Philipp Schindera

Vom Fax-Presseversand zur Pressekonferenz im Metaverse

In diesen Tagen feierte er sein 25-jähriges Dienstjubiläum: Philipp Schindera ist seit 1996 bei der Deutschen Telekom AG. Angefangen hat er dort als Pressesprecher für Funkrufdienste bei T-Mobile. Seit 2006 ist er Leiter der Unternehmenskommunikation und erlebt seither Transformation in einer Dauerschleife. Im Podcast-Interview des Monats, das jetzt online ist, spricht „PR-Journal“-Chefredakteur Thomas Dillmann mit seinem Gast ausführlich über die Entwicklung der Kommunikation bei der Deutschen Telekom und darüber hinaus. Philipp Schindera wagt darin auch einen Ausblick in die Zukunft und gibt auch ein paar Details zu seiner Heimatverbundenheit mit dem Saarland preis. Nachfolgend in schriftlicher Form einige Auszüge aus dem Interview, das hier in voller Länge (38 Minuten) zu hören ist.

PR-Journal: Herr Schindera, Sie haben bei T-Mobile im Jahr 1996 angefangen als Pressesprecher für Funkrufdienste. Wie sah das damals aus? Nehmen Sie uns mal bitte mit in diese Zeit.
Philipp Schindera: Wir haben Pressemitteilungen per Fax verschickt. Als ich angefangen habe, war das eine technische Neuerung. Man sagte mir Mensch, das ist doch klasse. Bisher haben wir sie per Post verschickt. Ich hatte damals gefragt, warum wir es nicht per E-Mail verschicken. Da sagte man mir, in den Redaktionen sei das noch nicht so verbreitet. Und deswegen wollte man sie lieber per Fax verschicken. Das war ja auch schnell genug. Das waren die Zeiten damals. Es gab erste Internetangebote, aber wir als Telekom beispielsweise und auch als Mobilfunk Tochter hatten keinen Internetauftritt, von Intranet oder Social-Intranet ganz zu schweigen.

PR-Journal: Dann aber nahm die fortwährende Veränderung oder Transformation an Fahrt auf. Ich glaube, Ihr Jobprofil mussten Sie im Fünf-Jahresrhythmus anpassen, oder? Sie waren Pressesprecher, Verantwortlicher für externe und interne Kommunikation, haben beide Disziplinen zusammengeführt, waren Social Media Manager, Newsroom-Manager… und so weiter. Wie haben Sie das hingekriegt? Wie viel muss man dabei vielleicht auch leiden, um mit den technischen Entwicklungen Schritt zu halten?
Schindera: Also als Leiden sehe ich das überhaupt nicht. Das ist das Spannende und Interessante an dem, was ich mache und was wir in der Kommunikation machen.
Ich habe mit Faxgeräten angefangen. Heute betreiben wir ungefähr 20 eigene Kanäle intern und extern und haben zusätzlich die verschiedenen Social-Media-Kanäle.
Wir haben Blogs, Webseiten und Podcasts und damit eine ganz große Vielfalt. Und das macht es so spannend und interessant. Ich empfinde das als Herausforderung und als Bereicherung und das ist auch der Grund, warum ich nach wie vor dabei bin. Natürlich sind Transformation und Veränderung manchmal etwas unbequem, weil man aus dem gewohnten Umfeld herausgerissen wird.
Auf der anderen Seite ist es das, was meiner Ansicht nach das Leben auch spannend macht, dass man ständig neue Dinge erlebt. Und das kommt hier bei der Telekom zusammen.

PR-Journal: Ist Ihnen eigentlich zwischendurch an bestimmten Punkten bewusst geworden, dass jetzt eine neue Etappe angefangen hat oder gingen diese Veränderungen schleichend vonstatten?
Schindera: Also wir haben hier bei der Telekom in den Jahren 2007 und 2008 angefangen, die einzelnen Pressestellen zusammenzufassen, weil wir der Ansicht waren, dass wir die Themenwelt der Telekom ganzheitlich angehen müssen. Irgendwann haben wir festgestellt, dass es nur mit dem Zusammenfassen unter einem Dach eigentlich nicht getan ist, sondern dass wir auch die vertikale Abgrenzung aufbrechen müssen und eher horizontal vernetzen müssen. Und als wir das gemacht haben, ist uns aufgefallen, dass wir agile Elemente reinbringen müssen, um auch der Schnelllebigkeit der Medien gerecht werden zu können. Ja, und danach ist uns dann im nächsten Schritt in den Sinn gekommen, dass das Thema Newsroom sicherlich etwas wäre, was uns dann noch mal in der Produktion sehr helfen würde.
So kam eins zum anderen. Wir hatten am Anfang immer eine ungefähre Idee, die sich dann im Laufe der Zeit stärker konkretisiert hat. So habe ich immer wieder das Bild einer Treppe vor mir, auf der man von einer Stufe zur nächsten geht, obwohl gerade erst die nächste Stufe gebaut wird.

