Woher sprechen Sie so gut Deutsch? Eine absolute Lieblingsfrage für unseren Sprach-Optimisten Murtaza Akbar (Foto), der sie aber zu seinem Bedauern kaum mehr gestellt bekommt. Dabei wird er dann ganz besinnlich und das mitten im Jahr, was ihn zu seiner Kindheit, Integration, Migration – und sogar einem Löwen führt. Denn den trägt er im Herzen – und hat ihn im Arm. Jetzt wird’s etwas kompliziert. Ist aber alles ganz einfach. Deshalb lesen Sie am besten selbst, was er zu Lieblingswörtern, Schlagern und vor allem Europa zu sagen hat.

Integration, Migration, Löwe, Hessen? Europa!

Wenn Sie wüssten, wie ich diese Frage liebe. Aber seit langem hat sie mir keiner mehr gestellt. Das ist so schade. Dabei habe ich 23 verschiedene Antworten darauf. Manche sind etwas geschummelt. Schummeln? Das habe ich zuletzt als Kind mal gesagt. Wie heißt das heute? Die Unwahrheit sagen? Könnte sein. Im Bundestag dürfen sich Politiker jedenfalls nicht der Lüge bezichtigen. Nein, das ist nicht erlaubt, hat Wolfgang Schäuble gesagt. Die „Unwahrheit“ soll man stattdessen dem anderen vorwerfen, meint der Bundestagspräsident. Also, dann will ich hier lieber mal Wahrhaftiges äußern. 22 meiner 23 Antworten enthalten große Mengen von Unwahrheit auf diese von mir so geliebte Frage – die da lautet: „Woher sprechen Sie so gut Deutsch?“. Herrlich.

„Vier Jahre Praktikum in der Verwaltung des Goethe-Instituts in Südafrika“, ist eine meiner Antworten. Ob es dort überhaupt ein Goethe-Institut gibt und wie ich darauf komme, ich weiß es schlicht nicht. Fantasie. Oder Phantasie. Ganz wie Sie wollen. Wenn Sie die anderen 22 Antworten wissen möchten, müssen Sie mal zu einem meiner Vorträge kommen, dort erzähle ich ein ganzes Spektrum davon. Könnte aber zu einer Bauchmuskelzerrung führen. Denn über Deutsch zu erzählen und dabei ernst zu bleiben, gelingt mir immer nur so lala. Ein bisschen Spaß muss sein. Von wem stammt der Schlager nochmal? Und woher kann der Sänger so gut Deutsch? 

Heute ist die Frage fast doppeldeutig. Ja. Denn ganz unbescheiden kann ich ja schon behaupten, dass ich zumindest überdurchschnittlich gut Deutsch sprechen und sogar schreiben kann. Aber nein, die Frage bezieht sich ganz klar auf die Grundkenntnisse der deutschen Sprache. Und wenn ich an meine Kindheit denke, in der ich die Basis dieser so wunderbaren Sprache gelegt habe, und was sich daraus entwickelt hat, werde ich besinnlich. Passt. Ist ja hier meine Europawahl-Kolumne. Apropos: Mein ehrlicher, aufrichtiger, ernstgemeinter Appell: Gehen Sie wählen für ein wunderbares, gemeinsames, friedliches und freies Europa! Gerne auch mit ein wenig bis etwas mehr Vielfalt.

Dafür stehe ich ein. Ich darf Ihnen nämlich verraten, dass ich mich sehr geehrt fühle. Denn seit einiger Zeit bin ich Mitglied und Botschafter der Kampagne „Löwen im Herz“. Wunderbar. Es geht um was richtig Wichtiges. „Löwen im Herz“ ist die Integrationskampagne des Landes Hessen. Migration gehört auch dazu, wobei ich das eher von Technologieunternehmen kenne. Da wird gerne mal eine Software migriert. Dabei gibt es ja auch diesen Migrationshintergrund. Wann genau ist dieses Wort eigentlich entstanden? Das kannte ich alles gar nicht. Ich war einfach der Ausländer. Ich gebe dennoch zu: Hesse mit Migrationshintergrund klingt cooler und irgendwie wichtiger.

Wie oft ich in Interviews und Diskussionsrunden schon gefragt wurde, wie wichtig die deutsche Sprache bei der Integration ist, kann ich nicht mehr zählen. Meine Antwort, dieses Mal ganz ohne Unwahrheit: Hierzulande Deutsch zu sprechen, zu verstehen und am besten auch noch zu lesen und zu schreiben, ist enorm, ja lebenswichtig, und zwar für wirklich jeden, ganz gleich, um wen es geht. Die Sprache ist elementar für mehr als 80 Millionen Menschen oder besser noch für 750 Millionen Europäer. Denn sie ist das wichtigste Kommunikationsmittel, das wir haben.

Sie merken, zur Europawahl will ich Ihnen noch eine Herzensbotschaft der Verständigung mitgeben. Herz ist übrigens ein wunderbares Wort. Überhaupt, was mit Sonne oder Herz zu tun hat, ist mir im Wortsinne hochsympathisch: Sonnenschein, Sonnenstrahlen, Herzenswärme, Herzenslust. Dazu gehört auch: lichtdurchflutet. Gerne inflationär verwendet von Immobilienmaklern. Was sind Ihre Lieblingswörter? Mailen Sie mir. Und gehen Sie zur Europawahl. Hatte ich das schon gesagt? Europa – viel mehr als nur ein schönes Wort.   

Über den Autor: Murtaza Akbar ist Geschäftsführer von Wortwahl – Agentur für Unternehmens- und Onlinekommunikation in Neu-Isenburg. Der gebürtige Frankfurter mit pakistanischen Wurzeln ist zudem Dozent an der Hochschule Darmstadt im Studiengang Onlinekommunikation sowie Speaker, Trainer und Coach zum Thema Sprache und (Kunden-)Kommunikation. Falls Sie Vorschläge zu Lieblingswörtern, Unwörtern, Floskeln, PR- und Social-Media-Sprech, Auffälligkeiten oder Besonderheiten der deutschen Sprache haben, schreiben Sie gerne Murtaza Akbar per E-Mail beziehungsweise via Twitter, Instagram und Facebook.


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