Mirko Kaminski

Interview mit Mirko Kaminski, CEO von achtung!. Teil I

Mirko Kaminski gehört zu den auffallenden Charakteren der Agenturszene. Dass er ein Faible für Sneaker hat, sieht man auf jeder Gala. In seinem Videoblog bei „W&V“ zeigt der achtung!-CEO sich gerne mit den prominentesten Vertretern der Kommunikationsbranche. Seine Social-Media-Follower dürften einen Steg auf Fehmarn – seiner Heimat – liebgewonnen haben, über Urlaubsziele Bescheid wissen und seine Sonnenbrille kennen.

Kaminski kommuniziert viel. Der Agenturchef kann für sich reklamieren, neue Technologien, Online-Kommunikation und das Verbinden der verschiedenen Kommunikationsdisziplinen früh gepusht zu haben. Trotzdem kommt er gerne auf die PR-DNA von achtung! zurück. „Die große Epoche der PR fängt gerade erst an“, prophezeit der 46-Jährige im Interview mit dem „PR-Journal“.

Mit der Elbphilharmonie-Kampagne hat achtung! gemeinsam mit Jung von Matt nicht nur zahlreiche Preise gewonnen, sondern dem wegen ausufernder Kosten umstrittenen Konzerthaus überwiegend positive Medienresonanz verschafft – weltweit. Einen „Signature Case“ nennt Kaminski das Projekt. Neun „PR Report“ Awards gab es für achtung! zuletzt.

PR-Journal: Herr Kaminski, achtung! hat in diesem Jahr bei verschiedenen Kommunikationsawards abgeräumt. Es gab Preise für Online, Bewegtbild, PR und Werbung. Welche Bedeutung haben die Awards für Sie und Ihre Agentur?
Mirko Kaminski: Awards haben eine essentielle Bedeutung für uns. Wir betreiben nämlich keine Kaltakquise, sondern machen stattdessen unter anderem mit Awardgewinnen auf uns aufmerksam. Ich schätze, dass wir fünf bis sieben Anfragen pro Woche bekommen, die unter anderem auf Awards zurückzuführen sind.
Dass wir Preise für Digitalkampagnen, Social Media, Content Marketing, PR und Bewegtbild gewinnen, freut mich besonders und ist mir auch wichtig. Das zeigt die gesamte Bandbreite unseres Könnens und definiert uns als Agentur. Trotz aller Diskussionen und immer wieder aufkommender Kritik – Awards sind ein externes Testat für Kreativität und Wirksamkeit. Sie helfen zusätzlich, gute Bewerber für ausgeschriebene Stellen zu bekommen.

PR-Journal: Kreativpreise sagen nichts über den geschäftlichen Erfolg aus. Wie läuft es bei achtung! wirtschaftlich?
Kaminski: Wir werden dieses Jahr wachsen – und müssen auch wachsen. Plakativ gesprochen: Die 200-Mitarbeiter-Agentur ist die neue 100-Mitarbeiter-Agentur. Das meint: Eine Agentur wie wir benötigt heute deutlich mehr Mitarbeiter, um alle wesentlichen Kommunikationsgewerke unter einem Dach haben zu können. Community Manager oder Facebook-Ad-Spezialisten gibt es ja noch nicht so lange. Wenn sich Aufgaben und Leistungen weiter heterogenisieren, braucht eine Agentur eben auch mehr Leute und mehr Volumen. 

PR-Journal: Welche Etatgewinne konnte achtung! verzeichnen?
Kaminski: Wir konnten einige wichtige Etats gewinnen: Die Social-Media-Kommunikation für Mini ist ein Beispiel. Für Sea Chefs, einen Dienstleister unter anderem für die Kreuzfahrtbranche, haben wir eine Employer-Branding- und Recruiting-Kampagne aufgesetzt. Für die Siemens-Betriebskrankenkasse SBK sind wir jetzt als Lead-Agentur für die Strategie und die gesamte Marketingkommunikation zuständig. Das sind Etats, die wir als reine PR-Agentur früher nicht hätten gewinnen können. PR ist jetzt immer öfter im Fahrersitz. Das freut uns.

Kreative Digitalagentur mit PR-DNA

PR-Journal: Was bekommt ein Kunde bei achtung! für sein Geld? Warum sollte sich ein Unternehmen für Ihre Agentur entscheiden?
Kaminski: Wir liefern Ideen, die wirken und bewegen. achtung! ist heute eine kreative Digitalagentur mit PR-DNA.
Wir erschaffen Ideen, die Millionen erreichen und bei ihnen etwas auslösen. Da sind wir stark. Wenn wir zu Unternehmen gehen, um uns vorzustellen, sind wir nicht dogmatisch. Denn: Unternehmen kaufen halt noch oft so ein wie früher. Da wird eine Werbeagentur gesucht, eine PR-Agentur, eine Content-Marketing-Agentur oder eine Social-Media-Agentur. Dann kommen wir eben als Werbe-, PR- oder Digital-Agentur. Aber wir lassen uns durch solche Etiketten nicht einschränken. Wir denken zuerst in der Kategorie Idee, nicht in Disziplingrenzen.

