Thomas Heindl

Interview mit Thomas Heindl, Kommunikationschef der LV 1871

Die Lebensversicherung von 1871 a. G. München (LV 1871) setzt im Rahmen ihrer Unternehmenskommunikation verstärkt auf Corporate Influencer. Das Unternehmen verspricht sich davon eine authentischere und emotionalere Ansprache der Stakeholder. Das „PR-Journal“ hat darüber mit Thomas Heindl, Leiter Marketing und Unternehmenskommunikation der LV 1871, gesprochen. Er ist davon überzeugt, dass es im Unternehmensumfeld vom Bewerber bis zum Geschäftspartner ein neues Informationsbedürfnis gibt, das man über neue Wege bedienen muss.

PR-Journal: Laut Ihrer Pressemitteilung setzen Sie künftig Corporate Influencer ein. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen dazu beitragen, die Unternehmenskommunikation authentischer und emotionaler zu machen. Welche Ziele stecken für eine Lebensversicherung dahinter? Was soll der Einsatz der Mitarbeiter bei Ihren Zielgruppen bewirken?
Thomas Heindl: Die Zeiten, als lediglich Geschäftsführung und Presseabteilung nach außen ein Unternehmen repräsentierten, sind vorbei. Corporate Influencer tragen langfristig zum Markenaufbau bei und lassen das Unternehmen persönlicher und greifbarer werden. Wir zeigen damit unsere fachliche Kompetenz in den verschiedensten Bereichen und tragen unseren persönlichen Einsatz für die Anliegen unserer Kunden und Geschäftspartner nach außen. So machen wir deutlich, wofür wir stehen – von der strategischen Veränderung der Art und Weise, wie wir heute aus Unternehmenssicht kommunizieren über die aktive Einbindung der Kolleginnen und Kollegen in die Kommunikation und in die strategischen Unternehmensthemen sowie die aktive Identifizierung damit bis hin zur Arbeitgeberattraktivität.
Dabei ist es der LV 1871 ganz wichtig, dass die Mitarbeiter nicht als pures Sprachrohr verstanden und gesehen werden. Die Corporate Influencer sind ein wichtiger Kommunikations- und Kontaktpunkt, über den auch die Meinungen und Eindrücke von außen ins Unternehmen gelangen. Unser Corporate-Influencer-Programm haben wir im letzten Jahr ins Leben gerufen und unsere Zielsetzung deckt die gesamte unternehmerische Wertschöpfungskette ab.

LV 1871 Corporate Influencer 2019

PR-Journal: Ihre Corporate Influencer (siehe Foto) sollen langfristig zum Markenaufbau beitragen und Ihre Versicherung noch persönlicher und greifbarer machen. Welche Anreize setzen Sie für die Influencer aus Ihrem Haus?
Heindl: Der größte Anreiz ist meines Erachtens intrinsisch. Unsere Kolleginnen und Kollegen teilen keine vorgefertigten Inhalte, sondern schreiben ihre Artikel und Kommentare selbst. Dabei geht es immer um Themen, die sie in ihrem aktuellen beruflichen Umfeld beschäftigen – nicht zwingend im Zusammenhang mit der LV 1871. Dafür bieten wir den Corporate Influencern fachliche Unterstützung und fundierte Weiterbildung von der Auswahl der für sie interessanten und relevanten Kanäle über Themen und Inhalte bis hin zum Schreiben.

