Interviews & Debatten Fusion von GK und PRCC „Wir wollen gemeinsam etwas Neues schaffen“
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- von Joris Duffner, Dortmund
Die Personalberatungen GK und PRCC schließen sich zu GKPRCC zusammen und verbinden damit zwei seit Jahren im Markt etablierte Häuser für Corporate Affairs und Marketing. Künftig führen Philip Müller, Christian Löcker, Kirsten Altenhoff und Thomas Lüdeke das gemeinsame Unternehmen, Gabriele Kaminski begleitet es als Chair. Im Interview sprechen Müller und Löcker darüber, warum der Zeitpunkt für den Zusammenschluss gekommen ist, was sich für Kund:innen und Kandidat:innen verändert – und welche Rolle KI, neue Kompetenzprofile und eine starke internationale Aufstellung dabei spielen.
PR-Journal: GK und PRCC waren schon vor dem Zusammenschluss etablierte Personalberatungen für Kommunikation, Corporate Affairs und Marketing. Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Kräfte zu bündeln?
Philip Müller: Der Merger ist nicht zuletzt eine Antwort auf veränderte Marktgegebenheiten und Kundenbedürfnisse: KI, veränderte Rollen und Kompetenzen sowie die Entwicklung hin zu Corporate Affairs, die Funktionen und Disziplinen stärker zusammenwachsen lässt. Gleichzeitig ist der Effizienzdruck massiv: Es muss mehr mit weniger erreicht werden. Die Ansprüche an Kandidat:innen und verantwortliche Kommunikator:innen steigen. Gerade bei Top-Führungskräften müssen sich immer mehr Fähigkeiten und Eigenschaften, was Mindset und Skillset angeht, in einzelnen Personen vereinen. Damit nimmt auch der Beratungsbedarf auf Arbeitgeberseite zu. Wir führen jahrzehntelange Erfahrung und Prozesskompetenz zusammen und können diesen Beratungsbedarf dadurch besser abdecken – und noch schneller die am besten passenden Personen finden.
Christian Löcker: Dazu kommt, dass sich das Personalberatungsgeschäft durch technologische Innovationen verändert. In einem größeren Setup können wir diesen Anforderungen besser gerecht werden. Wir wissen heute teilweise noch nicht genau, welche Prozessschritte in den nächsten fünf Jahren durch KI flankiert oder substituiert werden. Aber wir können uns darauf vorbereiten, das beobachten, die richtigen Fragen stellen und versuchen, die richtigen Antworten zu finden. Jetzt ist ein guter Moment, um dafür die Kräfte zu bündeln. Weil wir im Management breiter aufgestellt sind, können wir zudem einzelne Felder gezielter ausbauen: Public Affairs oder auch den Investor-Relations-Bereich. Wir marschieren nicht mehr nebeneinander und agieren als Wettbewerber, sondern zusammen. Das bringt mehr Manpower in der Betreuung der Kunden und für den Ausbau einzelner Disziplinen.
PRJ: Was haben Kund:innen sowie Kandidat:innen konkret von dem Merger?
Müller: Wir haben eine noch stärkere Marktdurchdringung durch gebündelte Netzwerke. Jeder Personalberater und jede Personalberaterin hat ein eigenes Netzwerk, das intensiv gepflegt wird. Jetzt bringen wir mehrere Generationen zusammen, die mit verschiedenen Netzwerken unterwegs sind. Wenn man das addiert, durchdringen wir den Markt sehr breit und tief.
Zweitens ergänzen wir unsere Expertise und können umfassendere Services anbieten. Wir können Outplacement und Interim Management weiter stärken sowie Beratung, die über die reine Besetzung hinausgeht, etwa beim Umbau von Abteilungen und der Überprüfung von Rollenprofilen.
Drittens verfügen wir durch das Zusammengehen und neue Partner über eine globale Präsenz. Das hilft bei länderübergreifenden Suchen, die immer mehr zum Standard werden.
Löcker: International passt unser Schritt zu Entwicklungen im Netzwerk. In Großbritannien hat sich Taylor Bennett mit Birchwood zusammengeschlossen, ebenfalls um als größere Adresse breiteres Know-how gemeinsam am Markt anzubieten. Weitere Partner sind hinzugekommen. Für Kandidat:innen heißt das: Sie haben Ansprechpartner, die über eine größere Breite an Zugängen verfügen.