PR-Journal: Gibt es so etwas wie einen roten Faden, der sich durch ihre Projekte und Kampagnen zieht? Wie würden Sie die achtung!-Handschrift definieren?
Kaminski: Wir haben eine ganz gute Spürnase für gesellschaftliche Themen, denke ich. Zu erkennen, welche Themen die Menschen in einem bestimmten Zeitfenster bewegen, zeichnet uns aus. Wir verbinden dabei Marketing- und PR-Denken sowie entsprechende Instrumente. Das heißt, wir finden Insights und Bedürfnisse, die in der Gesellschaft oder einer bestimmten Gruppe vorhanden sind.

PR-Journal: Können Sie dafür Beispiele nennen?
Kaminski: Das kann wie bei unserer Kampagne „Europas Größter Fanshop-Check“ für Trusted Shops die offensichtliche Begeisterung rund um eine Fußball-Europameisterschaft sein. Oder wie bei „Attentive Eyes“ für die Airline Swiss ein gesellschaftliches Thema: Menschen verlieren sich aus den Augen und es mangelt an Achtsamkeit, die wir einander schenken. Dieses Gefühl haben wir in unserer Kampagne für Swiss aufgegriffen. Darüber hinaus besitzen wir Exekutionsstärke.

PR-Journal: In welchen Branchen sehen Sie achtung! besonders gut aufgestellt?
Kaminski: Wir sind eine auf mindestens zehn Branchen spezialisierte Agentur. Unsere Teams sind nach Branchen aufgeteilt. Unser Automotive-Team kennt sich im Bereich Auto und Mobilität hervorragend aus – die Kollegen haben tatsächlich so etwas wie Benzin und heute auch Strom im Blut. Unser Fashion- und Lifestyle-Team lebt Mode und Trends. Unser Consumer-Electronics-Team weiß, was Neues auf den Markt kommt und gerade angesagt ist. Diese Branchenkompetenz muss man als Agentur heute besitzen. Zusätzlich gibt es unser Lab, in dem die verschiedenen Gewerke den Branchenteams zuarbeiten und es Grenzen wie Redaktion, Digitales und Kreation nicht mehr gibt.

Elb Philharmonie c Ralph Larmann

PR-Journal: Die Elphi-Kampagne war sicherlich Ihr auffälligstes Projekt. Kein Award ohne Elphi. Was zeichnete die Kampagne aus?
Kaminski: Konzept und Strategie von Jung von Matt sahen vor, die Elbphilharmonie (Foto; © Copyright Ralph Larmann) als demokratisches Konzerthaus zu vermitteln, sie über originelle Inszenierungen weltweit zum Thema zu machen und die Stadt Hamburg damit auf der ganzen Welt bekannter zu machen.
Die Elbphilharmonie ist für uns deshalb ein Signature-Case, weil die Kampagne dokumentiert, was wir besonders gut können. Es ging um das Schaffen von Anlässen, um Storytelling und Storydoing, um das Erzeugen von Buzz und das Erreichen von Milliarden Menschen. Es ging darum, Gefühle zu wecken und aus Ablehnung Liebe zu machen. Vor allem aber musste die Kampagne nach all den Schwierigkeiten während der Bauzeit tadellos funktionieren und wirken. Zu jedem Zeitpunkt ist unser Antrieb gewesen, mit dem Budget – Steuergeldern – nicht nur verantwortungsvoll umzugehen, sondern das Beste daraus zu machen.

PR-Journal: Wie war achtung! involviert?
Kaminski: Als eine der wenigen Agenturen in Deutschland sind wir in der Lage, für einen Kunden oder ein Projekt ein weltweites Agenturnetz maßzuschneidern und dieses auch zu steuern. Für den Bau der Elbphilharmonie haben wir ein einzigartiges globales Agenturnetz gebaut. Außerdem zeigt die Kampagne, wie gut und gern wir mit anderen Agenturen zusammenarbeiten – hier Jung von Matt.
Wir haben mehr als 500 Journalisten weltweit nach Hamburg geholt, die das Konzert auf der gegenüberliegenden Seite der Elbe verfolgen konnten und entsprechende Bewegtbilder geliefert haben. Die Bildmotive gingen um die Welt. Wir haben zum Beispiel auch ein Event mit dem DJ Felix Jähn veranstaltet, um eine jüngere Zielgruppe anzusprechen oder große Mengen an Content für die internationale Kommunikation produziert.

Lesen Sie am 11. Dezember Teil II des Interviews mit Mirko Kaminski.


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