PR-Journal: In Ihrer Pressemitteilung schreiben Sie, dass die Influencer „beispielsweise auf LinkedIn ihre Fachexpertise“ zeigen und auf Twitter live von Events berichten oder auf Medium zu agilen Arbeitsmethoden bloggen. Wollen das Ihre Kunden oder die übrigen Stakeholder wirklich wissen? Warum sollen sich Kunden einer Lebensversicherung dafür die Zeit nehmen?
Heindl: Kunden sind digital affin und informiert. Wir müssen sie entsprechend diesem neuen Informationsbedürfnis über neue Wege erreichen. Bewerber zum Beispiel interessieren sich sehr dafür, was im Unternehmen passiert – wir sind dabei äußerst transparent. Aber auch Geschäftspartner finden es sehr interessant, wenn beispielsweise unsere Kollegen aus der Risiko- und Leistungsprüfung Fachthemen aufgreifen. Nicht zuletzt zeigen alle Kanäle zusammengenommen auch, wo wir die Zukunft sehen – auf Produkt-, IT- oder Marketingseite. Deshalb decken wir auch inhaltlich ein sehr breites Spektrum ab. Auf einer Social Wall fassen wir alles Aktivitäten zusammen – ein wichtiges Instrument der internen Kommunikation und Diskussionskultur.

PR-Journal: Bei aller Euphorie für die sozialen Medien, sind Sie wirklich davon überzeugt, dass Sie für Ihr Unternehmen und Ihre Produkte mit Ihren Corporate Influencern Image-Pluspunkte sammeln?
Heindl: Vor allem wirken wir dadurch authentischer. Im direkten Kundenkontakt ist das bereits heute unsere Stärke. Unsere Herausforderung ist, dass wir manchmal etwas verstaubt wirken, was wir gar nicht sind. Im persönlichen Gespräch können wir das sofort ausräumen, aber hier ist die Reichweite begrenzt. Nicht aber in den sozialen Medien.

PR-Journal: Über die Social Policy, nach der sich die Influencer richten müssen, sagen Sie wenig. Was sind die Inhalte? Und wie streng wird die Einhaltung überwacht?
Heindl: Seit Beginn der Social-Media-Aktivitäten der LV 1871 gibt es eine Social Policy in Form von Tipps und Tricks für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Umgang mit Social Media. Hier geht es weniger um Verbote und erhobene Zeigefinger. Vielmehr geben wir Hilfestellungen, wie sich unsere Corporate Influencer richtig verhalten und was sie vermeiden sollten. Diese Unterlagen werden regelmäßig aktualisiert und an neue Anforderungen angepasst.
Unabhängig von unserer Social Policy setzen wir hier aber insbesondere auf die Aus- und Weiterbildung der Kolleginnen und Kollegen und auf das Gesamtverständnis der Unternehmensziele im Haus. Die Schulungen werden über ein internes Zertifizierungsprogramm abgewickelt, so dass sich nur die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Corporate Influencer nennen dürfen, die alle relevanten Workshops besucht haben. Damit stellt die LV 1871 sicher, dass die agierenden Personen auch das nötige Handwerkszeug parat haben.
Eine bessere Basis gibt es nicht und so benötigen unsere Corporate Influencer auch keine Themen- oder Redaktionspläne oder müssen in Inhalte eingreifen. Ein gutes Corporate-Influencer-Programm sehe ich hier als das A und O.

Heindl: Eine Extra-Vergütung gibt es genauso wenig wie Vorgaben zu Art oder Umfang der Tätigkeit.
Fürs Unternehmen und seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ist das Corporate-Influencer-Programm eine Win-Win-Situation: Wir bieten den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit, die eigene Reputation aufzubauen. Während ihrer Arbeitszeit können sie sich diesem Thema in dem Umfang widmen, wie sie es selbst vertreten können. Umgekehrt machen wir uns das Know-how, die Frequenz und Präsenz unserer Corporate Influencer in den sozialen Medien zu Nutze für mehr Sichtbarkeit.
Ich denke, hier zeigt sich deutlich, dass wir eine andere Unternehmenskultur denken und leben. Das Programm wurde im Kommunikationsteam entwickelt. HR war sofort begeistert, weil es auch auf unsere Personalstrategie einzahlt. Und: Unser Vorstand fand den Weg der Einbindung der Kolleginnen und Kollegen in die Kommunikation gut. Einer unserer Vorstände ist übrigens auch einer der aktivsten Influencer auf Linkedin.

Bitte beachten Sie zum Thema Corporate Influencer bei der LV 1871 auch diese Meldung in der Rubrik Unternehmen.


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