Die weiteren Mitglieder des Orgateams v.l.: Nicole Scheplitz, Philipp Blankenagel und Svenja Ziegert mit Referentin Juliane Broß (2. v.l.) von der Hamburger Agentur Stilgeflüster. (©Stefan Schnoor)

Abseits der Kommunikationsverbände hat sich in der Hauptstadt ein besonders für junge PR-Leute interessanter Branchentreff etabliert: der Berliner PR-Stammtisch. Bereits vor rund vier Jahren hat ihn Susanne Krehl, Leiterin PR und Marketing beim Berliner Unternehmen Barzahlen.de, mit drei Mitstreiterinnen ins Leben gerufen. Sie wollten die (junge) PR-Szene in Berlin vernetzen und ihnen eine lockere Austauschplattform sowie Vorträge zu Branchenthemen bieten. Das scheint gelungen, inzwischen hat die informelle Runde eine erstaunliche Größe erreicht. Bei den Treffen kommen bis zu 140 Teilnehmer.

Stellenanzeigen für PR-Manager in Start-ups setzen bei den Kandidaten häufig folgende Qualifikationen voraus: einen Master in Kommunikations- oder Medienwissenschaften, mindestens ein Jahr Berufserfahrung in einem Start-up oder einer Agentur, hohe Affinität zu Online-Themen, Erfahrung in der Ansprache von Medien sowie erste Kontakte zu Journalisten, Bloggern und Influencern. In der Grundtendenz stehen Start-up-Kommunikatoren entsprechend eher am Anfang ihrer Karriere und fügen sich so in das jüngere Mitarbeiterprofil von Start-ups ein. „Sie sind häufig Einzelkämpfer. Ihnen fehlt deshalb der fachliche Austausch im Team“, fasst Susanne Krehl zwei weitere Eigenschaften zusammen.

Organisationsteam in neuer Besetzung

Der Berliner PR-Stammtisch hat sich etabliert. Das Organisationsteam hat vor kurzem gewechselt. Neben Susanne Krehl besteht es seit Anfang des Jahres aus Nicole Scheplitz, Philipp Blankenagel und Svenja Ziegert.

Inzwischen hat der PR-Stammtisch eine erstaunliche Größe erreicht. Den ersten Anlaufpunkt für Terminankündigungen, Jobangebote und Anfragen zu fachlichen Themen bietet dabei eine Facebook-Gruppe mit mehr als 900 Mitgliedern. Alle zwei Monate findet der eigentliche Stammtisch statt. „Je nach Thema kommen zwischen 20 und in der Spitze 140 Teilnehmer, wenn wir zum Beispiel einen in der Start-up-Szene bekannten Journalisten wie beispielsweise Martin Müller vom ‚Spiegel‘ zu Gast haben“, sagt Krehl. Experten aus Agenturen, Unternehmen oder Medien berichten an den Abenden über für die Branche relevante Inhalte wie Influencer Relations, Fragen rund um Bildrechte oder die Messbarkeit von PR. Die Veranstaltungsorte wechseln und werden meist von Unternehmen gestellt – im hub:raum der Deutschen Telekom ist man häufig zu Gast.

Keine Sales Veranstaltungen

Für Vorträge erhalten die Referenten kein Geld, dafür eine Plattform zur eigenen Vermarktung und Darstellung. „Dass Referenten sich geschäftliche Kontakte erhoffen, ist für uns legitim. Allerdings sollen die Stammtische keine reinen Sales-Veranstaltungen sein. Das machen wir in unseren Briefings klar“, so Krehl. Am Ende solle man als Teilnehmer schon etwas lernen können. Der Stammtisch sei bewusst offengehalten, weshalb sich unter den Gästen auch Repräsentanten von Recruiting-Agenturen versammeln, die Stellen besetzen wollen, PR-Agenturen mit der Hoffnung auf Kundenkontakte sowie Gründer tummeln, die Anregungen und Kontakte für ihre eigene Öffentlichkeitsarbeit suchen.

Organisationsteam aus Berliner Start-ups

Die Themen legt das Organisationsteam fest. Nicole Scheplitz, Philipp Blankenagel und Svenja Ziegert kommen von etablierten Start-ups. Scheplitz ist Head of Corporate Communications bei Orderbird, Blankenagel fungiert als Head of Communications bei der SolarisBank und Ziegert verantwortet die Kommunikation bei Outfittery. Für die Kampagne rund um den Launch der SolarisBank hat Blankenagel im vergangenen Jahr einen „PR Report“-Award gewonnen. Den Berliner PR-Stammtisch organisiert das Team parallel zu ihren Hauptjobs. Regelmäßig bietet die Gruppe Besuche bei Medien wie „Bild“, „Sat1“ oder „Wall Street Journal“ an – oft in Kooperation mit dem Bundesverband deutscher Pressesprecher (BdP).

Was zeichnet PR für Start-ups aus? „Es geht insbesondere um Aufbau und darum, aus einem kleinen Budget und mit einem kleinen Team möglichst viel zu machen. Es gibt viel Gestaltungsspielraum“, verrät Krehl. Sie hält es für wichtig, dass sich junge Unternehmen PR-Kompetenz erst einmal im eigenen Haus aufbauen und sich nicht zu früh Unterstützung von Agenturen ins Boot holen, die dann zum einen Kosten verursachen, zum anderen aber intern trotzdem noch gemanagt werden müssten. Natürlich spiele Online-Kommunikation eine wichtige Rolle, nur dominiere bei aller Orientierung an KPIs und eindeutiger Messbarkeit die klassische Pressearbeit. Krehl: „In meinem beruflichen Alltag geht es hauptsächlich darum, Kontakte zu Journalisten von Wirtschafts- und Fachpresse aufzubauen und ihnen gegenüber unsere Themen zu kommunizieren.“ Media Relations zeichne die PR in Start-ups in der Anfangsphase im Allgemeinen aus. Bei wachsendem Budget würden sich dann weitere Spielräume ergeben.