Marell Schumacher Studis GPRA Portrait1 17 002Es ist ziemlich kalt in der hessischen Metropole, als wir in den weitläufigen Räumen von Edelman.ergo im Frankfurter Bahnhofsviertel ankommen. Auf dem Tisch in dem Büro von CEO Susanne Marell stehen bunte Küchlein anlässlich des ersten Agentur-Geburtstages seit dem Zusammenschluss von Edelman und ergo Ende 2015. Ein offenes Lächeln, ein fester Händedruck und ein fröhliches Erscheinungsbild, das dem winterlichen Grau trotzt - Susanne Marell macht trotz ihres vollen Terminkalenders einen gelassenen Eindruck.
Foto: Andrea Schumacher, Saskia Reinbeck, Susanne Marell und Lisa-Maria Thurl  (von links)

Saskia Reinbeck: Sie haben Führungserfahrungen sowohl in Unternehmen als auch in Agenturen gesammelt...
Susanne Marell: Ich habe nach dem Studium direkt in einer Agentur gearbeitet. Danach bin ich zu einem Unternehmen gewechselt. Dafür habe ich mich aber hauptsächlich wegen der neuen Aufgabe entschieden. Das war damals eine einmalige Chance und ich habe nicht bewusst darüber nachgedacht, ob es eine Agentur oder ein Unternehmen ist. Bei der Entscheidung spielen für mich immer eine Mischung aus rationalen Gründen und Wohlfühlen eine Rolle. Ich glaube aber, dass heutzutage jeder beide Seiten kennen sollte, um auch wirklich gut beraten zu können. Das begreifen aber leider noch viel zu Wenige.

Lisa-Maria Thurl: Viele Agenturen haben Probleme, genügend Nachwuchs zu rekrutieren. Ergreifen Sie bestimmte Maßnahmen bei Edelman.ergo, wie Übernahmegarantien nach dem Trainee, um dieser Problematik vorzugreifen?  
Marell: Von einer Übernahmegarantie in Agenturen halte ich nichts. Wenn es mit dem jeweiligen Trainee nicht passt - und es passt nun mal in 20 bis 25 Prozent der Fälle nicht - dann haben Sie ein Problem. Und wie kommt man da wieder raus? Zu der weit verbreiteten Annahme, dass Unternehmen generell flexibler seien als Agenturen, habe ich als arbeitende Mutter andere Erfahrungen gemacht. Und deswegen kann ich nur sagen: Über Agenturen wird sehr viel geredet. Manches stimmt, manches sind aber auch einfach Vorurteile, die sich seit Jahren halten. Dabei kann man in Agenturen meist viel flexibler arbeiten als in einem großen Dax-Konzern. Wir werden zum Beispiel ab Januar 2017 eine flexible Wochenarbeitszeit einführen, wodurch unsere Mitarbeiter ihre Zeit freier gestalten können.

Reinbeck: Eines dieser Vorurteile, mit dem Agenturen nach wie vor kämpfen, ist die mangelnde Betreuung von Praktikanten, die sich häufig mit schlechter Bezahlung und langweiligen Aufgaben herumschlagen. Leider mussten auch wir diese Erfahrung machen...
Marell: Wir gehen mit unseren Praktikanten immer einen Deal ein: Der Praktikant will etwas lernen und ich will ihm etwas geben. Das funktioniert auch. Wir haben außerdem an jedem Standort sogenannte Prakti-Champions, die sich um die Betreuung der Praktikanten kümmern und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Das Praktikum ist für uns einfach eines der wichtigsten Recruiting-Mittel. Da bei uns relativ viele Praktikanten auch Trainee werden, hoffe ich, dass wir Vieles richtig machen. Für mich ist das schlichtweg eine Sache der Qualitätssicherung!

Thurl: Wo wir grade beim Thema Ausbildung sind: Es ist ja nicht nur damit getan, den Nachwuchs zu rekrutieren, sondern ihn auch nach der Ausbildung zu halten. Wie sieht es hier bei Edelman.ergo aus?
Marell: Bei vielen Mitarbeitern kommt Ende 20, Anfang 30 ein großer Umbruch. Da verlieren wir die meisten Leute. Aber da haben alle Agenturen die höchsten Fluktuationsquoten. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Familienplanung, Sicherheit, ein anderer Job – das ist einfach so. Das war aber übrigens auch schon vor 25 Jahren so. Hier versuchen wir mit Flexibilisierungen, internationalem Arbeiten und Branchenvielfalt dagegen zu halten. Einige wollen dann zum Beispiel doch mal mit Edelman.ergo in ein anderes Land gehen – und wir geben dann unser Bestes, um das auch möglich zu machen. Daneben zählt natürlich auch unsere Branchenvielfalt. Für die Kollegen ist das toll, heute für den einen und morgen für einen anderen Kunden zu arbeiten. Es ist einfach unglaublich bereichernd für den Einzelnen, nicht den ganzen Tag im Büro sitzen zu müssen und immer das Gleiche zu tun.

