PR Preis Verleihung 2017„Weder spießig noch steif“ – so sollte die Verleihung des Internationalen Deutschen PR-Preises der DPRG am 23. März dem Veranstalter zufolge in diesem Jahr ablaufen. Was automatisch zu der Assoziation verleitete, dass frühere Preisverleihungen genau das waren: spießig und steif. Die Bezeichnung „Gala“ wurde aus der Einladung für die Auszeichnung der besten Kommunikationsprojekte gestrichen. Dafür sollte alles entsprechend der neuen Location – dem Münchner Sofitel Bayerpost – „stylisch, cool und ohne jedweden Plüsch“ über die Bühne gehen. Smoking? Nicht nötig! Stattdessen sollte man „Abendgarderobe“ googeln. Ergebnis: Ein Lodenanzug, eine Tracht oder ein Dirndlgewand wären in Bayern erlaubt, ein Kilt eine gewagte Option gewesen, verrät Wikipedia. Die rund 320 Gäste bevorzugten dann doch lieber klassisch schick. Am Ende war es in dem Fünf-Sterne-Hotelambiente eine unprätentiöse kurzweilige Veranstaltung.

In 19 Kategorien wurde der Internationale Deutsche PR-Preis verliehen. Gewinner des Abends waren Frank Behrendt als PR-Kopf des Jahres, Ellen Brinkmann und Bendix Hügelmann von Ketchum Pleon, die den Junior Award abräumten, sowie Cara Freiin von Beust (Bachelor) und Lena Scheider (Master) als Gewinner des Wissenschaftspreises. In der Vergangenheit war von der DPRG der Titel "Kommunikator des Jahres" verliehen worden, den meist Persönlichkeiten außerhalb der PR-Branche erhielten wie der damalige Bundespräsidentenkandidat Joachim Gauck, Erzbischof Franz Kardinal Lehmann oder Ursula von der Leyen. Das führte zwar zu Artikeln in der Tagespresse, hatte aber den Geschmack von offensichtlicher Eigen-PR. Mit Frank Behrendt, neuer Geschäftsführer von Serviceplan PR, Ex-Ketchum-Pleon-Mann, Ex-fischerAppelt-Vorstand, Buchautor, Selbstdarsteller und Winnetou-Fan, wurde jetzt eines der bekanntesten Agenturgesichter Deutschlands als herausragende Persönlichkeit ausgezeichnet – mehr Branchennähe geht nicht.

Im Gegensatz zu den „PR Report“ Awards, bei denen stets Agenturen die Nominierungen dominierten, standen auf der Shortlist des PR-Preises in der Vergangenheit häufig die Unternehmen allein. Das scheint so nicht mehr zu gelten. Fast alle großen Agenturen mit PR-DNA waren dieses Mal mehrfach nominiert und am Ende gab es für ihre Kampagnen von der 36-köpfigen Fachjury unter Leitung von Peter Szyszka, Professor für Public Relations an der Hochschule Hannover, auch ordentlich Preise. fischerAppelt, Blumberry, achtung!, Schröder+Schombs PR, komm.passion, Klenk & Hoursch, Scholz & Friends, Dederichs Reinecke Public Relations, Cohn & Wolfe, Serviceplan und Segmenta Communications konnten Awards mit nach Hause nehmen. Continental, Deutsche Telekom, EWE, Fraport, Rhein-Main-Verkehrsverbund, DAK-Gesundheit, Covestro und Adidas erhielten die weiteren Auszeichnungen – als Unternehmen.

Gesellschaftliche Relevanz schaffen

Warum Frank Behrendt als PR-Kopf des Jahres? „Er hat relevante und wichtige Diskussionen gestartet, die über die Branche hinauswirken“, sagte Laudatorin Susanne Marell, CEO von Edelman.ergo. Behrendt sei ein begnadeter Verkäufer, ein toller Netzwerker, Motivator und Inspirator. Er habe nicht zuletzt mit seinem Buch „Liebe dein Leben und nicht deinen Job“ eine wichtige Debatte über das Arbeitsleben angestoßen und sei jemand, der stets nach vorne blicke. Behrendt widmete den Preis seiner Frau, die es mit jemandem wie ihm aushalte, machte ein Liebesgeständnis an die Kommunikationsbranche – „Ich bin gerne in der Branche und gerne auf dem Spielfeld“ – und betonte in seiner Dankesrede, was für ein verrückter Paradiesvogel er doch sei.

