Fachbeiträge ADVERTORIAL Wenn das letzte Kapitel geschrieben wird – wie interne Kommunikation das Offboarding eines Unternehmens würdig gestalten kann
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- von Anja Schlicht, Berlin
Ein Unternehmen, 130 Jahre Geschichte, 2.200 Mitarbeitende – und eine Nachricht, die drei Tage vor Weihnachten deren Welt verändert. Was der Fall Wintershall Dea über die Kraft wertschätzender interner Kommunikation in der schwierigsten aller Situationen lehrt.
Es gibt Nachrichten, die ein Unternehmen in zwei Hälften teilen: in das Davor und das Danach. Für Wintershall Dea, das traditionsreichste deutsche Gas- und Ölunternehmen, kam diese Nachricht am 21. Dezember 2023. Das internationale Geschäft soll an einen britischen Käufer übergehen. Die Zentralen in Hamburg und Kassel werden abgewickelt und geschlossen. Für rund 850 Mitarbeitende bedeutet diese Entscheidung das Ende ihrer Zeit in diesem Unternehmen – und zugleich den Schlusspunkt einer über 130-jährigen Geschichte.
Was folgt, sind Monate voller Ungewissheit – ein zähes Warten auf das sogenannte „Closing“, dessen genauer Termin fast bis zum letzten Tag unklar bleibt. Monate, in denen ein fairer Sozialplan verhandelt werden muss, in denen das operative Geschäft weiterlaufen und gleichzeitig eine geordnete Übergabe vorbereitet werden soll. Und: Monate, in denen sich Kolleginnen und Kollegen voneinander verabschieden müssen. Menschen, die teils Jahrzehnte zusammengearbeitet haben. Von einem Unternehmen, das ein prägender Teil ihres Berufslebens gewesen ist.
Die Herausforderung: Den Sorgen der Mitarbeitenden Raum geben, ohne Betrieb zu lähmen
Genau hier beginnt die kommunikative Aufgabe – und sie ist herausfordernder, als sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Bei einer Unternehmensauflösung prallen zwei gegensätzliche Anforderungen aufeinander: Einerseits muss der Betrieb funktionieren, Übergaben müssen gelingen, die Zusammenarbeit mit dem neuen Eigentümer muss vorbereitet werden. Andererseits steht eine Firma vor dem Ende einer Ära. Kolleginnen und Kollegen, die jahrzehntelang Teil dieses Unternehmens waren, verlieren ihren Arbeitsplatz und ein Stück weit ihre berufliche Heimat.
Die Kolleginnen und Kollegen aus der Unternehmenskommunikation von Wintershall Dea und ihre Partneragenturen (mmpro media AG, navos – Public Dialogue Consultants, SXCES) stellen sich einer zentralen Frage: Wie kommuniziert man das Ende des eigenen Unternehmens, so dass es nicht als Niederlage erlebt wird – sondern als würdiger Abschied?
Klar ist für alle Beteiligten: Interne Kommunikation ist in diesem Zusammenhang kein reiner Informationskanal – sie ist Haltung. Denn Emotionen lassen sich in so einem Fall nicht einfach wegkommunizieren. Aber sie lassen sich begleiten.
Kommunikationsansatz: Eine wertschätzende Botschaft & Maßnahmen „mit Herz“
Die kommunikative Leitidee lautet schlicht und kraftvoll zugleich: DANKE. Danke für die jahrelange Zusammenarbeit. Danke für die gute gemeinsame Zeit. Danke für das großartige Team. Ein Wort, das zum Kompass für alle Maßnahmen wird.

Die letzte Ausgabe des Mitarbeitermagazins „positions“ wird zur Herzensangelegenheit – Kolleginnen und Kollegen füllen sie mit persönlichen Geschichten, bewegenden Rückblicken und liebevollen Danksagungen. Auf den Seiten findet sich Platz für persönliche Notizen, Kontaktdaten von Kolleginnen und Kollegen, für das, was bleibt.
Die Abschiedsfeste werden zum Herzstück der Kommunikation. Fast 90 Prozent aller Mitarbeitenden kommen an den unterschiedlichen Standorten zusammen – eine überwältigende Zahl, die zeigt, wie sehr die Kolleginnen und Kollegen diese Momente des gemeinsamen Verabschiedens brauchen. Vorstand und Betriebsrat nutzen die Gelegenheit, sich persönlich zu bedanken. Das gemeinsame Feiern, die bewegenden Reden, das Anstoßen auf die Zeit miteinander – all das schafft, was Kommunikation in Extremsituationen leisten muss: echte, menschliche Nähe.
Ein emotionaler Abschiedsfilm holt Stimmen aus aller Welt zusammen – Kolleginnen und Kollegen von internationalen Standorten berichten über ihre ganz persönliche Geschichte mit dem Unternehmen. Als der Film auf den Abschiedsfesten in Kassel und Hamburg gezeigt wird, sorgt er für emotionale Momente.
Give-Aways, die mit den eigenen Kontaktdaten ausgefüllt werden können, nehmen dem Abschied die Schärfe und helfen, den Blick nach vorne zu richten. Kleine Gesten mit großer Wirkung.
Und schließlich: der CEO-Blog. In seinem letzten Eintrag „Zeit, sich zu verabschieden“ schreibt der CEO mit einer Offenheit und Dankbarkeit, die alles andere als Corporate Speech ist. Das Ergebnis: der Beitrag wird zum meistgelesenen und reaktionsstärksten CEO-Blogartikel der gesamten Unternehmensgeschichte.
Was bleibt: Interne Kommunikation muss zuhören, um zu wirken
Der Fall Wintershall Dea ist kein Lehrbuchbeispiel für Change-Kommunikation im klassischen Sinne. Er ist etwas Selteneres: ein Beispiel dafür, dass Kommunikation auch dann Würde bewahren kann, wenn es nichts schönzureden gibt.
Die Erkenntnis aus dem Projekt ist so klar wie anspruchsvoll: Menschen wollen gesehen werden – gerade dann, wenn alles anders wird. Transparenz über Fakten schafft Vertrauen. Das ist die Pflicht. Die Kür ist: Den Menschen zuzuhören, ihren Emotionen Raum zu geben – nur das schafft Verbindung. Das wertschätzende Abschiedsprogramm verbindet beides. Und hinterlässt etwas, das weit über das Ende eines Unternehmens hinausreicht: eine gute Erinnerung.
Über die Autorin: Anja Schlicht ist Geschäftsführerin von navos – Public Dialogue Consultants
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