Fachbeiträge Finanzmarktkommunikation Die Anfänge der Investor Relations
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- von Manfred Piwinger, Wuppertal
Wann genau Investor Relations als eigenständige Funktion etabliert wurde, darüber liegen keine genaueren Angaben vor. Eine informelle Nachfrage unter den 40 DAX-Gesellschaften durch den Autor mag als Stichprobe dafür herhalten, wie sich Investor Relations bei uns als eigenständige Kommunikationsfunktion etabliert hat. Sämtliche der hier folgenden Angaben sind hieraus erwachsen.
Die frühen Jahre
Die frühere VEBA (2000 Fusion mit VIAG zur E.ON AG) war eines der ersten deutschen Unternehmen, das schon Mitte der 60er Jahre aktiv Analysten- und Investorenkonferenzen durchführte und transparente Geschäftsberichte veröffentlichte. Und erarbeitete sich einen Ruf als besonders investorenfreundliches Unternehmen. E.ON hat mit ihrer Gründung 2000 bereits eine Investor-Relations-Abteilung. Zwischenzeitlich war die Abteilung auch außerhalb des Finanzressorts angesiedelt. Die Strukturen hierzu wurden aus den Unternehmen, die zu E.ON verschmolzen sind (VEBA und VIAG) übernommen.
Im Zuge steigender Kapitalmarktorientierung beschäftigte sich BASF seit Mitte 1987 ausführlich mit der Thematik und zählte damals zu den ersten Mitgliedern eines Arbeitskreises, der sich regelmäßig über kapitalmarktrelevante Themen austauschte.
Bei Bayer wurde Investor Relations schon 1993 eingerichtet. Doch scheint es diese Funktion schon sehr viel früher gegeben haben. Nämlich seit den 80er Jahren, zunächst unter dem Begriff „Finanzmarketing“.
Volkswagen geht davon aus, dass es im Zuge des Börsengangs (1961) auch die Abteilung Investor Relations gegründet wurde. Allerdings liegen darüber keine genauen Kenntnisse mehr darüber vor. Eine Finanzkommunikation hatte es bereits in 50er Jahren gegeben. Allerdings war sie damals unter dem Dach der Presseabteilung angesiedelt. Eine eigenständige Abteilung Investor Relations wurde dann unter Ferdinand Piech im Mai 2000 eingerichtet.
Munich Re richtete Investor Relations im Jahr 2000 ein. Berichtet wurde damals an das Vorstandsressort „“Special and Financial Risks, Investor Relations, Strategie“ Planung von Clement Booth.
Bei der Commerzbank gibt es die Abteilung Investor Relations seit Beginn der 90er Jahre und war zunächst der Konzernkommunikation angegliedert. Im Geschäftsbericht 1994 wird bei Fragen zu Aktien erstmals auf diese Abteilung verwiesen.
Bei Siemens entwickelte sich die Investor Relations-Funktion im Verlauf der 90er Jahre (ansässig im Finanzbereich. Mit dem Börsengang von Epcos, Infineon sowie dem Listing in den USA folgten zentrale Vorhaben am Kapitalmarkt.
Die Deutsche Telekom hat eine IR-Abteilung seit 1996. Allerdings gab es Kollegen, die sich bereits im Vorfeld der Privatisierung mit diesem Thema beschäftigten.
Aus Unterlagen von RWE ist zu ersehen, dass es im Jahr 1996 den zentralen Bereich „Investor Relations/Berichtswesen“ gab. Erste Investor Relations-Arbeiten gingen früh mit der Gründung von RWE einher, allerdings nicht als eigenständige Abteilung, sondern diese war dem Rechnungswesen zugeordnet. Im Geschäftsbericht 1993/1994 werden Investor Relations-Arbeiten erwähnt.
Rheinmetall nahm 2000 eine Neuordnung der Kommunikation vor. Gleichzeitig wurde eine Abteilung Investor Relations eingerichtet, die aber zunächst nur aus einem Mitarbeiter bestand.
Etwas abweichend davon nimmt es sich bei Qiagen aus. Die erste Position für Investor Relations wurde im Jahr 2001 geschaffen, 2010 wurde ein Vice President eingestellt, der die Bereiche Investoren, Medien und weitere wichtige externe und interne Funktionen wie Marketing Communications zu verantworten hatte. Ab 2016 werden Investor Relations und Corporate Communications wieder getrennt.
Vorbereitung auf den Börsengang
Anlass für ein professionales Auftreten gegenüber Investoren, Ratingagenturen und Investmentgesellschaften als den wichtigsten Akteuren auf dem Kapitalmarkt, bildete in zahlreichen Fällen ein Börsengang bzw. die Vorbereitung auf den Börsengang.
Wie z. B. bei Fresenius anlässlich des Börsengangs im Jahr 1986 – zunächst mit dem sogenannten Aktionärsbüro.
Etwas anders verhält es sich im Fall von Infineon Technologies. Hier wurde einige Monate vor dem Börsengang (13. März 2000) Investor Relations erstmals als eigenständige Funktion etabliert. Vor dem Börsengang gab es diese Funktion nicht, da Infineon bis zur Ausgründung Teil der Siemens AG war.
Die Deutsche Bank hat im Jahr 2017 die Abteilung Investor Relations eingerichtet, um den Börsengang im Jahr 2018 vorzubereiten. Ähnlich verhält es sich bei Adidas. Die Abteilung Investor Relations wurde mit dem Börsengang im Jahr 1995 gegründet und findet erstmals Erwähnung im Geschäftsbericht.
Auch bei Zalando ist die Funktion Investor Relations im Rahmen des Börsengangs im Jahr 2014 etabliert.
Kein genaues Datum kann Merck nennen und führt dies darauf zurück, dass die Mitarbeiter in den letzten 30 Jahren zu stark gewechselt haben, sodass sich daran wohl niemand mehr erinnert. Vermutlich ein Jahr vor dem Börsengang.
Bei Siemens Energy ist die Abteilung bereits im Jahr 2020 in Vorbereitung zum Spin-Off gegründet worden. Berichtet wird an den CFO.
Im Haus von MTU ist die Funktion Investor Relations 2005 als Investor Relations etabliert und war zunächst dem CEO berichtend.
Über den Autor: Manfred Piwinger zählt zu den profiliertesten Stimmen der deutschsprachigen Kommunikationsbranche und -wissenschaft. Über Jahrzehnte hat er Debatten geprägt, Entwicklungen eingeordnet und dem Fach mit analytischer Schärfe und strategischem Denken Orientierung gegeben. Für seine Verdienste zur Professionalisierung der PR wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.