Informationen über Projekte zum Selbststudium

Erstmals war der Medienfachverlag Oberauer für die Organisation des Abends verantwortlich. Die Intention, die Preisverleihung zu einer Networking-Plattform umzufunktionieren, ist in jedem Fall geglückt. Ab 18 Uhr konnte das Publikum bei einem gepflegten Drei-Gänge-Menü power-networken. Knapp bemessen war die Zeit für die Übergabe der 19 Preise an die 20 Gewinnerteams (in einer Kategorie gab es zwei Preisträger). Mehr als Mama, Papa und den tollen Kollegen aus dem Team zu danken oder einen Satz über die Intention des Projektes zu verraten, war auf der Bühne kaum möglich. Zu erzählen hätten die Kampagnen jedenfalls genug gehabt: Es wurden Bienen gerettet, die Vorzüge des Vegetarierdaseins erläutert und auf die Notwendigkeit der Grundlagenforschung gegen Demenz aufmerksam gemacht.

Trotz der knapp bemessenen Zeit für die Nominierten und Gewinner hing man fast eine Stunde hinter dem Zeitplan. Angenommen, jedes Siegerprojekt erhielte drei Minuten mehr, um seine Kampagne vorzustellen, sollte man dann noch eine Stunde dranhängen? Dieser Balanceakt zwischen Eile und Information wird sich bei der Masse an Kategorien nie lösen lassen. Bei Verlassen der Party gab es für Wissbegierige eine Dokumentation mit Informationen zu allen Finalisten und Preisträgern. Das ist die andere neue Komponente des Preises: Wissensaustausch und einen fachlichen Mehrwert schaffen.

Die Aftershow-Party eine Etage tiefer fiel aufgrund der Zeitüberschreitung der Award-Zeremonie deutlich kürzer aus. Um 2 Uhr morgens sollte sowieso Schluss sein. Die Tanzbegeisterung hielt sich in Grenzen, entsprechend mau war die Party. Sascha Hingst, dem Berliner Publikum als Moderator der „rbb Abendschau“ bekannt, führte durch den Abend. Er machte zwar einen gut vorbereiteten aber gleichzeitig irgendwie fahrigen Eindruck. So zu tun, als ob er sich nicht vorstellen könne, was eine Pop-up-Bar sei oder dass es tatsächlich Menschen auf diesem Planeten gebe, die nächtelang vor Schuhläden ausharren, um bestimmte Sneaker zu bekommen, wirkte wenig glaubwürdig.

In Zeiten, in denen Fake News und Social Bots existieren, ein amerikanischer Präsident das Beugen der Wahrheit zum Normalfall und Qualitätsmedien zu seinen Feinden erklärt hat sowie Hetze und Beleidigungen in sozialen Netzwerken eher Alltag als die Ausnahme darstellen, hätte man sich ein politisches Statement der DPRG gut vorstellen können. DPRG-Präsident Norbert Minwegen beließ es dabei, darauf hinzuweisen, dass die „Kommunikationsbranche stärker nach draußen gehen und sich einmischen“ müsse. Die notwendigen Kompetenzen seien vorhanden. Insgesamt schien es bei der Veranstaltung vor allem darum zu gehen, den Eindruck von Spießigkeit zu vermeiden und sich in guter Laune zu üben, als mit schwermütiger Analyse Tiefe zu erzeugen. Ein ausgelassenes Fest ist aber natürlich auch etwas Feines.

Alle Preisträger gibt es hier. http://www.der-deutsche-pr-preis.de/preistraeger.html 

Die Preisträger:
Kategorie 1.2 Kommunikationsmanagement
IMAGE, REPUTATION UND CORPORATE BRANDING
Sea Hero Quest: Spielen gegen das Vergessen #gameforgood
Einreicher: Schröder+Schömbs PR; Auftraggeber: Deutsche Telekom AG

Kategorie 1.3 Kommunikationsmanagement
VERANTWORTUNGS- UND NACHHALTIGKEITSKOMMUNIKATION
bee careful - Bienenhelfer
Einreicher: segmenta communications; Auftraggeber: Schwartauer Werke

Kategorie 1.4 Kommunikationsmanagement
VERÄNDERUNGS-, KONFLIKT- UND KRISENKOMMUNIKATION
Ärmel hochkrempeln für Frankfurt-Rhein-Main
Einreicher: Rhein-Main-Verkehrsverbund

Kategorie 2.1 Meinungsmärkte
MEINUNGSBILDNER IN DER MEDIEN- UND NETZÖFFENTLICHKEIT
DAK-Gesundheitsreport 2016 "Der große Unterschied - warum Frauen und Männer anders krank sind"
Einreicher: DAK-Gesundheit

