Fortsetzung des Interviews mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Matthias Rosenthal

Die Mülheimer Agentur Koob – Agentur für Public Relations feierte am 1. April ihr 50-jähriges Bestehen. Anlass genug bei Matthias Rosenthal, seit 30 Jahren geschäftsführender Gesellschafter der Agentur, nachzufragen, wie sich eine 50 Jahre alte PR-Agentur anfühlt, wie sie ihr Geschäftsmodell dem Wandel der Zeit anpasst und welche Perspektiven eine rund 30-köpfige Agentur im Markt hat. Im 2. Teil des Interviews erklärt Rosenthal, warum die Agentur auf agile Prozesse mit entsprechender IT-Unterstützung setzt, wie Koob zu einer der modernsten PR-Agenturen Deutschlands werden soll und wie sehr Künstliche Intelligenz die PR-Disziplin revolutionieren wird.

PR-Journal: Ihre Agentur hat nach eigenen Angaben 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Den Bildern nach zu urteilen, ist das ein agiles Team. Sie und Ihre Geschäftsführerkollegen Peter Richter und Markus Umbach sind schon sehr lange an Bord. Sie seit 30, Richter seit 28 und Umbach seit 26 Jahren. Das spricht für anhaltenden Erfolg und Kontinuität, die Mischung scheint zu stimmen. Doch was tun Sie dafür, die Agentur zukunftsfähig zu halten?
Rosenthal (Foto): Jetzt könnte ich mit noch mehr Berechtigung sagen „Oh mein Gott, wie schnell die Zeit vergeht“! Aber es war, ist und wird nie langweilig bei uns. Nun aber zur eigentlichen Frage: Um bei der dynamischen Entwicklung am Ball zu bleiben, setzen wir unter anderem auf ein umfassendes Weiterbildungsprogramm. Unter dem Begriff „KOOB Sessions“ bieten wir den Kolleginnen und Kollegen in verschiedenen Formaten mittlerweile fast ausschließlich aktuelle Schulungsthemen aus dem Digitalbereich an. In- und externe Referenten machen uns fit in Sachen SEO/SEA, Online-Marketing, Social Media mit Schwerpunkt auf Businesslösungen für Facebook und Instagram, Data Analytics, IT-Basics um nur einige Programmpunkte zu nennen.
Weiterhin achten wir im Bereich Recruiting mehr als je zuvor auf eine hohe Digitalkompetenz der Bewerber und Bewerberinnen in fast allen Bereichen. Erwähnenswert ist vielleicht auch, dass wir auf agile Prozesse mit entsprechender IT-Unterstützung setzen. Im Bereich Corporate Media haben wir bereits erhebliche Effizienzsteigerungen erreicht und möchten die gemachten Erfahrungen nun auf die gesamte Agentur ausdehnen.
Es gibt aber noch viel zu tun und wer Spaß hat, daran mitzuwirken, kann sich jederzeit gerne melden. Das gilt bis in die Agenturführung. Peter Richter wird in zwei Jahren in den Ruhestand gehen. Mit Jennifer Bakir haben wir aus den eigenen Reihen eine besonders fähige und motivierte Teamleiterin als stellvertretende Geschäftsführerin gewinnen können. Zusammen mit Max Umbach, Geschäftsführer Creation, und mir bildet sie künftig das Führungsteam der Agentur.

