Wallrabenstein Axel Chairman MSL Germany IFür die Gesellschaft PR-Agenturen (GPRA) sind Nachwuchsförderung und die gezielte Verbesserung des Images von Kommunikationsagenturen gegenüber Studierenden wichtige Ziele der Verbandsarbeit. Mehrfach hat der Verband betont, dass Agenturen ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern und künftig stärker im Sinne eines Employer Brandings am Markt agieren wollen. Eine konkrete Maßnahme setzt die GPRA in 2016 in Kooperation mit dem „PR-Journal“ um. Monatlich stellt sich ein Agenturchef der GPRA den Fragen von Studierenden, die sich in den Initiativen in Hannover (PRSH), Leipzig (LPRS), Mainz (kommoguntia) und Münster (campus relations) engagieren. Die haben damit die Gelegenheit, alle Fragen über das Agenturgeschäft zu stellen, die sie für relevant halten. In der vierten Folge stellt sich der Chairman von MSL Germany, Axel Wallrabenstein (Foto), den Fragen von Kim Strejcek und Linh Nguyen, beide PRSH.

PRSH: Zum Einstieg haben wir einige Fragen vorbereitet, die Ihnen vielleicht ungewöhnlich erscheinen. Doch möchten wir Sie nicht nur als Agenturchef sondern auch als kunst- und politik-affine Person vorstellen. Erste Frage: Klassischer Monet, surrealistischer Picasso oder neoexpressionistischer Basquiat?
Axel Wallrabenstein: Auf jeden Fall Basquiat, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren.

PRSH: Zweite Frage: Karriere als schillernder Politiker oder aufstrebender Galerist?
Wallrabenstein: Politiker nicht mehr. Galerist wäre schon spannend und könnte ich mir vorstellen. Wobei ich mit dem was ich mache, auch sehr zufrieden bin.

PRSH: Dritte Frage: Fahrradtour durch den Schwarzwald oder Porsche-Rennwagentour entlang des Sachsenrings?
Wallrabenstein: Auf jeden Fall die Fahrradtour. Ich bin seit 20 Jahren praktisch autofrei und komme damit gut klar.

PRSH: Kommen wir zu Ihrer Tätigkeit. Was macht für Sie den Reiz in Ihrem Beruf aus?
Wallrabenstein: Das Schöne ist, dass jeder in unserem Führungsteam im Grunde genommen nach seinen Stärken arbeiten kann, und da ich nie der große Zahlenfreund war und nicht so der mit Sprachen gesegnete Mensch bin, haben wir über alles eine ganz gute Aufteilung gefunden. Es ist sicher auch ein bisschen außergewöhnlich, wenn ich das mal so im GPRA-Agenturen-Kontext sehe, weil ich ja nicht der klassische PR-Berater bin. Ich mache nicht nur Public Affairs und Lobbyarbeit, sondern auch PR und dieses Zusammenspiel aus Politik, klassischer Kommunikation und sehr spannenden Kunden ist das Feld, auf dem ich sehr gerne unterwegs bin. Auch die Agentur selbst und das MSL-Network innerhalb der Publicis-Gruppe haben sich stark verändert. Es ist eigentlich nie langweilig geworden und das ist für mich auch wichtig. Wenn ich 17 Jahre lang dasselbe machen würde – in einem Konzern oder im Ministerium zum Beispiel, was auch wirklich spannend sein kann – wäre das bestimmt nicht so die Herausforderung für mich.

Wallrabenstein Axel Chairman MSL Germany IIIPRSH: Welche PR-Kampagne war für Sie besonders nachhaltig oder prägte Sie bisher am meisten?
Wallrabenstein: Es gibt ein Grundproblem. Das haben wir immer wieder, wenn wir uns Kampagnen oder Awards anschauen. Ich meine die Themen, die wir immer sehr positiv begleiten, die sehr auffallend und sehr werblich sind; eigentlich müsste man mehr über Themen reden, die es schaffen, Krisen einzudämmen oder diese zu verhindern. Oftmals sind die wirklich guten Jobs, die gemacht werden, die im Hintergrund, die man außen gar nicht wahrnimmt. Ich finde, am Ende ist es immer wichtig, dass eine Kampagne entweder verkaufen, oder gerade in einer Krisensituation in der Reputationsfrage helfen und unterstützen kann.

