Mast-Claudia ProfUniHohenheimDass Führungskräfte einen großen Einfluss auf Wohlbefinden, Motivation und Loyalität von Mitarbeitern haben, ist mittlerweile fast schon zur PR-Phrase geworden. Kommunikationsverantwortliche fordern seit Jahren, dass sich Geschäftsführer, Bereichsverantwortliche und nicht zuletzt Abteilungs- und Projektleiter aktiv in die Kommunikation einbringen. Vor allem für die interne Kommunikation wird ihnen große Bedeutung zugeschrieben. Doch nur wer in diesen Prozess eingebunden wird und sich – eine noch größere Herausforderung – eingebunden fühlt, zieht mit. Die Kommunikation mit den Führungskräften der Top-Ebene selbst ist dabei eine zentrale Hürde. An die Formate der persönlichen Kommunikation werden hohe Anforderungen gerichtet. Das hat jetzt ein Forschungsteam der Universität Hohenheim unter der Leitung von Claudia Mast (Foto), Professorin und Inhaberin des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft und Journalistik dort, durch eine Studie herausgefunden.

Nicht nur Mitarbeiter – auch Führungskräfte sind unzufrieden
„Zwischen einem Viertel und einem Drittel der Führungskräfte in Deutschland ist mit den angebotenen Kommunikationsformaten unzufrieden“, so Claudia Mast. Sie untersucht mit ihrem Team aktuell persönliche Kommunikationsformate und hat unter anderem 670 Führungskräfte des oberen, mittleren und unteren Managements aus Unternehmen mit mindestens 1.000 Beschäftigten in Deutschland befragt. Und deren Äußerungen zeigen klare Defizite auf: Zwar ist persönliche Kommunikation und Austausch mit der Unternehmensleitung gefragt – aber längst nicht in jeder Form. „Town Hall Meetings“, „Business Conferences“, „Breakfasts“ oder „Lunches“ im kleinen Manager-Kreis fallen bei etwa einem Viertel der Führungskräfte durch. Ihre Erwartungen werden nicht erfüllt, so die Befragten. Aber was ist ihnen wichtig?

Wenn schon persönliche Kommunikation, dann richtig
Für mehr als die Hälfte der befragten Führungskräfte (52 %) ist eine feste Agenda mit klaren Themen zentral, wenn die Unternehmensführung mit ihnen kommunizieren will. Sie ziehen einen festen Ablauf mehrheitlich offeneren Formaten vor. Regelmäßigkeit, Planbarkeit und Prägnanz in der persönlichen Kommunikation wird geschätzt. Das gilt auch mit Blick auf die Inhalte. Jeder zweite Befragte wünscht sich konkrete Themen und operative Fragestellungen, die im Detail betrachtet werden. „Bullshit-Bingo“, das heißt Phrasen im „Managersprech“, und allgemeine Themenüberblicke lehnen die meisten Befragten ab. Darüber hinaus werden diejenigen Zusammenkünfte kritisiert, bei denen die Unternehmensführung ausschließlich Informationen präsentiert, über Zahlen oder Modelle referiert oder Botschaften verkündet, ohne für Dialogmöglichkeiten offen zu sein. Stattdessen wünschen sich viele Führungskräfte mehr Aussprache und Austausch untereinander (39 %). An die Unternehmensführung bestehen noch speziellere Erwartungen: Von ihr erwarten sie vor allem Wertschätzung gegenüber Gesprächspartnern – sehr wichtig für 48 Prozent der befragten Führungskräfte – und ein echtes Interesse für deren Anliegen (46 %) ebenso wie eine sachliche und überzeugende Argumentation (47 %).

Führungskräfte erheben den Anspruch, von der Unternehmensführung ernstgenommen zu werden – und gerade in dieser Hinsicht nehmen sie ebenso wie Mitarbeiter Defizite bei Kommunikationsveranstaltungen wahr. Wenn die Unternehmensführung die interne Kommunikation als Managementfunktion versteht und umsetzt, hat sie noch ein großes Handlungsfeld vor sich. Die Führungskräfte haben nicht nur selbst hohe Erwartungen an die Kommunikation – die Kommunikation mit ihnen ist ein wichtiger Schritt, um sie als Multiplikatoren und Botschafter nach innen und außen zu gewinnen.

Weitere Informationen zur Studie direkt auf der Website des Fachgebiets für Kommunikationswissenschaft und Journalistik, Universität Hohenheim.