Kategorie 2.2 Meinungsmärkte
INTERNE KOMMUNIKATION UND EMPLOYER BRANDING
GamePlan A
Einreicher: adidas Group

Kategorie 2.3 Meinungsmärkte
EIGENTÜMER UND FINANZMARKT
Covestro: Neustart plus Börsengang
Einreicher: Covestro Deutschland AG

Kategorie 3.1 Organisationstypen
KLEINE UND MITTELSTÄNDISCHE UNTERNEHMEN
GNT: Von der verschlossenen Auster zum internationalen Meinungsführer dank strategischer Media Relations
Einreicher: Klenk & Hoursch; Auftraggeber: GNT Group B.V.

Kategorie 3.2 Organisationstypen
NON-PROFIT-ORGANISATIONEN
„LA TABLE SUISSE“ – Mit Katzenfleisch gegen Doppelmoral
Einreicher: Scholz & Friends; Auftraggeber: VEBU (Vegetarierbund Deutschland e.V.)

Kategorie 3.3 Organisationstypen
VERBÄNDE UND ÖFFENTLICHE EINRICHTUNGEN
Der große Aufschrei der freien Experten!
Einreicher: Blumberry GmbH; Auftraggeber: Allianz für selbständige Wissensarbeit (ADESW)

Kategorie 4.1 Themen und Märkte
PR IN DER VERTRIEBSKOMMUNIKATION (B-to-B und B-to-C)
„Den Senf aus den Klauen der Wurst befreien“ – oder Multichannel Kampagne der Marke Maille Senf zur Erreichung der Zielgruppe „Foodies“
Einreicher: Dederichs Reinecke Public Relations GmbH & Co.KG; Auftraggeber: Importhaus Wilms / Maille

Kategorie 4.2 Themen und Märkte
GESUNDHEIT UND LIFE SCIENCE
#nurwennicheswill: Eine Kampagne für sexuelle Selbstbestimmung
Einreicher: Cohn & Wolfe; Auftraggeber: HRA Pharma Deutschland

Kategorie 4.3 Themen und Märkte
FOOD UND ERNÄHRUNG
The Wurst Case - wie eine Pop-Up Bar die Schweiz nach Deutschland brachte
Einreicher: komm.passion, Auftraggeber: Proviande Genossenschaft
Und „LA TABLE SUISSE“ – Mit Katzenfleisch gegen Doppelmoral
Einreicher: Scholz & Friends; Auftraggeber: VEBU (Vegetarierbund Deutschland e.V.)

Kategorie 4.4 Themen und Märkte
TECHNOLOGIE UND INNOVATION
„Taumeln wir in die Digitalisierung? Wir brauchen digitale Verantwortung!“ Diskussions- und Positionierungs-Initiative
Einreicher: Deutsche Telekom AG

Kategorie 5.1 Instrumente
UNTERNEHMENSBERICHTERSTATTUNG
Continental Media Webcast
Einreicher: Continental AG

Kategorie 5.2 Instrumente
CORPORATE MEDIA (Print, Web)
ewe.com - ein neuer Zugang zu Corporate Content
Einreicher: EWE AG und ATO interactive GmbH

Kategorie 5.3 Instrumente
BEWEGTBILD-KOMMUNIKATION
Flughafen Frankfurt setzt mit spektakulärer Landung zum viralen Start an
Einreicher: Fraport AG

Kategorie 5.4 Instrumente
ONLINE-KOMMUNIKATION UND SOCIAL MEDIA
Rollin' feat. Eko Fresh
Einreicher: Serviceplan Content Marketing; Auftraggeber: DB Regio AG

Kategorie 5.5 Instrumente
INSZENIERUNG UND LIVE-KOMMUNIKATION (Event, Sponsoring, Messen)
Germany’s First Sneakers Art Gallery
Einreicher: achtung!; Auftraggeber: eBay

Kategorie 6. INNOVATIVE KOMMUNIKATION
Lass die Helden heulen
Einreicher: fischerAppelt, Fork Unstable Media; Auftraggeber: fischerAppelt


Wir haben die Kommentarfunktion wegen zu vieler Spam-Kommentare abgeschaltet. Sie können uns aber trotzdem Ihre Meinung zu diesem Artikel als Leserbrief direkt zusenden. Falls Sie wünschen, dass wir Ihren Leserbrief als Kommentar dem Artikel hinzufügen, vermerken Sie dies bitte in der Mail an uns.
leserbrief@pr-journal.de


Heute NEU im PR-Journal