PRSH: Wer hat Sie in ihrer beruflichen Laufbahn am meisten beeinflusst und was haben sie von ihm oder ihr gelernt?
Wallrabenstein: Eigentlich niemand, der mit dem Thema PR im klassischen Sinn direkt zu tun hat. Sehr beeinflusst hat mich Wissenschafts- und Kultursenator Peter Radunski (CDU), der auch vier Jahre mein Chef war. Er hat 15 Jahre lang die Wahlkämpfe für Helmut Kohl gemanagt. Das Lustige ist, dass er nun bei MSL Senior Advisor ist. Peter Radunski pflegt dann immer zu sagen: ‚Früher war ich Ihr Chef, jetzt sind Sie mein Chef‘. Durch seine unprätentiöse Art und Erfahrung ist er sicher eine der Personen, die mich am meisten in meinem beruflichen Werdegang geprägt hat.

PRSH: Was war Ihre schwierigste Führungsentscheidung, die Sie in den letzten Jahren treffen mussten und was waren die Gründe dafür?
Wallrabenstein: Das Schöne ist, das wir hier fast alle Herausforderungen konsensual diskutieren. Deshalb entstehen eigentlich nie schwierige Entscheidungen für den Einzelnen. Natürlich gab es auch komplizierte Zeiten, beispielsweise als wir den Standort in Köln geschlossen haben oder als wir auch mal Leute entlassen mussten. Aber im Agenturleben muss man auch Rückschläge hinnehmen, um Herausforderungen zu erkennen und zu verbessern. Wer Erfolg haben will, muss auch Mut zum Risiko und Scheitern haben. Momentan sind wir sehr zufrieden.

PRSH: Bitte vervollständigen Sie den folgenden Satzanfang: ‚Die größte Veränderung in der PR-Branche sehe ich in ...‘
Wallrabenstein: ... allem, was mit Digital und Social Media zu tun hat. Das betrifft nicht nur die PR-Branche, sondern alle Branchen. Social Media ist eine Veränderung der Kommunikation und damit müssen wir uns auseinandersetzen. Man kommuniziert viel direkter, sehr viel kürzer und sehr viel schneller und das ist eine ganz wichtige Veränderung der letzten Jahre.

PRSH: Der nächste Satzanfang: ‚Das Wichtigste, was ich dem PR-Nachwuchs von morgen gerne mitgeben würde, wäre ...‘
Wallrabenstein: ..., dass Leute möglichst einen offenen Blick haben. Ich persönlich achte nicht so sehr auf Zeugnisse. Ein guter Abschluss ist natürlich wichtig, aber mir geht es um ein offenes Verständnis. Leute müssen sich für etwas interessieren, sei es im politischen oder journalistischen Bereich. Wenn man in die PR-Branche geht, nur um dem Tagesgeschäft nachzugehen, wird das nicht funktionieren. Wichtig ist vor allem, nicht eingleisig zu fahren. Leute, die thematisch und von ihren Interessen nur eindimensional unterwegs sind, mit denen wird es eher problematisch.

Sponsored Content: Der obenstehende Beitrag ist der vierte in der Reihe „Studierende im Gespräch mit der GPRA“. Die Serie realisiert die Gesellschaft PR-Agenturen in Kooperation mit dem „PR-Journal“. Die Redaktion stellt die Plattform für den Austausch der vier PR-Nachwuchsinitiativen Public Relations Studierende Hannover e.V. (PRSH), Leipziger Public Relations Studenten e.V. (LPRS), kommoguntia e.V. in Mainz, und campus relations e.V. in Münster mit der GPRA. Die genannten PR-Initiativen werden vom „PR-Journal“ gefördert.