Rosenthal Matthias Koob PR 2018 50 Jahre

Flexibilität und Individualität als Pluspunkte

PR-Journal: Glaubt man den Stimmen vieler Agenturvertreter, ist es aktuell nicht einfach, geeignete Mitarbeiter für das Agenturbusiness zu finden. Welche Erfahrungen machen Sie? Ist es Ihnen gelungen, eine klare Employer-Branding-Marke herauszubilden? Was zeichnet KOOB als Arbeitgeber aus?
Rosenthal: Der Arbeitsmarkt ist ein Nachfragemarkt geworden. Das ist aber nicht nur in der Kommunikationsbranche oder nur in Agenturen so, sondern fast überall in Deutschland schon seit geraumer Zeit der Fall. Employer-Branding-Marke ist ein großes Wort für eine kleine Firma und das sind wir und die meisten Agenturen unserer Branche, wenn man es realistisch betrachtet. In einen Überbietungswettbewerb zum Beispiel mit den Kommunikationsabteilungen der Unternehmen um Spitzengehälter und Sozialleistungen einzutreten macht keinen Sinn. Da können Agenturen unserer Größenordnung und auch noch deutlich darüber hinaus nur zweiter Sieger werden.
Wir haben andere Stärken, die wir in die Waagschale werfen können. Unsere Kolleginnen und Kollegen nennen dabei in erster Linie das Team, in dem man nicht nur professionell gut aufgehoben ist, sondern sich auch wohl fühlt und füreinander einsteht. Fast im gleichen Atemzug wird die große Vielseitigkeit und Abwechslung im Agenturleben genannt. Deshalb stimmt es auch, dass man nirgendwo so schnell, so viel und so dauerhaft lernt wie in Agenturen. Ebenso wichtig ist die Flexibilität und Individualität in einer Agentur. Wir sind zwar jederzeit Dienstleister und für unsere Kunden da, aber wir nutzen alle Möglichkeiten auf individuelle Wünsche und Bedürfnisse der Mitarbeiter in Bezug auf Arbeitszeiten und -umfang einzugehen.
Auch unsere Freizeitangebote werden gerne mitgestaltet und genutzt. Mit der „Blue Hour“ haben wir eine regelmäßige After Work Party etabliert. Im Sommer geht das ganze Team auf ‚AgenTOUR‘ und nicht selten treffen sich Sportbegeisterte zum Mittagsläufchen durch das vor der Haustür liegende Naturschutzgebiet in Mülheim-Saarn. Übrigens: Zum Agenturjubiläum werden wir für Ende Juni alle aktuellen sowie viele ehemalige KOOBianer, Kunden, ehemalige Kunden, Geschäftspartner, freie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu einer großen Party auf der Ruhr einladen.

Wollen zu den modernsten PR-Agenturen Deutschlands gehören

PR-Journal: Wagen wir aus Anlass Ihres Agenturjubiläums mal einen Blick in die Zukunft. Wird Ihre Agentur in fünf Jahren noch Public Relations im Namen führen? Was zeichnet KOOB in fünf Jahren aus? Wie wird sich Ihr Business-Modell als Agentur verändert haben?
Rosenthal: Warum sollten wir uns nicht mehr Agentur für Public Relations nennen? Das ist wie bereits erwähnt eine Frage, aus welchem Blickwinkel man PR definiert. Richtig ist allerdings auch, dass es schon jetzt gute Gründe gibt, uns neu zu benennen, um den stark veränderten instrumentellen Aspekten unserer Tätigkeit im Content Management stärker Rechnung zu tragen. We will see!
Wichtiger ist, dass wir uns für die Zukunft ein großes Ziel gesetzt haben: Wir wollen zu den modernsten PR-Agenturen Deutschlands gehören. Das klingt vielleicht etwas zu gewaltig, gibt aber die richtige Richtung vor. Es geht darum, das, was PR im Kern ausmacht, immer besser zu machen und konsequent in die digitale Zukunft zu transformieren. Wir glauben, dass sich der Sinn professioneller Public Relations für unsere Kunden nicht grundsätzlich ändern wird. Die Mittel und Wege allerdings werden ganz andere sein. Mit der Digitalisierung kommt die Automatisierung der Kommunikation. Künstliche Intelligenz wird auch unsere Disziplin nochmals revolutionieren. Wir freuen uns darauf, diesen spannenden Veränderungsprozess für uns zu gestalten.

PR-Journal: Vor kurzem haben Sie mir berichtet, dass Sie immer noch in regem Kontakt zum Agenturgründer Hans-Konrad Koob stehen. Wie geht es ihm heute? Nimmt er noch Anteil am Agenturgeschäft?
Rosenthal: Es geht ihm gut und wird sich über die Nachfrage sicher sehr freuen. Wir telefonieren gelegentlich miteinander. Nicht nur bei den persönlichen Geburtstagen oder anderen formellen Anlässen, sondern auch, wenn er zum Beispiel mal eine interessante Anregung für uns hat oder ich in einer wichtigen Sache auf seine große Erfahrung zurückgreifen möchte. Von meinem Kollegen Max Umbach weiß ich, dass er das auch so macht. Dieser Umgang zeigt eine große Stärke der Agentur.
Wir haben schon viele kommen und gehen sehen. Nicht alle Beziehungen sind bis zum Ende harmonisch verlaufen. Das ist nun mal so. Aber von den Ehemaligen, die ich kenne, weiß ich, dass sie bei uns viel gelernt haben und ihren Weg erfolgreich weiter gegangen sind. Schon einige haben ein Comeback bei uns gefeiert. Man trifft sich hin und wieder auf Messen oder Branchenveranstaltungen, was immer angenehm und herzlich ist, gelegentlich auch mal feucht-fröhlich endet. Deshalb freue ich mich sehr darauf, viele von ihnen und natürlich auch von allen anderen, die uns nahestehen, bei unserer Jubiläumsparty wieder zu sehen.

PR-Journal: Herr Rosenthal, wird danken für das Interview.

Teil 1 des Interviews finden Sie hier.


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