Lutz Meyer

Wer 2013 den Bundestagswahlkampf der CDU mit Kanzlerin Angela Merkel agenturseitig gemanagt hat, spielt automatisch in der Agentur-Champions-League mit den ganz großen Kampagnen. „Der Kanzlerinnen-Macher“ nannte der „Tagesspiegel“ Lutz Meyer damals nach Merkels Wahlsieg, den er mit der von ihm 2010 gegründeten Agentur Blumberry kommunikativ begleitet hatte. Von den großen Kampagnen hat er sich inzwischen verabschiedet. 2016 startete er mit Fullberry eine neue Kommunikationsberatung. Bei Blumberry ist er weiterhin Gesellschafter, aber aus dem Tagesgeschäft hat er sich zurückgezogen.

Das von Meyer erdachte gigantische Plakat mit der Merkel-Raute am Berliner Hauptbahnhof ist eines der bekanntesten Motive der jüngeren Wahlkampf-Geschichte. Nur: Auf die Umsetzung großer integrierter Kommunikationskampagnen hat er inzwischen wenig Lust. Back to the roots, „wieder mehr inhaltlich arbeiten“, „acht Schreibtische im Büro – mehr werden es nicht“, sagt der Agenturmanager über seine neue Kommunikationsberatung Fullberry, die er 2016 gründete.

Einquartiert hat sich Meyer mit seiner neuen Agentur in die vierte Etage im zweiten Hinterhof eines Altbaus im Berliner Prenzlauer Berg an der Grenze zu Mitte. Einen Aufzug gibt es nicht, dafür einen engen Treppenaufgang mit künstlerisch freigelegtem Mauerwerk, das in Architekturfragen unbedarfte Gemüter irrtümlich als baufällig bezeichnen könnten. Hinter der massiven Stahltür öffnet sich das Büro. Es besteht aus einem einzigen Raum. Die obligatorischen Apple-Rechner gibt es natürlich, dazu vier grüne Sessel in einer Ecke. „Unser Meetingraum“, wie Meyer schmunzelnd verrät, sowie eine kleine integrierte Küche mit Schokoladenosterhasen und Schokoeiern auf dem Tisch. „Das Geschenk einer schwedischen Delegation.“ An der Wand hängen Schwarz-Weiß-Fotos bekannter Politiker wie Gerhard Schröder, Helmut Kohl, Wolfgang Schäuble und Frank-Walter-Steinmeier. Die Schauspielerin Martina Gedeck und Modedesigner Wolfgang Joop sind auch vertreten.

Meyer sitzt ebenfalls in diesem Großraumbüro – gemeinsam mit seinen bislang vier ausschließlich weiblichen Angestellten. Ein eigenes Büro gönnt er sich nicht, was man als Mission-Statement für die offene Atmosphäre in seiner neuen Agentur auffassen kann. „Ich will operativ tätig sein und das machen, was mir Spaß macht“, betont Meyer. Verwalten, Meeting-Marathons und nur noch zu delegieren, würden nicht zu seiner Leidenschaft gehören und hätten ihn am Ende in seiner schnell wachsenden Vorgängeragentur Blumberry gestört und ermüdet. Stattdessen lieber ein mehrseitiges Strategiepapier oder Lösungen für ein Krisenkommunikationsszenario selbst schreiben – darum geht es dem früheren Scholz-&-Friends-Geschäftsführer, der von sich selbst sagt, dass sein Alleinstellungsmerkmal in der Vernetzung mit den wichtigen Köpfen aus Politik, Medien und Unternehmen liegt.

Schnittstelle von Politik, Unternehmen und Medien

Meyer Lutz Muenchner SicherheitskonferenzMit Fullberry will sich Meyer an der Schnittstelle zwischen Politik und Unternehmen bewegen. Entsprechend sei sein Team aufgestellt. „Wir haben die gesamte Umsetzung ausgelagert“, erklärt Meyer. „Wir wollen der Kopf einer Kampagne sein. Alles was wir machen, hat mit der Verbreitung von Ideen zu tun.“ „Gesellschaftskommunikation“ nennt er das. Es gebe weder einen Grafik-Designer, noch Programmierer oder reine Eventmanager. Strategie, Konzeptentwicklung gepaart mit Krisenkommunikation und politisch-mediales Agenda-Setting sollen den Kern der Kommunikationsberatung bilden. Aktuelle Kunden seien die Münchner Sicherheitskonferenz, die BMW-Stiftung und die Bill & Melinda Gates Foundation. Kürzlich hat Fullberry darüber hinaus eine große Gesprächsserie (Foto: © Münchner Sicherheitskonferenz) zur deutschen Außenpolitik erstellt. Die Ergebnisse finden sich auf 432 Seiten mit Gastbeiträgen von wichtigen Köpfen dieses Politikfeldes in dem Buch „Deutschlands Neue Verantwortung“.

Die Ausrichtung von Fullberry ist stark politisch geprägt. So gibt es eine Partnerschaft mit der Agentur Policy Impact in Washington, die über gute Zugänge zur neuen Trump-Administration sowie zu den aktuell entscheidenden Köpfen bei Republikanern und Demokraten verfüge. „Wir wollen Unternehmen und Verbänden Zugang zu denjenigen verschaffen, die jetzt in den USA relevant sind“, erklärt Meyer. Klassisches Lobbying, Public Affairs und Agenda-Setting also. Das Personaltableau in den USA habe sich mit Trump stark gewandelt.

Zugang zu US-Administration verschaffen

Wer die Medienberichte verfolgt hat, wie schwer es angeblich selbst der Bundesregierung vor Trumps Amtsantritt gefallen ist, herauszufinden, mit wem man in Washington überhaupt sprechen muss, um etwas über die Ziele des heutigen Präsidenten zu erfahren, mag hier eine echte Marktlücke erkennen. Zusätzlich gibt es eine Fullberry-Partnerschaft in Schweden, um Unternehmen aus Deutschland einen besseren Zugang zum nordeuropäischen Markt zu ermöglichen und genauso skandinavischen Firmen in die andere Richtung mit relevanten Playern zusammenzubringen. Außerdem übernimmt Meyer immer wieder Krisenkommunikationsmandate.

Um den Wahlkampfetat der CDU zur Bundestagswahl im Herbst dieses Jahres hat Meyer im Übrigen auch gepitcht. „Allerdings hatten wir einen anderen Ansatz als denjenigen, den Merkel am Ende wollte“, so Meyer. Und dass die Kanzlerin mit Jung von Matt angesichts der zu erwartenden harten Auseinandersetzung nun auf die führende Werbeagentur Europas als Partner setze, sei angesichts der politischen Ausgangslage für ihn „sicher eine gute Wahl“.


Wir haben die Kommentarfunktion wegen zu vieler Spam-Kommentare abgeschaltet. Sie können uns aber trotzdem Ihre Meinung zu diesem Artikel als Leserbrief direkt zusenden. Falls Sie wünschen, dass wir Ihren Leserbrief als Kommentar dem Artikel hinzufügen, vermerken Sie dies bitte in der Mail an uns.
leserbrief@pr-journal.de