern sagt, dass er um Viertelzwölf zum Kundentermin fährt, muss ich nachfragen. Ich kann es mir einfach nicht merken. 11:15 Uhr hat er mir dann in einwandfreiem Hochdeutsch zugerufen. Da kam ich mir schon ein wenig wie ein Sprach-Amateur vor.

In Deutschland gibt es übrigens mehr als 30 Dialekte. Ja, wirklich. Ich kann leider nur Hessisch. Horsche ma, da gibt’s nix, gell? Letztens fragte mich tatsächlich ein Tourist, ob Frankfurt nicht eine eigene Region wäre. Frankfurt und Hessen wären doch zwei Paar Schuhe so wie New York und USA. Ich gebe zu, der Vergleich schmeichelt einem gebürtigen und überzeugten Frankfurter wie mir, aber nein, Frankfurt ist Ur-Hessisch. Absurderweise fragte er mich das in einer Ebbelwoi-Kneipe in Sachsenhausen. Also, hessischer geht‘s ja kaum. Ich hatte dann noch kurz überlegt, ob ich mit ihm Stadt, Land, Fluss nur bezogen auf Hessen spiele. Aber womöglich kennt der gute Tourist sich dann mit Flüssen doch besser aus als ich. Ist ja nicht schwer. Nee, dann doch lieber zusammen Handkäs mit Musik genießen. Sehr zu empfehlen übrigens, zumindest wenn Sie am nächsten Tag keinen Kundentermin haben …

Über den Autor: Murtaza Akbar ist Geschäftsführer von Wortwahl – Agentur für Unternehmens- und Onlinekommunikation in Neu-Isenburg. Der gebürtige Frankfurter mit pakistanischen Wurzeln ist zudem Dozent an der Hochschule Darmstadt im Studiengang Onlinekommunikation sowie Speaker, Trainer und Coach zum Thema Sprache und (Kunden-)Kommunikation. Zu erreichen ist Murtaza Akbar per E-Mail beziehungsweise via TwitterInstagram und Facebook.


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