Reinbeck: Wie würden Sie denn diese neue Generation der ausgebildeten Kommunikationsmanager beschreiben, die nun von der Uni in den Arbeitsmarkt eintritt?
Marell: Was diese Generation von den vorherigen unterscheidet, ist, dass für sie zum Beispiel Praktika in anderen Ländern oder generell Arbeiten im Ausland vollkommen selbstverständlich sind. Es gibt einfach viel mehr Möglichkeiten. Die Generation ist außerdem schon sehr selbstbewusst, was Pläne und Vorstellungen von der Arbeit angeht. Aber das sehe ich nicht negativ, denn es ist ja schlau, wenn man weiß, dass das Leben begrenzt ist. Die Persönlichkeiten an sich haben sich aus meiner Sicht überhaupt nicht geändert. Trotzdem müssen sich Agenturen auch den neuen Bedürfnissen anpassen. Wir arbeiten kontinuierlich daran, um für Young Professionals sowie auch für unsere Mitarbeiter als Arbeitgeber attraktiv zu sein und die Neuerungen, die ab Januar 2017 in Kraft treten, sind ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunft. Trotzdem haben Sie da ein Agenturmodell, das sich mit dieser Generation erst einmal Stück für Stück reiben muss - im Positiven. Denn wenn morgen alle ins Sabbatical wollen, kann man keine Kunden glücklich machen. Und wenn die Kunden nicht glücklich sind, können Sie auch nicht ins Sabbatical. Und diese Balance muss man finden.

Neue alte Wege der Nachwuchsförderung

Thurl: Ein Traineeship als weitere Ausbildung wirkt nach einem langen Studium für manche abschreckend. Ist ein Traineeship für Sie nach wie vor die Voraussetzung für den Einstieg in eine Agentur?
Marell: Ich kann natürlich verstehen, dass man einen gewissen Anspruch hat, nachdem man lange studiert hat. Deswegen versuchen wir beispielsweise auch Verkürzungen anzubieten, wenn jemand schon ein Praktikum bei uns absolviert hat. Aber letztlich können Sie jemanden, der direkt von der Uni ohne praktische Erfahrungen kommt, nicht so einsetzen wie einen Junior, der ein Jahr Erfahrung hat – das ist ein riesiger Unterschied für den Kunden. Deswegen halte ich das Traineeship als Vorbereitung auf das Arbeitsleben weiterhin für absolut sinnvoll.

Reinbeck: Noch eine kurze Frage zum Schluss: Was ist Ihr Rezept für Zufriedenheit im Berufsalltag?
Marell: Das ist eigentlich ganz einfach: Das Team, die Aufgaben und das Geld müssen stimmen. Wenn eine der drei Komponenten nicht passt, dann macht es keinen Spaß. Deshalb würde ich bei diesen drei Faktoren auch nie einen zu großen Kompromiss eingehen.

Sponsored Content: Für die Arbeit der Gesellschaft PR-Agenturen (GPRA) sind Nachwuchsförderung und die gezielte Verbesserung des Images von Kommunikationsagenturen gegenüber Studierenden wichtige Ziele. Daher stellt sich in Kooperation mit dem „PR-Journal“ auch im Jahr 2017 jeden Monat ein Agenturchef der GPRA den Fragen von Studierenden. Die Interviews werden von Studentinnen und Studenten aus dem Fachbereich der Kommunikation und Public Relations geführt. Die Redaktion stellt die Plattform für den Austausch der vier PR-Nachwuchsinitiativen Public Relations Studierende Hannover e.V. (PRSH), Leipziger Public Relations Studenten e.V. (LPRS), kommoguntia e.V. in Mainz, und campus relations e.V. in Münster und weiteren Studierenden mit der GPRA. Die genannten PR-Initiativen werden vom „PR-Journal“ gefördert. In der 13. Folge stellten Saskia Reinbeck und Lisa-Maria Thurl aus dem Master Kommunikationsmanagement der Universität Hohenheim ihre Fragen.

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