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roehr thomasInterview mit Dr. Thomas Röhr über die aktuellen Herausforderungen im Fundraising

PR-Journal: Ausgelöst durch Stephan Loipfingers Buch „Die Spendenmafia – Schmutzige Geschäfte mit unserem Mitleid“, in dem es um Schwarze Schafe in der Branche und den Missbrauch von Spendengeldern geht, erschienen in den letzten Monaten weitere Berichte über zumindest kritisch zu betrachtende Beispiele des Spendensammelns. Wie gehen Sie damit um?

Thomas Röhr: Leider gibt es auch in der Fundraising-Branche sog. „schwarze Schafe“, deren Handlungen ganz klar strafrechtlich verfolgt werden müssen. Allerdings wird nun das Bild einer skrupellosen Spendenszene gezeichnet. Das ist völlig übertrieben. Dabei arbeitet die überwältigende Mehrheit der Non-Profit-Organisationen nach klaren Vorgaben zu Datenschutz, Ethik und der Verwendung von Spendengeldern. Der Deutsche Fundraising Verband hat 19 Grundregeln einer guten, ethischen Fundraising-Praxis entwickelt, die unsere Mitglieder anerkennen und die in der Branche selbstverständlich geworden sind.

PR-Journal: Hat die Negativ-Berichterstattung zu einem Vertrauensverlust in der Bevölkerung geführt? Und wenn ja, was setzen Sie dem entgegen?

Thomas Röhr: Leider musste man feststellen, dass die „Kultur des Gebens“ in Deutschland im Dezember 2011 starken Schaden genommen hat. Die Verunsicherung vieler Menschen war spürbar, so berichteten uns viele Mitglieder, die als Fundraiser in den unterschiedlichsten Organisationen arbeiten. Es war bedauerlich, dass ausschließlich negative Beispiele benannt worden sind. Ein professionelles Fundraising ist jedoch etwas Positives, da es die Finanzierung der verschiedensten Projekte in Deutschland und weltweit unterstützt.

PR-Journal: Wie steht es aus Ihrer Sicht um die Transparenz bei den Spendenorganisationen?

Thomas Röhr: Ein Großteil der Spendenorganisationen in Deutschland ist mittlerweile wesentlich transparenter als vielleicht noch vor zehn Jahren. Ein gutes Beispiel sind die herausgegebenen Jahresberichte, die auch über die finanzielle Entwicklung der betreffenden Organisation Auskunft geben. Hier kann sich jeder Interessierte ein Bild machen, zumal nicht nur von Zahlen die Rede ist, sondern auch über die verschiedensten Projekte berichtet wird.

PR-Journal: Welche Maßnahmen können für mehr Transparenz sorgen?

Thomas Röhr: Transparenz ist vor allem in Krisenkommunikationen gefordert. Sehr häufig ist zu beobachten, dass Organisationen bei kritischen Berichten über ihr Fundraising jede Auskunft verweigern. Dabei wäre das Gegenteil viel sinnvoller, denn mit einer offenen und mithin transparenten Kommunikation wäre sicher der eine oder andere Spendenskandal für einige Organisationen unproblematischer verlaufen.

PR-Journal: Welche Themen werden den Deutschen Fundraising-Tag im April in Berlin bestimmen ?

Thomas Röhr: Neben der schon erwähnten Transparenz wird es auch um neue Fundraising-Strategien gehen. Dazu ist ein internationaler Blick notwendig, zum Beispiel in die USA. Internationale Referenten werden uns sicherlich viele neue und interessante Ideen vorstellen. 

Dr. Thomas Röhr ist stv. Vorsitzender und Pressesprecher des Deutschen Fundraising Verbandes/Berlin, www.fundraisingverband.de


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