PR-Journal: Werfen wir einen Blick in Zukunft. Wie wird sich die Kommunikationsarbeit in den nächsten Jahren verändern?
Schindera: Ich glaube, man sollte die technische Entwicklung, die möglich ist, nicht unterschätzen. Stichwort: Metaverse. Natürlich ist das im Moment auch ein Begriff, der gehypt wird, aber man muss ganz klar sagen, die Vorteile liegen auf der Hand. Ich glaube, das wird speziell für Medienschaffende noch sehr, sehr interessant. Ich will nicht ausschließen, dass wir zukünftig Pressekonferenzen auch im Metaverse abhalten.
In der Coronazeit haben wir das als Stream gemacht. Aber in so einer Metaverse-Umgebung wäre das von der Haptik etwas ganz anderes, auch wenn wir uns im virtuellen Raum bewegen. Stellen Sie sich vor: Wir haben einen Netze-Tag gemacht, komplett virtuell. Das heißt, wir haben gezeigt, wie Glasfaser verlegt wird. Wir haben eine Glasfaser-Rolle hier im Haus gehabt und das im Nachbarraum mit unseren Vorständen und mit viel Technik gezeigt.
Wenn man das ins Virtuelle packen könnte, dann könnte man das natürlich ganz anders bebildern, könnte man viel plastischer, viel anschaulicher machen. Und da glaube ich, haben wir noch gar keine so richtige Vorstellung, was damit alles möglich ist in unserem speziellen Metier, aber auch generell darüber hinaus.

PR-Journal: Wenn jemand 25 Jahre bei einem Unternehmen, eben bei der Telekom tätig ist, dann gehört auch ein Blick auf die Persönlichkeit dazu. Bei den persönlichen Einblicken, die Sie zu Ihrem Jubiläum gegeben haben, ist mir aufgefallen, dass Sie sich bei ganz vielen Menschen bedankt haben. Dankbarkeit ist bei Ihnen offensichtlich ein Wesensmerkmal, das Sie nicht außer Acht gelassen haben. Dabei haben Sie eine ganze Reihe von Kolleginnen und Kollegen erwähnt. Warum war Ihnen das so wichtig?
Schindera: Weil ich sehr davon überzeugt bin, dass nur diverse Teams erfolgreich sein können. Ich habe das große Glück, in einem sehr von Vielfalt geprägten Team arbeiten zu dürfen. Und diese Vielfalt macht sich im Ergebnis bemerkbar. Wir haben sehr früh in der Kommunikation einen sehr hohen Frauenanteil im Team gehabt, und das hat sich sehr auf unsere Arbeit ausgewirkt, weil Geschlechter-gemischte Teams anders arbeiten, einen anderen Stil und eine andere Herangehensweise haben. Und dafür bin ich sehr dankbar, dass das Thema bei der Telekom von den verschiedenen Vorstandsvorsitzenden immer sehr herausgehoben wurde und für wichtig erklärt wurde, weil es eben einen Großteil auch meines Erfolges ausmacht.

PR-Journal: Sie haben sich geoutet als Heimat-verbundener Mensch. Sie bekennen sich zum Saarland und sind sogar Botschafter des Saarlands. Was bedeutet Ihnen das?
Schindera: Ja, ich bin im Saarland aufgewachsen, und das hat mich geprägt in vielfacher Hinsicht, auch in meinem beruflichen Werdegang. Als ich groß geworden bin, war das Saarland von einer Strukturkrise gebeutelt. Da wurde einem sehr schnell klar, auch wenn ich aus einem privilegierten Ärzte-Haushalt kam, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen und das hat mich sehr geerdet und letztendlich auch geprägt. Ich möchte die Zeit nicht missen. Ich mag den Landstrich und die Leute sehr gerne und komme da heute auch noch sehr gerne hin zurück.

Podcast-Interview erscheint am 4. Juli

Soweit die Auszüge aus dem 38-minütigen Podcast-Interview, das Telekom-Kommunikationschef Philipp Schindera dem „PR-Journal“ anlässlich seines 25-jährigen Jubiläums gegeben hat. Das vollständige Interview können Sie hier hören.


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