Müller: Zusammengefasst freut uns, dass wir jetzt das erfahrenste, modernste Executive-Search-Team haben, das es für Corporate Affairs im gesamten DACH-Raum gibt und das mit den internationalen Partnern auch deutlich darüber hinausgeht.
PRJ: Wo ergänzen sich GK und PRCC besonders?
Löcker:Was Executive Search und Interim Management angeht, waren die beiden Unternehmen sehr vergleichbar aufgestellt. PRCC hat schon länger auch Outplacement und Transformationsberatung im Angebot, diese Services werden wir nun gemeinsam ausbauen. In den Prozessen gibt es unterschiedliche Ausprägungen – etwa darin, wie man eine Suche strukturiert oder wie man welche Technologie nutzt. Da können wir voneinander lernen. Außerdem haben sich über die Jahre Schwerpunkte entwickelt, zum Beispiel Mittelstandsexpertise, bestimmte Zugänge oder eine Stärke in Governmental Relations. Obwohl wir beide in allen Märkten Touchpoints hatten, haben sich in bestimmten Funktionsbereichen oder Sektoren Schwerpunkte herausgebildet. Genau dort entstehen sinnvolle Ergänzungen und Erweiterungen.
PRJ: Sie waren über Jahre auch Wettbewerber. Wie groß ist der gedankliche Wechsel vom Konkurrenten zum Partner?
Löcker: Die Teams freuen sich, und wir freuen uns auch sehr im Partnerkreis. Es gibt unterschiedliche Formen von Konkurrenz, und wir hatten immer eine gute Mischung aus Respekt und Sympathie für das, was die anderen machen. Für mich ist der gedankliche Shift deshalb gar nicht so groß.
Müller: Das geht mir auch so. Christian und ich kennen uns länger, als es PRCC gibt, und das sind 16 Jahre. Es ist ein freundschaftliches Verhältnis entstanden, geprägt von Respekt und Wettbewerbsdenken. Aber es war eher ein Marktbegleiter-Thema als ein Gegnerdenken. Neben der persönlichen Komponente ist das unternehmerisch interessant. Wir haben richtig Lust auf das, was kommt.
PRJ: Zwei etablierte Unternehmen bringen immer eigene Kulturen und Arbeitsweisen mit. Wie gut passen die zusammen?
Löcker: Wir hatten auch beide unabhängig voneinander immer schon „One P&L“, weil wir nicht an Profit-Center und Standorte glauben, die miteinander konkurrieren. Das sind starke Indikatoren dafür, ob man ein gleiches Verständnis der Zusammenarbeit hat. Hinzu kommen eine grundsätzliche Zugewandtheit, Interesse an Menschen, Aufmerksamkeit und auch ein kompatibler Humor. Das sind Personality-Traits, in denen wir uns alle wiederfinden können.
PRJ: Künftig führen neben Ihnen Kirsten Altenhoff und Thomas Lüdeke das gemeinsame Unternehmen, Gabriele Kaminski begleitet es als Chair. Wie ist die neue Geschäftsführung inhaltlich organisiert? Wie verteilen Sie Zuständigkeiten und Verantwortung?
Löcker: Wir wollen die Verantwortung in der Geschäftsführung nicht zu stark segmentieren. Wir glauben daran, dass wir als Geschäftsführungsteam gemeinsam Entscheidungen treffen und das Unternehmen führen sollten. Deshalb haben wir keine abgegrenzte Standort- oder Sektorenlogik. Natürlich wird es Zuständigkeiten geben – etwa, wer stärker den Personal-, Thought-Leadership- oder IT-Hut aufhat. Daneben wird es Schwerpunktthemen geben.
Müller: Das ergibt sich organisch aus der Expertise der Einzelnen und der Marktlogik. Kirsten Altenhoff sitzt in Berlin, und damit liegt bei ihr auch ein Teil des Public-Affairs-Geschäfts. Thomas Lüdeke hat sehr viel Erfahrung mit Familienunternehmen. Das Internationale liegt stark bei Christian und bei mir. Gabriele Kaminski wird als Chair der Firma weiter eng begleiten und in dieser Rolle beraten. Das ist eine gute Kombination aus Kundenbetreuung, strategischem Ausbau von Feldern sowie Marktbeobachtung und neuen Impulsen.
PRJ: Wie stellt sich der Markt für Kommunikation und Corporate Affairs derzeit dar? Wo liegen die größten Herausforderungen?
Löcker: Das muss man von Markt zu Markt unterschiedlich beantworten. Unsere Kollegen in den USA beschreiben einen extrem robusten Markt. Die konjunkturelle Lage in Kontinentaleuropa hat dagegen dazu geführt, dass sich der Markt verlangsamt hat. In einzelnen Funktionssegmenten entwickeln sich die Dinge aber sehr dynamisch. Bei Governmental Relations und politischer Kommunikation ist zum Beispiel unheimlich viel Zug drauf.
Gleichzeitig verändert sich der Anspruch an Kommunikation: Der Umgang mit KI gehört dazu, aber auch die Nähe zum Geschäft und die Fähigkeit, Business durch Kommunikation zu unterstützen und das datenbasiert transparent zu machen. Es gibt einen hohen Bedarf an Kandidat:innen, die neben ihren kommunikativen Fähigkeiten eine ausgewiesene Management-Expertise haben. Gefragt sind Menschen, die Führung neu definieren und eine Kommunikationsorganisation weiterentwickeln und transformieren können.
Müller: Eine große Frage für immer mehr Kommunikationsentscheider lautet: Wenn ich neue Skills und Kapazitäten im Team brauche, brauche ich dafür Menschen oder kann ich das mit KI machen? Vom CEO gibt es oft die Forderung nach mehr mit weniger. Plakativ gesprochen: Verstärke ich mich mit einem Menschen oder mit einem Agenten? Je stärker hybride Teams kommen, desto stärker stellt sich die Frage, welche Skills eine KI haben muss und welche Skills der Mensch braucht, um mit ihr umzugehen. Damit beschäftigen wir uns intensiv.
PRJ: Welche Rolle spielt die Internationalisierung für das gemeinsame Unternehmen?
Löcker: Der Austausch zwischen den Märkten ist für uns jetzt ein interessanter Hebel, dessen Bedeutung weiter zunehmen wird. Die Zusammenarbeit mit unseren internationalen Partnern gibt es schon seit vielen Jahren, zuletzt sind neue Partner hinzugekommen, etwa im Middle East und in Asia Pacific. Das ist deshalb sinnvoll, weil die internationale Durchlässigkeit auf Management-Level in Kommunikation und Governmental Affairs größer ist als in der Vergangenheit. Das ist für uns eine interessante Chance – und für unsere Klient:innen und Kandidat:innen.
PRJ: Wenn Sie drei Jahre nach vorne blicken: Woran würden Sie erkennen, dass der Zusammenschluss die richtige Entscheidung war?
Löcker: Bei einem Zusammenschluss ist wichtig, dass die Harmonisierung von Prozessen funktioniert. Das Kulturelle ist aber, glaube ich, das Wichtigste: dass wir intern so zusammenwachsen, wie sich das jetzt schon in den ersten Schritten abzeichnet. Unterm Strich darf es nicht einfach nur die Addition von zwei erfolgreichen Unternehmen werden, 1 + 1 sollte merklich mehr als 2 ergeben. Wir wollen gemeinsam Neues schaffen, mit echtem Mehrwert für alle Beteiligten: Unsere Kolleg:innen sollen von neuen Entwicklungsmöglichkeiten profitieren und unsere Klient:innen und Kandidat:innen durch uns noch erfolgreicher werden.
Müller: Unser Anspruch als Personalberatung ist, erster Ansprechpartner für jede Suche zu sein, bei der wir helfen können. Die bisherigen Kund:innen von GK und von PRCC sollen wissen und erfahren, dass wir auch und gerade als GKPRCC Top-Qualität liefern und dass wir sie nun sogar noch umfassender unterstützen können als bisher. Das gilt natürlich auch für jene Unternehmen, die bisher noch nicht mit uns zusammengearbeitet haben. Wenn uns das gelingt, dann ist unser Plan aufgegangen.